Hausmeisterei der Tagung Agilität und Bildung in eZürich

Von Daniela Lund und Heinz Bayer

Die agile Welt ist für so einen älteren Herren und Pensionär wie mich eine echte Herausforderung und gleichzeitig auch ein echter Jungbrunnen. Viel besser als Kreuzworträtsel lösen.

Ich erzähle einmal, wie es sich für mich als „technischer Hausmeister“ einer Onlineveranstaltung der besonderen Art anfühlte, für die wir hier im Blog an Weihnachten geworben hatten.

Da mir Daniela Lund vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg dankenswerterweise den vor der Veranstaltung geäußerten Wunsch erfüllt hat, eine kritische persönliche Rückmeldung von außen zu geben, flechte ich die Sicht des Tagungshausmeisters in das Feedback einer Teilnehmerin ein. Kommentiere also einen Kommentar aus einer anderen Perspektive.

Ich habe für dieses Schreibformat die Arbeit der 4 Hausmeister kursiv beschrieben. 😎 Ja ich muss hier anmerken, dass diese Veranstaltung meinen Ehrgeiz heftig herausgefordert hat. Mein persönliches Ziel: Ich wollte zeigen, dass Onlinetreffen sich sehr analog anfühlen können. Ich hatte für die Werbung das neue Format der 4 Hausmeister des Kongresszentrums erfunden, die alle Otto hießen. Na ja, Pensionäre besitzen eben Zeit als echtes Luxusgut. Außerdem bin ich inzwischen auch noch an der Hochschule für agile Bildung in Zürich angekommen. Da musste ich als Neuling schon mal zeigen, was ich mit 70 digital noch umsetzen kann. 😎😎 Heinz Bayer

Feedback für die Hausmeisterei der Tagung Agilität & Bildung in eZürich

bevor es losgeht …

Heinz Bayer schickt Mails mit allen Infos. Er benutzt dabei eine Sprache, die mir gefällt. Ich fühle mich eingeladen. Ich gehöre dazu.  Es fühlt sich persönlich an. Mein Versehen, mich mit einer falschen E-Mailadresse anzumelden, behebt er unkompliziert und ebenfalls persönlich. Alles ist sehr gut organisiert. Besonders ansprechend fand ich die Einladung, sich ein schönes Konferenzcatering zuzubereiten. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich früher mal Hotelfachfrau gelernt habe und mir das Drumherum in einer Veranstaltung immer sehr wichtig ist. Ich stehe also rechtzeitig auf, ziehe mir Konferenzklamotten an und bereite mir eine Tagungsverpflegung auf 5*-Niveau zu. Vorfreude!

Man stelle sich das einfach so vor. Unser Kopf ist in der Lage, sich in Situationen hineinzuträumen, die uns dann wirklich und dreidimensional vorkommen, obwohl sie nur im Kopf existieren. Wenn man einen Bildschirm als zweidimensionale Austauschplattform, aber seinen Schreibtisch mit gutem Essen und Trinken als wichtige 3. Dimension ansieht, dann kann aus einer scheinbar rein informellen Veranstaltung im Kopf ein echtes Lebensgefühl werden. Umgekehrt kennt jeder analoge Konferenzen, die dem Kopf völlig eindimensional vorkommen.

These: Gute Online-Konferenzen gehören also gut mental umsorgt.

Log-In

Um kurz vor 9 will ich mich einloggen. Sehen wer schon da ist. Ich habe 2 Kontakte auf LinkedIn, die auch hier sein sollen und sicher auch einige Twitterer*innen. Freu mich schon und dann … ich komme einfach nicht rein. Ich schreibe mit Heinz hin und her, er bemüht sich rührend mir zu helfen. Ich bin kurz davor auszusteigen, in Hamburg scheint die Sonne, ich habe eine knackige Woche am Rechner hinter mir und das brauche ich jetzt echt nicht. Ich will auf den Link klicken und da sein. Warum geht das nicht? Ich schalte Hopin ein. Prompter Support. Mir wird versichert, ich sei nicht für die Veranstaltung registriert. Heinz schaltet die Veranstaltung öffentlich und dann geht’s plötzlich.

Das war für mich die heftigste Stunde der ganzen Tagung. Es fing mit einer einzigen Meldung ganz harmlos an. „Ich komme nicht rein. Was tun?“ Und dann ging es Schlag auf Schlag. Na ja, es war meine allererste Erfahrung mit Hopin als „pädagogischer und technischer Hausmeister“. So hatte ich früher meinen Job als Abteilungsleiter für Schulentwicklung definiert. Immer aufmerksam sein, wo etwas klemmt, um dann als Betriebssystem die pädagogische Software am Laufen zu halten. Es war um 9 Uhr wie eine Rückerinnerung an alte Zeiten, als Beamer noch nicht mühelos den Laptop fanden, ich als Netzwerkbetreuer der Beamerflüsterer im mündlichen Abitur war und zwei Tage nichts anderes gemacht habe, als von Präsentationsprüfung zu Präsentationsprüfung zu laufen und Held zu sein. 😎😎 Ja es war tatsächlich damals ein wunderbarer Job für mich. Nebenbei die Abiturienten und -innen zu beruhigen, die ängstliche Aufregung auf lustvollen Angriff umstellen zu helfen. Na ja, am Samstag um neun war ich selbst in ängstlicher Aufregung. Über 40 waren schon „im Haus“ … also zum großen Teil alles bestens. Aber etwa zehn standen immer noch vor der Tür und der Hausmeister sollte sie hereinlassen. Ich habe in der einen Stunde, bis ich alle ins Haus holen konnte, sehr viel über die Einlassbedingungen von Hopin gelernt. Geholfen hat mir dabei meine frühere Erkenntnis als Netzwerkbetreuer, dass man diesen komplexen Systemen nicht mit irgendeiner Logik an den Kragen rücken kann, sondern durch konsequentes Ausprobieren. 10 verschiedene Computer, Laptops oder Tablets mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen technischer Art. Es gab in dem Moment nur die Möglichkeit für mich, die vor der Türe bei Laune zu halten und im Haus alles Mögliche auszuprobieren. Ich habe Hopin inzwischen schon geschrieben … das wird mir beim zweiten Mal sicher nicht mehr passieren. Aber da wird es eben dann wohl ein anderes Problem geben.

Endlich da

Die Plattform ist leicht zu bedienen. Alles ist intuitiv aufzufinden. Ich gehe in ‚die Sonne‘ und finde dort das Plenum. Gerade spricht noch Tim, ich bekomme aber nicht mehr mit, worum es genau ging. Die Inpütchen habe ich verpasst. Macht nix. Hauptsache da.

Ja diese Plattform. Wer meine Blogbeiträge verfolgt hat, der weiß, dass ich Plattformen bevorzuge, in denen man sich selbstständig in verschiedenen Räumen „bewegen“ kann. Wie im wirklichen Leben.

Da ich ja out of school operiere, war es für mich eine pädagogische Herzens-Herausforderung, tatsächlich einmal zeigen zu können, was ich meine. Wenn man die ganz normale Wohlfühlwelt für uns ganz normale Menschen ins Digitale übersetzen will, um gute Veranstaltungen (und auch Onlineunterricht) zu machen, dann muss man dafür nur Augenmerk auf die ganz normale Wohlfühlwelt für uns ganz normalen Menschen werfen.

Session 1

Veronika moderiert die Sessions an. Klar, präzise, professionell. Ich erlebe sie überhaupt den ganzen Tag als versierte Managerin von Komplexität. Ein Vorbild in Agilität. So geht konsequente Prozessorientierung, denke ich so manches Mal an diesem Tag. Zunächst geht es in einen Austausch mit Menschen aus dem gleichen Arbeitsbereich. Ich kann mich erst nicht entscheiden. Gehe ich in die Session mit den Berufsschullehrer*innen, die bilde ich ja aus und ich will die Ausbildung so gestalten, dass meine Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst für den Unterricht mit ihren Schüler*innen gut aufgestellt sind, da ist es gut wenn ich im Austausch mit aktiven Berufsschulleuten bin. Ich war ja auch selber über 20 Jahre Lehrerin an einer Berufsschule. Oder gehe ich in die Session wo Leute aus der Lehrer*innenbildung sind? Dafür entscheide ich mich schließlich. Ich bin erst seit 2 Jahren Hauptseminarleiterin in Hamburg und ein bisschen Networking kann nicht schaden.

Als alle „im Haus“ waren, fühlte ich den Held in mir. 😎😎 Wie wunderbar. Genau dafür lohnt es sich doch schon. Wie ein schweres Kreuzworträtsel lösen und einen Preis gewinnen. Danach hatte ich einen sehr angenehmen Tag. Das Adrenalin der ersten Stunde wich einer großen Zufriedenheit. Ich hatte mir ja den Spaß erlaubt, da ich als das Hausmeisterteam von den 4 Ottos Werbung gemacht hatte, mich auch viermal bei Hopin zu registrieren, um mich in der Hausmeisterei, im Mond-Café, im großen Saal (Sonne) und in der Bar gleichzeitig aufzuhalten. Mein Laptop, der meiner Frau und zwei iPads. Ja, ich hatte viel Spaß im Vorfeld am Aufbau meiner Hausmeisterbetreuungsaktion. Leider konnte ich es dann durch die Probleme mit der Haustüre nicht richtig auskosten. Am Ende habe ich mit zwei Ottos gearbeitet. Einer saß immer in der Hausmeisterei und hat viele tolle Gespräche mit Leuten geführt, die einfach so vorbeikamen. Und der andere Otto ging immer durch alle Räume und hat geschaut, ob alles so funktionierte, wie es sollte. Und das Fazit: Alles vollkommen stabil und wunderbar, was ich eine Woche zuvor eingerichtet hatte. Ja, man kann sich solch eine Tagungsstätte bei Hopin tatsächlich schon lange vorher ganz im Ruhe einrichten. Und selbst wenn man an dem Tag als technischer Hausmeister ausfallen sollte, funktioniert das Haus für alle, die mit ihrer Schlüsseltechnik ins Haus kommen. Als ich zwei Stunden nach dem Ende der Veranstaltung nochmals „durch‘s Haus“ ging, saßen noch immer zwei Leute munter in der Bar und diskutierten die agile Welt rauf und runter.

Ich erlebe einen interessanten, selbstorganisierten Austausch über Agilität in der Lehrer*innenbildung. Es entwickelt sich gleich ein gutes Gespräch. Ich fühle mich ermutigt beizutragen. Dieser Rahmen lädt mich dazu ein. Ich war schon in vielen Online-Veranstaltungen, aber diese ist jetzt so, dass ich irgendwie keine Hemmungen habe, mit mir fremden oder teilfremden Menschen (einige sind mir aus den Social media geläufig) aktiv ins Gespräch zu kommen. Ich fühle mich wohl. Für manche mag das alles sehr selbstverständlich sein, so in Kontakt zu treten. Für mich noch nicht. Ich taste mich da heran. Ich lerne. Ich traue mich langsam mehr und merke, auch mir wird zugehört. Festzustellen, dass ich etwas beitragen kann, das auch Menschen interessiert, die ich in meinem Alltag so gar nicht getroffen hätte, fühlt sich gut an. Das agile Format organisiert Austausch auf Augenhöhe. Von agilem Mindset ist die Rede und davon, dass ein Paradigmenwechsel einen Sprung erfordert, den jede*r machen muss, bevor das Potenzial des Agilitätsgedankens sich im Bildungssystem entfalten kann. Sachzwänge werden gespürt und benannt. Offenbar erfordert es Mut, an Grenzen und darüber hinaus zu gehen. Wir entscheiden noch schnell, was auf die Post’its soll und schreiben 4 oder 5, nicht 3 wie vorgegeben. Keine*r dominiert, keine*r produziert sich*, es wird aufmerksam zugehört, alle geben teil. Schon jetzt scheint ein großes Interesse zu bestehen, irgendwie in Verbindung zu bleiben. Es ist eine Freude hier zu sein.

Die Veranstaltung wurde im Juni 2020 als Idee ins Leben gerufen … allerdings analog im analogen Zürich. Aus den bekannten Gründen musste es jetzt natürlich auf Online umgestellt werden. Und natürlich ist Zürich eine wunderbare Stadt. Aber wäre Daniela Lund wohl aus Hamburg angereist, um einen Tag in Zürich an einer Veranstaltung teilzunehmen, die sich inhaltlich ja erst an diesem Tag definierte und entwickelte? Sicher nicht. Aber genau das ist die riesige Chance der digitalen Vernetzung … auch nach Corona. Wir müssen dringend lernen, Onlineveranstaltungen lebenswert zu machen. Sie dürfen nicht als ungeliebter Ersatz verstanden werden, sondern als begrüßenswerter Zusatz.

Session 2

Jetzt geht’s in den übergreifenden Austausch. Wieder eine sehr klare und präzise Organisationsansage von Veronika in der Sonne. Zufällig sind wir zu dritt aus Session 1 in Session 2 gelandet. Fühlt sich schon fast vertraut an. Perspektiven werden nun ergänzt durch einen Unternehmensblickwinkel. Spannend. Gar nicht so viel anders als im schulischen Bildungssystem. Wir fragen uns, wie lustvolles miteinander lernen angeregt werden kann, wie initiiert werden kann, dass im Team selbstbestimmt an komplexen Problemen gearbeitet werden kann und ob in Organisationen ein agiles Mindset ‚durchgesetzt‘ werden kann. Es wird von Schamgefühl berichtet, wenn man sich in der Agilität nicht wohl fühlt und immer wieder ploppt, vor allem im schulischen Bereich, das Thema Beurteilung auf.
Es kristallisieren sich zwei Spannungsfelder heraus: zwischen Freiheit und Strukturvorgaben sowie zwischen Agilität und Hierarchie. Es wird unterschiedlich empfunden und unterschiedlich damit umgegangen. Nicht jeder Person fällt es leicht, sich einfach über vermeintliche Systemzwänge hinwegzusetzen, weil es die Situation erfordert. Falk hat sich mittlerweile zu uns gesellt und bereichert das Gespräch mit wertvollen Impulsen. Er gibt einen Buchtipp: ‚Der entstörte Mensch‘ (ich bestelle das e-Book dann später in der Mittagspause) und er zeichnet ein Mobile aus zwei Perspektiven auf, um sich bewusst zu machen, wie Hierarchie (Seitenansicht) sich im agilen Arbeiten verändert, nämlich zu einem Netzwerk (Draufsicht) wird. Ich bin beeindruckt von diesem Bild und davon, wie Falk das so flott visualisiert und überhaupt, wie es ihm gelingt, sich so zielführend und bereichernd in den Prozess einzuflechten. Wir hören von ‚Failawards‘ und von ‚Harry Potter Strategien‘, vom ‚Teaching from the back oft he road‘ und von den ‚24 work hacks‘ der Firma Sipgate. Ich kann gar nicht so schnell mitschreiben, wie Infos ausgetauscht und Ideen produziert werden. Ich freue mich am Ende noch darüber, dass mein Formulierungsvorschlag auf einem Post’it landet: ‚Vom Wissenden zum gemeinsam Suchenden‘ (ungegendert).

Ich habe mich den ganzen Tag über durch die Räume treiben lassen. Habe genossen, wie intensiv und entspannt der Austausch stattfand. Ich erzähle einmal etwas von der Technik von Hopin. 20 Leute können aktiv mit Video und Ton mitdiskutieren. Und es gibt eine Art Galerie. Zwei Stufen, einen Raum zu „betreten“. Stufe eins: Galerie: Man sieht und hört. Aber man wird nicht gesehen und gehört. Es können tausend Teilnehmer/innen von der Galerie aus alles mitverfolgen, was bis zu 20 aktiv diskutieren und austauschen. Von „innen“ sieht man übrigens, wie viele auf der Galerie sind und alles mitverfolgen. Sehr angenehm, wenn man einfach mal überall reinschnuppern will, ohne immer gleich mit Video aufzutauchen.

Mittagspause

Puh, das war schon mal richtig gut. Ein toller Austausch, interessant und aktivierend. Perfekt organisiert. Ich habe ja nun Zeit für mein schönes Tagungscatering und mache es mir, nach einmal Luftschnappen vor der Tür, auf meinem Daybed im Arbeitszimmer gemütlich. Mal schauen, ob jemand im Café oder in der Bar oder auf den Fluren ist. Ich bin neugierig und bereit zum informellen Austausch (auch das liegt mir normalerweise nicht so sehr, aber ich bin jetzt mutig geworden). Leider keine*r da. Schade. Ich versuche es später nochmal, treffe aber immer noch keine*n. Ich frage mich, was die Teilnehmenden brauchen, um diesen informellen Pausenaustausch zu nutzen? Kurz vor der verabredeten Zeit klicke ich mich in die Sonne und habe doch noch ein bisschen informellen Austausch mit dem Hausmeister Otto und Veronika und einigen Teilnehmenden. Fühlt sich echt sehr persönlich an das Ganze. Ganz und gar nicht wie auf einer Tagung mit vielen Wissenden zu denen man aufschauen soll. Hier sind alle Suchende, einige schon mutiger als andere und ein Organisationsteam mit einer richtig hohen Prozesskompetenz. Agile Vorbilder kann man hier bei der Arbeit sehen. Ich habe aber nicht das Gefühl zu ihnen aufschauen zu müssen, sondern mir wird auf Augenhöhe begegnet und ich kann ganz viel lernen, einfach weil ich dieses Format erlebe.

Ja, da hatte ich was verpasst. Eigentlich wollte ich als Tagungs-Hausmeister auf diese Funktion von Hopin hinweisen, die ich sehr stark finde. Man kann mit einen Klick auf „Vernetzen“ Zufallsbekanntschaften machen. Ich hatte diese Treffen auf 3 Minuten eingestellt. Geht so: Man drückt auf Vernetzen und mal angenommen, das machen auch 20 andere, dann würfelt das Programm einfach immer für 3 Minuten Menschen zusammen, die Lust habe, beim  Kaffeetrinken nebenher ein wenig zu plaudern. Ich hatte diese Möglichkeit für die Teilnehmer/innen leider nicht aktiv beworben. Nächstes Mal werde ich das sicher als eigenen Programmpunkt einbauen. „Geht mal 9 Minuten zufallsbekanntschaften.“

Die Post it’s, die in den Sessions geschrieben wurden, sollen nun gevotet werden. Jeder hat drei Stimmen. Wieder eine hervorragende Möglichkeit der Beteiligung genutzt. Versiert leitet Veronika durch die Abfrage. Ergebnisse werden flugs kopiert und in die Boards kopiert.

Die ganze Hausmeisterei nützt natürlich nur, wenn die Moderation der Veranstaltung ihr Geschäft versteht und die Teilnehmer/innen in der Lage sind, sich auf alles einzulassen. Unsere Idee, die Teilnehmer/innen aus den „Häusern“ der Veranstalter/innen und den normal angemeldeten Teilnehmer/innen zu nehmen, war eine Art Novum: Inversionsveranstaltung nannten wir diese Form. Mehr agile Expert/innen von der Hochschule für agile Bildung in Zürich, dem CreaLab der Hochschule Luzern, der Planungsfirma tbfpartner in Zürich, dem Forum agile Verwaltung und dem Unterforum kollaborative Improvisation samt den Autoren des genau an diesem Tag erschienenen Buches mit demselben Titel „Agilität und Bildung“…. also mehr Veranstalter/innen-Expert/innen als Teilnehmer/innen-Expert/innen. Es hat gut funktioniert. Finde ich. Daniela Lund auch.

Der Nachmittag

Es soll zwei Durchgänge geben. Einige Personen hatten schon vorher entschieden, eine Session anzubieten. Jetzt haben sie die Gelegenheit, ihre Session vorzustellen. Alle Zugänge zur nächsten Arbeitsphase klingen für mich interessant. Angst in Veränderungsprozessen oder Leistungsnachweise in agilen Lernsettings, in einer Session werden Methoden vorgestellt, mit der in einem Unternehmen gute Erfahrungen gemacht wurden, auch spannend. Ich fühle mich am meisten angesprochen von Wolfs Session. Er möchte über Future Skills sprechen. Ich hatte vor Kurzem nach einem Vortrag von Roger Spindler vom Zukunftsinstitut die Studie des Robert Duttweiler Instituts gelesen und finde es höchst relevant, diese Skills im Bildungswesen noch deutlich stärker in den Blick zu nehmen und Ergebnisse aus der Zukunftsforschung stärker noch als Argumentation zu nutzen, damit sich Systeme weiterentwickeln und zukunftsfähiger werden. Das ist MEIN Thema!

Neben mir interessieren sich noch zwei weitere Frauen dafür. Wir bleiben zu viert. Ich bin verwundert darüber, dass das Thema so wenig Resonanz findet. Vielleicht ist es nicht unmittelbar genug an der Praxis. Aber ich bin ja auch hier, um über den Tellerrand zu schauen. Für mich passt es und es freut mich, dass wir loslegen. Ich übernehme die Aufgabe, später im Plenum zu präsentieren.

Die Möglichkeit auf der Basis der gevoteten Post-it‘s eine eigene Session anzubieten, nimmt keine*r wahr. Auch ich traue mich das nicht, obwohl ich eine Idee für eine Session hätte. Nächstes Mal vielleicht. Aber auch hier kann man fragen: Was brauchen die Teilnehmenden für einen Anstoß, um eine Session anzubieten? Muss vielleicht noch länger abgewartet werden? Sollte noch stärker auf die Möglichkeiten eingegangen werden, die in den Formulierungen der Post-it’s liegen?

Wie witzig, mir ging es genauso. Ich hatte auch sofort eine Idee, was ich für eine Session anbieten könnte, aber habe mich zuerst nicht getraut und dann festgestellt, dass ich ja sowieso der Hausmeister bin und damit gar nicht in diese Rolle schlüpfen darf. Glück gehabt. 😎😎

14:23 Uhr – Mein Router fällt aus. So ein Mist. Nichts geht mehr. Kein Netz. Es dauert eine Viertelstunde und dann bin ich wieder dabei. Die Session ist vorbei, alles sind schon weitergewandert. Ich schaue noch in der Session von Douglas vorbei. Es geht um Leistungsnachweise. Ich höre zu, bekomme noch ein paar Statements mit und dann zum Schluss die Gelegenheit meinen Eindruck zu schildern. Es ist einfach großartig. Ich fühle mich total eingebunden in ein größeres Ganzes. Ich habe, gebe und nehme teil.

Ergebnisse

Um 15:10 Uhr geht es im Plenum weiter. Veronika moderiert stringent und zielorientiert die Ergebnispräsentation. Dazu teilt sie ihren Bildschirm und zeigt den jeweiligen Ausschnitt des Miroboards. Ich hatte zwischendurch gesehen, dass in unserem Boardabschnitt nun doch nichts eingetragen worden war. Ich fühlte mich verantwortlich, das dann zu übernehmen und habe aus meinen Notizen für die Präsentation im Plenum schnell was zusammengeschrieben, das hoffentlich einigermaßen aussagekräftig war. Es gibt nach jeder Präsentation genug Zeit für Nachfragen und kurze Diskussionen. Nach meiner Präsentation gibt es keine Nachfragen. War ich zu schnell? Konnten sich die Teilnehmenden nach wie vor nicht mit der Thematik verbinden? Keine Ahnung. Ich könnte noch stundenlang darüber diskutieren. Hätte genug Anknüpfungspunkte für die Praxis. Ich traue mich nicht, auf der Prozessebene nachzufragen. Egal – weiter.

Die Ergebnisse zeigen alle eine gewisse Tiefe. Das ist deutlich anders als in einem Barcamp, das für mich inhaltlich immer eher an der Oberfläche bleibt. Hier geht es schon einen Schritt weiter. Gleich im Anschluss die Vernetzungsaufforderung. Es entsteht etwas. Ich bin zuversichtlich, dass die Menschen, die sich hier eintragen auch tatsächlich dabeibleiben. Ich nehme es mir jedenfalls vor und bin fest entschlossen.

Ja MiroBoard … man muss es ein paar Mal studiert haben,  bevor man es selbst anwendet. Aber als Teilnehmer/in ist es eigentlich sehr intuitiv bedienbar, wenn sich die Moderation genügend Zeit lässt, es zu erklären. Als Hausmeister fiel mir noch die Aufgabe zu, den Teilnehmer/innen am Ende die Möglichkeit zu geben, sich auch nach der Veranstaltung weiter auszutauschen, falls sie Lust dazu haben. Habe ich natürlich gemacht. Auf Mattermost unserer Hochschule für agile Bildung nach Zürich in den Austauschkanal einzuladen. Wie verrückt, was heute alles mit diesen weltweit operierenden Rechenmaschinen möglich ist. Mein Physikstudium hatte ich mit meinem Rechenschieber begonnen.

Die Doku des Prozesses

Das Miroboard überfordert mich bisweilen. Es sausen gefühlt 1000 Cursor über das Bild. Dynamik pur. Zum Glück hatte ich schon einen Tag vorher einmal reingeschnuppert. Ich fand es faszinierend, dass der ganze Tag dort abgebildet ist und dass die Struktur so tragfähig ist in Planung, Durchführung und auch im Nachgang der Veranstaltung noch. Dieses Tool strukturiert die Komplexität und gibt eine überzeugende Antwort auf die Gleichzeitigkeit der Dinge im Zeitverlauf. Ist das nachvollziehbar? Eigentlich ja ein Widerspruch in sich, aber ich meine es genauso, wie es dasteht. Alles auf einen Blick, zoom-in, zoom-out, Zusammenhänge, Chronologie. Ich finde das Tool faszinierend und frage mich wie lange es braucht, es in dieser Weise bedienen zu können. Auf jeden Fall noch ein wertvolles Learning des heutigen Tages.

Hinterher

Es rattert und arbeitet in mir. Ich habe Ideen über Ideen. Erstmal mit dem Hund raus. Ein langer Spaziergang. Mein Mann hört sich an was ich erlebt habe. Geduldig und interessiert. Ich sprudele über, bin jetzt aber auch richtig müde.

Bei mir das Hinterher: Ein Gefühl wie früher, als ich mir so oft vor großen Veranstaltungen mit Schüler/innen die Frage gestellt hatte, warum ich mir das alles freiwillig antue. Und immer danach reich beschenkt wusste, warum. Ja klar, für mich als Hausmeister des Kongresszentrums der Hochschule für agile Bildung war es ein hochspannender Tag mit wunderbaren Erfolgserlebnissen. Daniela Lunds Mail, in das ich meinen Blogbeitrag hier eingeflochten habe, spricht Bändefinde ich.

Heinz Bayer alias Otto Kraz

p.s. Und mal aus der Rolle des Hausmeisters herausgeschlüpft und rein in die frühere Rolle des Schulentwicklers, dessen Spezialfokus immer darauf lag, die Fähigkeiten von Schüler/innen für den Lebensraum Schule zu nutzen, schreie ich es aus tiefster Pädagogenseele heraus: „In jeder Klasse (sagen wir mal ab Klasse 5) gibt es Schüler/innen, die problemlos den wundervollen Job als Plattformhausmeister/in ausfüllen könnten. (Mein Enkel – 11 Jahre – würde das problemlos schaffen) …Und so viele Lehrer/innen fühlen sich damit überfordert. Warum um alles in der Welt ist es so schwer, Schüler/innen auf dem Weg in die Bildung der Zukunft als kompetente Partner/innen mit ins Boot der Verantwortung zu nehmen? Es wäre doch eigentlich inzwischen so einfach, Schule online nachzubilden.

Wenn man die jungen agilen Natives als Hausmeister/innen auf Augenhöhe mit ins Boot holt.

Autor: Heinz Bayer

Forum agil lernen und lehren - www.aufeigenefaust.com Team Weiterbildung - Hochschule für agile Bildung - hfab.ch

2 Kommentare zu „Hausmeisterei der Tagung Agilität und Bildung in eZürich“

  1. Vielen Dank für diesen wirklich gut geschriebenen und sehr anschaulichen Artikel, liebe Daniela, lieber Heinz! So viele Impulse für Onlineveranstaltungen und für die wichtige Rolle derjenigen, die im Hintergrund das Geschehen möglich machen.

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