Zen and the Art of Weiterbildung

Agiles Arbeiten ist immer Arbeiten im Team. Ich möchte gerne Bücher vorstellen, die uns dabei helfen können, bessere Teams zu werden. Dabei stelle ich Fragen und schlage jeweils ein passendes Buch für den entsprechenden Aspekt vor. Die Bücher kommen meist nicht aus dem Umfeld der agilen Softwareentwicklung und sind trotzdem (oder gerade deswegen?!) gute Inspirationsquellen für die persönliche Weiterbildung.

Ich bin seit 3 Jahren Product Owner und war vorher mehr als 15 Jahre als Berater in unterschiedlichen Rollen in der Softwareentwicklung unterwegs (Von der Konzeption über Entwicklung bis zum Testen). Dabei habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass nicht die technischen Probleme die großen Blocker sind:

The major problems of systems work
are not so much technological as sociological.
(Tom DeMarco)

Frage 1: Welche Eigenschaften hat ein effektives Team-Mitglied?

Die Antwort darauf kann man im Buch The 7 Habits of Highly Effective People von Stephen Covey finden: 

  1. Sei proaktiv
  2. Beginne mit einem Ziel im Hinterkopf
  3. Setze Prioritäten
  4. Setzte auf Win-Win
  5. Versuche erst, andere zu verstehen und dann selbst verstanden zu werden
  6. Schaffe Synergien
  7. Schärfe deine Säge (Sorge dafür, dass Deine Wirksamkeit nicht nachlässt)

Frage 2: Welche Eigenschaften hat ein effektives Team?

Dazu empfehle ich, darauf zu achten, dass das Team keine der Eigenschaften aufweist, die in The Five Dysfunctions of a Team: A Leadership Fable von Patrick Lencioni beschrieben werden:

  1. Fehlendes Vertauen (die Basis)
  2. Furcht vor Konflikten
  3. Abwesenheit von (Selbst-)Verpflichtung
  4. Vermeidung der Übernahme von Verantwortung
  5. Fehlende Aufmerksamkeit gegenüber den Team-Ergebnissen

Frage 3: Wie sieht nun eine effektive Organisation aus?

Das Buch The 5th Discipline von Peter M. Senge gibt hier einen tiefen Einblick, wie eine lernende und sich dann selbst verbessernde Organisation aussehen muss. Leider ist es mir nicht möglich, hier eine sinnvolle Kurzbeschreibung zu geben. Ich kann es aber nur empfehlen, sich diesen „Wälzer“ mal anzuschauen.

Frage 4: Was ist effektive Führung?

Das wunderbar zu lesende Buch The Goal von Eliyahu M. Goldratt und Jeff Coxl beschreibt den fiktiven Weg eines Managers auf dem Weg, eine Fabrik vor der Schließung zu retten (und noch mehr …). Es geht um die folgenden Punkte:

  •  Finde Flaschenhälse im Prozess …
    … und elimeniere sie
  • Stelle Fragen, diskutiere die Antworten …
    … benutze Dialoge
  • Setze so gefundene gute Ideen im Arbeits- und Privatleben um …
    … probiere sie aus, verbessere sie kontinuierlich

Frage 5: Was hindert uns und andere daran, „einfach rational“ zu denken?

Daniel Kahneman beschreibt in Thinking, Fast and Slow ein Modell, mit dem er bestimmtes Denken in unseren Gehirnen erklären möchte:

  • „System 1“: Schnelles Denken, automatisch, permanent aktiv, emotional, in Stereotypen einteilend, unbewusst
  • „System 2“: Langsames Denken, Energie zehrend, eher selten aktiv, logisch, kalkulierend, bewusst durchgeführt

Wir brauchen bei unser Arbeit das „System 2“, welches uns aber Energie kostet und erschöpft und die schlechte Nachricht ist, dass wir die Welt um uns zunächst mit dem „System 1“ wahrnehmen. Dass sollte uns immer bewusst sein, das wir und alle anderen Menschen um uns so ihr Denken ausführen. Leider ist man dadurch nicht immer rational.

Frage 6: Wie sieht denn eine optimale Umgebung aus, die die Menschen und Prozesse in ihrer Reife wachsen lässt?

Mein Favorit dafür ist der Lean Primer von Craig Larman and Bas Vodde (siehe http://www.leanprimer.com/ ) und mein Lieblingssatz daraus ist:

Watch the baton, not the runners.

Es geht immer darum, herauszufinden „Was ist das eigentliche Ziel“ und darauf hin zu optimieren. Im Staffellauf zum Beispiel muss der Stab schnell zum Ziel und dabei durch die Hände der Läufer. Dieser Vorgang muss schnell und fehlerfrei durchgeführt werden und es geht nicht darum, die einzelnen Läufer in der Zeit zu optimieren, in der sie nicht (mehr) für die Erreichung des eigentlichen Ziels beitragen. Leider wird in vielen Organisationen das eigentliche Ziel aus den Augen verloren.

Es gibt sicherlich noch viel mehr Fragen zum agilen Arbeiten und genauso viel gute Literatur. Ich lade alle Wissensdurstigen ein, die sich eine der oben genannten Fragen stellen, sich das passende Buch zu besorgen und vielleicht eine oder mehrere Antworten zu entdecken.

Es lohnt sich.

Autor: Helmar Gebert

Product Owner, Dad, Wakeboarder

Ein Gedanke zu „Zen and the Art of Weiterbildung“

  1. Vielen Dank für diese Zusammenfassung und den Kurzüberblick, Helmar.
    Der Innovationsmanager und Company Pirate, Tobias Leisgang, und ich haben unabhängig voneinander eine ähnliche Erfahrung gemacht wie bspw. Tom deMarco. Larman, Conway, Goldratt und viele andere sind uns bekannt und es gelang uns unterschiedlich gut, unsere Erkenntnisse aus ihrer Vorarbeit in die Tat umzusetzen. Wir beobachteten dabei, dass es in der Praxis sehr schwer ist, aus bestehenden und selten vorteilhaften Umgebungen heraus, „das Richtige“ „richtig“ zu tun.
    Wir wollen ermutigen und zeigen, wie so etwas aussehen könnte und worauf es unserer Erfahrung nach ankommt.
    Deshalb haben wir unseren Erkenntnissen in der Sache, die zunächst verworrene Geschichte unseres ‚altered Ego‘ Frank vorangestellt. Jeden ‚Third Thursday‘ veröffentlichen wir ein weiteres Kapitel aus seinem Bericht von der Reise ‚zur Großartigkeit jenseits der EgoBarrieren‘.
    Wir nennen das Format ‚Business Impro Theater‘. Und ja, wir haben es ‚der Einfachheit halber‘ im IT-Umfeld platziert.
    Denn: ‚IT‘ ist eines der größten Missverständnisse unserer Zeit. IT ist ein Mittel – nicht der Selbstzweck unserer Arbeit.
    Und damit knüpfen wir u.a. bei Robert M. Pirsig an. Dort geht es ebenfalls weniger um Zen oder Die Fähigkeit der Maschinenwartung. Es geht um die Beziehung von Menschen in und mit ihrer Umwelt. Und darin besteht die Kunst.
    Wir laden Dich und jede andere Person ein, diese nicht ganz so fiktive Geschichte zu verfolgen und sogar mit zu beeinflussen.
    Denn: bereits das Schreiben des Buches ist der Praxisbeweis für seinen Inhalt.

    Wir nennen es: ‚The Art of Collaboration‘
    EN: https://leanpub.com/aoc/c/HH9pms05vOI4
    DE: https://leanpub.com/kdz/c/peBVsOMs3UUn

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