Vom Wissenshunger, der Unkonferenz und dem Unternehmens-Meetup als Werkzeuge des #NewWork

Bastian Wilkat hat sich schon zu Studienzeiten für die neuen Formen des Arbeitens begeistert und darüber geschrieben. Inzwischen, mit ein paar Jahren Berufspraxis, ist er Herausgeber des The New Worker. Und hier fand ich gerade einen Artikel von ihm, dessen Inhalte auch auf dem Blog des Forum Agile Verwealtung interessieren dürften. So bat ich um die Erlaubnis, die besprochenen 3 erprobten Ideen für ’neues Machen in konservativen Unternehmensstrukturen‘ auch hier nochmals zu posten. Dann also …

Bastian Wilkat – u.a. Herausgeber des ‚The New Worker‘

Eine Frage, die Bastian immer wieder hörte, wenn es um neue Ansätze von Arbeitsorganisation geht: “Wie soll das bei uns gehen? Wir sind zu groß (zu alt, zu konservativ, denken zu eng…)”.

Die Fragen klängen so, als ob New Work ein Ziel oder Selbstzweck sei. Dem wäre natürlich nicht so. Hinter dem Klapperbegriff verbergen sich je nach Überzeugung konkrete Methoden, Organisationskonzepte oder eine Sichtweise.

So hatte er sich Gedanken gemacht, was an “New Work” auch in „alten Strukturen“ möglich wäre. Wenn New Work verstanden wird als: Etwas besser machen, besonders beim Wissensaustausch- und in Vernetzungsformaten von Kollegen/innen untereinander.

Die drei folgenden Ideen ließen sich selbstorganisiert durchführen, bieten aber auch viele Ansätze für die Zusammenarbeit mit internen Sponsoren (Empfehlung!).

Bastian beschreibt die Ideen so, wie er sie umgesetzt erfahren hat. Den Transfer auf das eigene Umfeld müsse natürlich Jeder für sich selbst übernehmen.

Idee 1: Wissenshunger

Alle 14 Tage eine einstündige Mittagspause, in der ein Kollege/Kollegin einen 15-minütigen Impuls hält. Themen: Aktuelle Projekte oder Herausforderungen, spannende Trendthemen, neue Ideen. Danach gemeinsame Diskussion. Das Unternehmen sponsert Pizza (oder Salat).

Warum?

Ab einer bestimmten Größe entstehen soziale Inseln in Unternehmen. Jeder werkelt vor sich hin. Man kennt seine engen Kollegen. Die anderen grüßt man mal kurz in der Kaffeeküche. Durch den Wissenshunger entsteht ein lockerer fachlicher Austausch mit Personen, die man noch nicht so gut kennt.

Durchführung

  • Themen und Speaker akquirieren: Hier heißt es viel herumfragen. Das eigene interne Netzwerk aktivieren; Führungskräfte fragen; in internen sozialen Netzwerken nachsehen, ob jemand “auffällt”.
  • Raum buchen und Videokonferenz einplanen.
  • Für das Format werben! Erzählt es überall; lasst die Speaker ihre direkten Kollegen werben; tragt es ins Intranet ein; erstellt stylische Banner (z.B. mit http://canva.com).
  • Während der Durchführung nach weiteren Ideen für das Format fragen.
  • Eine Austauschplattform erstellen (z.B. eine Gruppe — im Intranet, bei Facebook, bei Slack, bei Yammer oder schlicht bei What’s App).

Idee 2: Unternehmens-Unkonferenz

Eine Unkonferenz ist ein sog. Open-Space, bei der die Teilnehmenden die Inhalte vorgeschlagen und leiten. Jeder kann bei einer Unkonferenz eigene Fragen und Ideen als Session anbieten. Finden sich Interessenten, einigt man sich auf eine Zeit und einen Raum und arbeitet dort daran.

Warum?

Dieses Format eignet sich besonders für ein Meta-Thema wie “Wie wollen wir zusammenarbeiten”, da es ein öffnendes Format ist. Vielleicht ergeben sich daraus ja konkrete Initiativen. Außerdem kommen so oft Menschen zusammen, die im Alltag wenig miteinander zu tun haben.

Durchführung

  • Internes Orga-Team finden, Ideen entwickeln und Grobkonzept erarbeiten (hilft für die eigene Strukturierung aber auch um das Vorhaben zu kommunizieren).
  • Marketing, HR, Unternehmensentwicklung oder sonst jemanden als internen Sponsor gewinnen (egal ob man Mitarbeiter und Führungskraft ist).
  • Klären, ob Kollegen an der Unkonferenz als “Weiterbildung” teilnehmen können. Wenn nicht: Tagesveranstaltung an einem Samstag möglich? Können Hürden weggeschaffen werden, dass Kollegen samstags dabei sind (Kinderbetreuung, Mitnahme von Partnern, Übertragung von Bundesliga-Spielen usw.)?
  • Ins Bar-Camp-Format einlesen: Hier, hier und hier.

Idee 3: Unternehmens-Meetup

Ein Meetup ist in der Urform ein formloses Treffen von Menschen mit einem gleichen Interesse. Früher auch bekannt als Stammtisch :-).

Meetups gibt es mittlerweile in jeder Form und Facette. Selbst in kleinen Städten sprießen sie aus dem Boden: Businessthemen, Häkel-Meetups, Yoga-Gruppen. Ich habe selbst mehrere Meetups initiiert (z.B. das VR-Meetup-Gö, das Startup-Meetup-Gö und Digital Technologies Meetup Oldenburg) und finde vor allem die Diversität der Teilnehmenden klasse.

Warum?

Meetups eignen sich durch ihren inklusiven Charakter sehr gut für den Einsatz im Unternehmenskontext. Außerdem braucht man nicht viel für die Organisation. Ebenso wie beim Wissenshunger lernt man Personen kennen, die man sonst “mal eben grüßt” aber gar nicht weiß, was sie umtreibt.

Durchführung

  • Für ein Meetup reichen ein Ort (intern oder extern in einem Café o.ä.) und ein paar Getränke und Snacks.
  • Vor einer größeren Werbung für das Meetup sollte man schon drei, vier Personen direkt und persönlich eingeladen haben. Dann kann man gemeinsam überlegen, wie man mehr Kollegen/innen erreichen kann (wenn das das Ziel ist). Und wenn sich niemand anmeldet, sitzt wenigstens der harte Kern zusammen.
  • Ein Meetup muss nicht ganz offen gestaltet werden. Ich lade gerne externe Experten für Kurzvorträge oder Podiumsdiskussionen zu ganz speziellen Themen ein, um im Anschluss gemeinsam dazu zu diskutieren. Probiert verschiedene Varianten einfach aus.

Bei den vorgestellten Formaten sollte man sich natürlich überlegen, was man eigentlich erreichen will. Auch wenn Bastian die Vernetzung sehr wichtig fände, so muss das nicht der Grund für den Wissenshunger oder ein Meetup sein. Man denke als selber nach, wie diese Formate in das jeweilige Umfeld passen könne.

Mit freundlicher Genehmigung von Bastian Wilkat.
Zur Erstveröffentlichung: 3 erprobte Ideen für neues Machen in konservativen Unternehmensstrukturen

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztiegel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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