Darüber, was wir vom Anarchismus die Organisation betreffend lernen können …

Schwieriges Thema. Wie anfangen? Für die Meisten von uns ist Anarchismus etwas sehr Negatives, Ablehnenswertes, kommen uns doch sofort die Medienbilder von Chaos und Gewalt vor das innere Auge, böse Anarchisten mitgetönt. So ist uns das, was die frühen Anarchisten an förderlichen Weltbildern entwickelten, nicht nur madig gemacht worden … Schotten dicht, wir brauchen uns darum keine Gedanken zu machen. Dabei ist es mehr als schade, dass wir hier einen blinden Flecken besitzen!

Ich beschäftige mich inzwischen seit einem Jahrzehnt, d.h. seit ich mich, getriggert durch die Finanzkriese 2008/2009, auf den Weg gemacht habe, alternative, zuträglichere Organisationsformen für Gesellschaften zu finden, auch mit dem, was uns die ersten Anarchisten Proudhon, Bakunin und Kropotkin, die sich noch anti-autoritäre Sozialisten nannten, über Organisation in die ‚unterdrückten‘ Geschichtsbücher geschrieben haben. Gut zusammen gefasst hat das Rudolf Rocker in seinem Artikel Anarchismus und Organisation :

Menschen, welche durch allgemeine Interessen verbunden sind, schaffen sich allgemeine Richtlinien in der Form freier Vereinbarungen, die ihnen zur Richtschnur ihres Verhaltens dienen. Der Vertrag zwischen Gleichen bildet die moralische Grundlage jeder wahren Organisation. Jede andere Form der menschlichen Gruppierung ist Zwang, ist Despotismus der Vorrechte.

Rudolf Rocker (1873 – 1958, Anarcho-Syndikalist) in Anarchismus und Organisation

Dieses Aushandeln von Spielregeln untereinander ist das, was ich als sehr tragendes Element in der agilen SCRUM Methodik seit inzwischen 10 Jahren beobachten kann und nicht mehr missen möchte. Das ist aber auch das, was uns die Ängelholmer über die Organisationsform ihrer Arenen berichtet haben (siehe: Agile Arbeitsorganisation in der Praxis: die „Arenen“ Ängelholms).

Kleiner Einschub. Als ich zu ahnen begann, dass es sich lohne, in die Gedankenwelt der Anarchisten einzutauchen, hatte ich mir das ‚dicke‘ Buch  Geschichte der Anarchie von Horst Stowasser beschafft. Ich erzählte meinen Eltern (damals beide schon über 70) nach der Lektüre von meinen Eindrücken und erhielt von ihnen das Buch mit den Worten zurück: „Ja, so zu leben, würde mir auch gefallen. Nur, wer lässt uns schon …?“. Zur weiteren Erhellung möchte ich noch auf den folgenden Artikel aufmerksam machen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit bist auch Du ein Anarchist …

In meinen Augen ist die Art der anarchistischen Organisation eine der höchsten, kommt sie doch aus den Teilnehmern selbst heraus und nicht von oben aufgezwungen:

Wie feindlich ich auch immer dem, das man in Frankreich Disziplin nennt, gegenüberstehe, so erkenne ich doch an, dass eine gewisse, nicht automatische, sondern freiwillige und überdachte Disziplin immer da notwendig ist und stets notwendig sein wird, wo Menschen, die sich freiwillig zusammengefunden haben, eine gemeinschaftliche Arbeit unternehmen oder eine gemeinschaftliche Aktion ins Werk setzen wollen. Eine solche Disziplin ist die freiwillige, auf einen gemeinschaftlichen Zweck hinarbeitende und mit voller Überlegung ausgeführte Vereinbarung aller individuellen Anstrengungen.

Bakunin, gefunden in Anarchismus und Organisation

In der Zeit Bakunins wurden als rechtliche Organisationsform die Genossenschaft aus der Taufe gehoben. In diesem Geiste gründeten sich die Volksbanken und Reiffeisenbanken:

Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-88), dt. Agrarpolitiker, Gründer der Raiffeisengenossenschaften

Als sich die Sympathien der Arbeitenden zum Anarchismus in Frankreich auszubreiten begann, zogen die herrschenden Strukturen die Reißleine und verfolgten ihre Anhänger, so dass sie nur noch im Untergrund tätig sein konnten. Von hier aus ging dann auch die eine oder andere Bombe frustrierter Fehlgeleiteter hoch. Fehlgeleitet deshalb, da die ‚wahren‘ Anarchisten nie Gewalt ausüben würden, wäre das doch der Verrat ihrer Idee.

Es gäbe noch viel über einige weitere Versuche in anderen Ländern zu erzählen, deren Schicksal aber genauso ausging. Denoch möchte ich noch von einem Ereignis schildern, das zwar auch nur über die kurze Phase von einem Jahr ging, das aber hier in einem Teil Deutschlands friedlich ablief. Es war die kurze Zeit der Wende in der DDR bis zur zweiten Wende, als die neuen Bundesländer in die Strukturen des westlichen Bruders übernommen wurden. In dieser kurzen Zeit lösten sich die Machstrukturen auf. Keiner hatte mehr Lust, sich von den alten Kadern gängeln zu lassen. Genauso wenig hatte Jemand Lust, diese für sie ‚hässliche‘ Rollen einnehmen zu wollen. Und so wurde friedliche Basisdemokratie gelebt und auf dieser Basis die Organisation der Unternehmen voran betrieben.

Wenn man sich heute mit ehemaligen Kollegen trifft, dann kommt sehr schnell die Sprache auf jene Zeit, in der alles möglich schien, in der wir die Freude selbstbestimmten Handelns erleben konnten. Das gibt es nicht so häufig im Leben. Viele von uns hat das nachhaltig geprägt.

Heiner Noske, siehe Keine Macht für Niemand – ZUR ERINNERUNG AN DIE FRIEDLICHE REVOLUTION IN DER DDR

Dass sich Anarchisten organisieren und dabei aber auch auf erfahrene Experten setzen, dass brachte Bakunin noch zur Kenntnis:

gefunden in „Feminismus und Anarchie„, besprochen von Gunnar Kaiser, Minute 29

Unterm Strich stelle ich nach der vielen Lektüre über die Ideen und Ideale der Anarchisten fest, dass es auch ihnen primär um die Haltung zm Gegenüber geht und um Ziele und Spielregeln, die miteinander direkt ausgehandelt werden. Und zwar in einer Art, dass alle Beteiligten so gut damit leben können, dass sie beim miteinander Wirken in einen Flow kommen können. Und einer Führung, die Gebhard Brock in seinem Buch Affenmärchen – Arbeit frei von Lack & Leder auch beschrieben hat: es führt gerade der, der beim aktuellen Thema der Experte ist und daher für das laufende Projekt gewählt wurde.

Schließen möchte ich mit einer Erzählung , die Horst Stowasser nach einem Gespräch einer Dame aus gehobenem Hause aufschrieb. Sie ging über die Zeit der dreijährigen Anarchie in Spanien rund um Barcelona bevor Franco 1936 mit Hilfe von Hitler aber auch den Bolschewiken Russlands dem ‚Treiben‘ ein Ende machte:

In dieser Zeit organisierten sich etwa 11 Millionen Menschen so, dass nur wenige Personen in der Verwaltung aktiv waren, die eigentliche Organisation fand dezentral durch die Arbeitenden selbst statt. Es war die einzige Zeit, in der die U-Bahnen Barcelonas pünktlich fuhren.

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztiegel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

12 Kommentare zu „Darüber, was wir vom Anarchismus die Organisation betreffend lernen können …“

  1. „Diejenigen, die immer nur das Mögliche fordern, erreichen gar nichts. Diejenigen, die aber das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens das Mögliche.“ – Michail Bakunin

    Die Gewerkschaften praktizieren offen sichtlich deinen Vorschlag in regelmäßigen Abständen. 😉

    Wir können uns mit unserer ganzen Energie für etwas einsetzen, wohin uns die Impulse leiten. Wir können alles geben, das liegt – wie es scheint – in unserer Hand. Aber weder über die Impulse, noch über das Ergebnis… haben wir Verfügungsgewalt.

    Noch ein Aspekt, Michail, du sagst: „Das Unmögliche fordern“

    Unter dem Blickwinkel der Geistigen Reife gesehen, haben wir mit Forderungen die kindliche Ebene (2) noch nicht verlassen. Damit stecken wir auf ihr fest. Hier sind haben-wollen, fordern, eingeschränktes Wertgefühl, Armuts-Denken und Ohnmacht… vorrangig.

    FORDERUNG …setzt Minderertigkeitsdenken oder Schwäche voraus.

    Erst auf der Erwachsenen-Ebene (4) beginnen wir, selber zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen.

    Der Staat ist prinzipiell nichts anderes als eine etwas größere Hausverwaltung. Solange wir uns als Opfer sehen, sind wir auch Opfer. Und sobald wir uns als Gestalter sehen, sind wir Gestalter. Der Schritt vom Opfer zum Gestalter ist der vom Kind zum Erwachsenen.

    Michail Bakunin: „…das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens…“

    Selbst wenn du zum weltgrößten Forderer mutieren würdest: Du forderst immer nur aus der Frosch-Perspektive, von vermeintlich unten (2) nach vermeintlich oben. So findet keine Reifung statt.

    Gestaltung dagegen… findet von oben nach unten statt, denn der Gestaltende ist immer größer als das zu Gestaltende.

    Das „Prinzip Reife“ trifft übrigens auch auf Gruppen und Gesellschaften zu.

    Angenehme Tage
    der Gestaltung 🍁
    wünscht Nirmalo

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    1. PS: Eine zweite Variante der FORDERUNG wirkt von „oben“ nach „unten“. Sie setzt Überlegenheit und Selbstbewußtsein voraus. Beispiel: Eltern fordern etwas vom Kind, der Lehrer vom Schüler, der Unternehmer vom Angestellten, der Offizier vom Soldaten…

      Forderungen…
      basieren auf Gefälle.

      Sind die Dinge in Balance, ist Forderung obsolet.

      – – –

      Nur dann bin ich wahrhaft frei,
      wenn alle Menschen,
      die mich umgeben,
      ebenso frei sind wie ich.

      – Michail Aleksandrowitsch Bakunin

      Deinen Satz möchte ich gerne auf das Hier und Heute angepaßt etwas umformulieren:

      Nur dann lebe ich wahrhaft in Wohlstand,
      wenn alle Menschen,
      auch die etwas weiter entfernt lebenden,
      ebenso zufrieden leben können wie ich.

      – Nirmalo

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  2. Rudolf Rocker: „Menschen, welche durch allgemeine Interessen verbunden sind“

    Die gibt es nicht. Kein Mensch hat ein „allgemeines“ Interesse, sondern jeder hat seine ganz spezifischen Interessen.

    Rudolf Rocker: „…schaffen sich allgemeine Richtlinien“

    Jede Gruppe von Menschen schafft sich über kurz oder lang KONKRETE Richtlinien.

    Rudolf Rocker: „in der Form freier Vereinbarungen, die ihnen zur Richtschnur ihres Verhaltens dienen.“

    Also unverbindlich? Dann ist es keine Vereinbarung, dann ist es keine Richtlinie. (Siehe „Richtgeschwindigkeit 130“: Sie ist ohne jede Bedeutung)

    Rudolf Rocker: „Der Vertrag zwischen Gleichen…“

    Es gibt keine Gleichen.

    Wir alle unterscheiden uns gravierend voneinander. Der Eine hat mehr Energie, der Andere weniger, die Talente und Fähigkeiten sind unterschiedlich verteilt. Unsere Art zu denken unterscheidet sich – auch, wenn das nicht immer offensichtlich ist. Ehrgeiz und Lethargie, Leichtigkeit oder einengende Ernsthaftigkeit, vertrauen können oder ängstlich sein… Das sind nur wenige Stichworte, die auf unsere Nichtgleichheit, auf unsere Verschiedenheit verweisen.

    Rudolf Rocker: „Jede andere Form der menschlichen Gruppierung ist Zwang, ist Despotismus der Vorrechte“

    Das ist kompletter Blödsinn. Keine Ahnung, Rudolf, warum der Martin deinen „geistigen Output“ hier rein stellt, statt seine eigene Intelligenz zu bemühen. 😎

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    1. Lieber Nirmalo,
      „Es gibt keine Gleichen.“
      Das sag mal einem Richter: „Vor dem Gesetz sind alle gleich.“
      Und dass wir von den Veranlagungen her nicht alle gleich sind, das dürfte wohl Allgemeinbildung sein, wenn es leider auch nicht so in unsere Schulen beachtet wird, siehe:
      Die Schule der Tiere
      Und schön, dass du im letzten Satz den Blödsinn zu erkennen magst, nur schade, dass Du mich hier anklagst, ohne selbst Deine Gedanken dazu zum Besten zu geben … hm

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      1. Martin: „Das sag mal einem Richter: “Vor dem Gesetz sind alle gleich.”

        Lieber Martin,
        das ist ein grundsätzlicher Rechtsspruch, ein Konstrukt. Darauf basiert unsere Form des Rechts. Das ist nicht identisch mit der Wirklichkeit. Es handelt sich hier um eine Abstraktion.

        Die Pegidaisten verstehen das nicht, wenn sie rufen: „Wir sind das Volk!“

        „Im Namen des Volkes“ bedeutet doch auch nicht, daß jedermann vor dem Urteil befragt wurde.

        Und nein, es gibt keine Gleichheit. Es wäre schon viel gewonnen, wenn es eine Balance gäbe, oder wenn wir uns auf B a l a n c e ausrichten könnten. Das ist möglich!

        Martin: „dass wir von den Veranlagungen her nicht alle gleich sind … es leider auch nicht so in unsere Schulen beachtet wird“

        Ja, hier würde es schon etwas helfen, wenn wenigstens ein paar Erkenntnisse der Neurowissenschaft in das Denken der Lehrkörper einfließen würde.

        Martin: „dass Du mich hier anklagst…“

        Lieber Martin, ich klage dich doch nicht an, wenn ich deinen e i g e n e n Geist ein wenig zu locken versuche. 🤗

        Martin: „ohne selbst Deine Gedanken dazu zum Besten zu geben“

        Das mach ich doch die ganze Zeit, daß ich meine Sicht auf die Dinge „zum Besten gebe“. Daß ich zum Anarchismus nichts sage, liegt daran, daß ich zu Dingen, die komplett überflüssig sind, nichts sagen kann.

        Die Bürgerbeteiligung zum Beispiel ist dagegen dringend notwendig, und zwar die Echte (!). Darüber denke ich gelegentlich nach und äußere mich auch dazu, wie du vielleicht auf meinem Blog „Philosophie des Staates“ schon gesehen hast.

        Lieben Gruß
        von Nirmalo

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  3. Vorausgesetzt, das Zitat ist ein echtes…

    „Ich erlaube weder dem Schuhmacher noch dem Architekten noch dem Gelehrten, mir seine Autorität aufzuzwingen.“ – Michail Bakunin

    Das wäre aber auch dumm, denn Intelligenz und Zwang gehen nicht gut zusammen. Immerhin differenzierst du hier zwischen Autorität und Zwang, zwischen Macht und Gewalt. Das ist schon mal was.

    ANARCHIE

    Es ist jedem Menschen jeden Interesses und jeden Alters unbenommen, in entsprechenden Gruppen und Lebensgemeinschaften die Vorzüge der Anarchie in Erfahrung zu bringen.

    Während dieses Experiments werden dem Interessenten so ganz nebenbei – spätestens bei der aufploppenden Frage, wer denn das Klo putzt – auch die Vorzüge von Regeln offenbar.

    Es gibt keine
    Gemeinschaft
    ohne Regeln.

    Doch das bedeutet noch lange nicht, daß auch AUTORITÄT erforderlich ist. Denn:

    Autorität wird erst dann gebraucht, wenn die
    EINSICHT aller Beteiligten nicht gegeben ist.

    Hier erreichen wir die Frage nach der GEISTIGEN REIFE der Beteiligten.

    Sollte in dieser Gemeinschaft Jeder willkommen sein (was sonst sollte „Anarchie“ bedeuten 😊) ist nicht anzunehmen, daß sich alle auf dem selben Stand der Reife befinden.

    – – –

    „Keine Macht für Niemand“ – Heiner Noske (?)

    Ein Problem mit „Macht“ hat immer nur derjenige, der sie von unten nach oben, nämlich als Über-Macht und Bedrohung ansieht.

    Derjenige, welcher Macht zur Verfügung hat, sieht sich von ihr nicht behelligt. Denn…

    Macht… ist zunächst nichts
    weiter als potenzielle Kraft.

    Hier ist es die GEISTIGE REIFE, nämlich die hinter den Handlungen stehende INTENTION derer, die Macht in den Händen halten, ob die Auswirkung der Macht Segen, Fluch, oder etwas dazwischen bedeutet.

    – – –

    Anarchie wird nicht gebraucht.

    Anarchie ist ein Märchen nicht
    erwachsen gewordener Kinder.

    Was wir brauchen, ist ein respektvoller Umgang miteinander, in dem jeder Einzelne auf Augenhöhe an der Gestaltung der Regeln mitarbeiten kann.

    Es geht um die Echte (!) BÜRGERBETEILIGUNG.
    Sie ist eine Art Upgrade der Parteien-Demokratie.

    Ein gewaltfreies
    Herbst-Wochenende 🍁
    wünscht Nirmalo

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    1. Lieber Nirmalo,

      Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann setzt Du Anarchie mit Ohne Relgen gleich. Das ist aber genau nicht, was sich die Anarchisten vorstellen. Hier geht es um die in meinen Augen höchsten Form der Regelsetzung, denn an den vorhandenen Spielregeln haben eben alle mitgewirkt, eben: Echte(!) BÜRGERBTEILIGUNG

      Herzliche Grüße
      Martin

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      1. Lieber Martin,

        muß ich denn erst die „Prüfung zum Anarchisten“ bestehen, bevor ich mir Gedanken zu einer Echten (!) Bürgerbeteiligung machen kann?

        Falls „Nein“: Ergo brauche ich keinen „Anarchisten“ und auch sonst keinen „…isten“.

        Ich erinnere mich gerade an Immanuel Kant, der uns dringend gebeten hatte, doch gefälligst selber zu denken und dies nicht immer den Anderen zu überlassen:

        „Sapere aude!
         
        Habe Mut,
        dich deines eigenen
        Verstandes zu bedienen!“

        In meinen Augen ist die Beschäftigung mit Anarchie und Anarchisten rückwärtsgewandt.

        Die Idee des PARADIESes liefert uns einen Geschmack von Anarchie: Keine Macht, keine Regeln, kein Oben, kein Unten, genug für Jeden. Es gibt kein Zuviel, aber auch kein Zuwenig. Die Anzahl der Probleme liegt exakt bei Null.

        Doch wir leben hier auf der Erde – in einer anderen Frequenz. Wir haben noch zu lernen, zum Beispiel mit Wenig und Viel umzugehen, mit Mißbrauch von Macht und mit Ohnmacht. Mit Zerstörung, Vermüllung und Aufbau, mit Lethargie und kreativer Konstruktion, mit Wut und mit Meditation…

        Wir haben hier und heute eine Menge spezieller Herausforderungen, auf die es in den Bibliotheken, Museen und Gruften keine Antworten zu finden gibt. Ganz im Sinne des Immanuel müssen wir uns selber einen Kopf machen, um praktikable und sinnvolle Lösungen zu finden.

        Ebenfalls herzliche Grüße 🌾
        von Nirmalo

        – – –

        PS: Falls dich meine Skizze zur Bürgerbeteiligung interessiert, bist du hier herzlich willkommen: https://nirmalo.wordpress.com/category/buergerbeteiligung/

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      2. Lieber Nirmalo,
        Du schreibst in Deiner Antwort auf meine Antwort erneut davon, dass Anarchie ‚ohne Regeln‘ bedeutet, und das Du hier ein Paradies siehst. Weder das eine noch das andere habe ich bei den großen Denkern der Anarchisten so gesehen, ganz im Gegenteil. Es geht eben, wie schon geschrieben, um die höchste Form der Regelfindung, eben so, wie Du sie doch auch angehen willst. Im Grunde agieren die meisten von uns in Deutschland in den familiären Strukturen sehr anarchistisch, siehe:
        http://faszinationmensch.com/2013/09/20/mit-hoher-wahrscheinlichkeit-bist-auch-du-ein-anarchist/
        Und es geht mir auch nicht darum, nun die Anarchie ausrufen zu wollen. Es geht mir allein darum zu schauen, welche Impulse von hier genutzt werden können. Und wenn Du genau hinschaust, dann finden sich entsprechende Ansätze auch in Deiner Echten(!) BÜRGERBETEILIGUNG wieder 😉
        Wir gedenken übrigens an diesem christlichen Feiertag umserem vor 3 Monaten nach 19 Tagen gestorbenen Enkel.
        Viele Grüße
        Martin

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      3. Martin: „Wir gedenken übrigens an diesem christlichen Feiertag umserem vor 3 Monaten nach 19 Tagen gestorbenen Enkel.“

        Ja, dann war er nicht lange hier, in dieser Frequenz.
        Er ist also Mystiker (Heiliger) geblieben.

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      4. Hallo Martin…

        Martin: „Du schreibst…, das Du hier ein Paradies siehst“

        Lies meinen Beitrag bitte noch mal. Ich schreibe nicht, daß ich (wo auch immer) ein Paradies sehe, sondern ich spreche davon, daß es die IDEE gibt… vom Paradies.

        Martin: „Es geht … um die höchste Form der Regelfindung“

        Aber dazu braucht´s doch keine Archäologie! Dafür haben wir doch alle unseren Verstand und unsere Herzensbildung, daß wir wenigstens annähernd… optimale Regeln ausbaldowern können. Wir selber – ohne in eine Gruft steigen und irgend ein Gerippe 💀 befragen zu müssen.

        Martin: „…welche Impulse von hier genutzt werden können“

        Warum denn nicht selber Impulse setzen?!

        Martin: „wenn Du genau hinschaust, dann finden sich entsprechende Ansätze auch in Deiner Echten(!) BÜRGERBETEILIGUNG wieder“

        Was willst du mir damit sagen:

        1. Daß wir (größtenteils) nicht zu lesen bräuchten, um gute Ideen zu entwickeln? Dem würde ich vorbehaltlos zustimmen.
        2. Daß ich von irgendwelchen „Anarchisten“ abgeschrieben hätte. 🤗 Das ist nicht möglich, weil ich noch niemals mehr als ein kurzes Zitat von einem dieser Herren zu mir genommen habe. Warum sollte ich die Gedanken von Anderen lesen, solange ich über die selbe Thematik selber nachdenken kann?

        Liebe Grüße
        an dich! 🌾

        – – –

        Wenn es jemandem unter euch
        an Weisheit mangelt, so erbitte
        er sie von Gott, der jedermann
        gern und ohne Vorwurf gibt, so
        wird sie ihm gegeben werden.

        – Jakobus 1.5

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  4. Erhellend. Danke Dir, Martin.

    Ich habe durch diesen, Deinen Artikel erkannt, es gibt ein Wort für die Haltung, die viele von uns als ‚agiles Mindset‘ erfahren: Anarchismus.

    Es wurde alles bereits gedacht, vieles gesagt und einiges getan … Nur noch nicht von jedem.

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