Unser WoL-Circle: Bericht einer bitteren Niederlage

Dieser Bericht wurde verfasst von Benedikt, Marion, Martin und Wolf. Weil es bei WordPress nicht anders geht, erscheint als Autor hier nur Wolf.

Von Oktober 2020 bis Januar 2021 haben wir vier – Benedikt, Marion, Martin und WoLf – einen Working-out-Loud-Circle abgehalten. Wie kamen überhaupt nicht damit klar. Wir müssen jetzt harte Trauerarbeit leisten. Und wir haben uns überlegt: je öffentlicher wir dies tun, um so härter und damit ehrlicher wird sie.

Marion: Dies ist ein ehrlicher Bericht über einen WOL-Circle, der gescheitert ist – und vielleicht gerade deswegen erfolgreich war.

Was ist WOL überhaupt? Zum ersten Mal habe ich davon auf der Seite Agile Verwaltung gelesen. Ein toller Bericht über eine Methode, die anscheinend die eierlegende WoLlmilchsau für die Erreichung von Zielen ist. Ich las daraus, wie toll das Ganze ist, aber so wirklich verstanden habe ich es damit immer noch nicht. Auch während des laufenden Circles habe ich manchmal nicht ganz verstanden, was der Herr Stepper denn jetzt genau von mir möchte/Anmerkung 1/. Ich soll persönlich werden, ich soll öffentlich werden, ich soll, ich soll, ich soll.

Aber was wollte ich denn überhaupt? Tja, gute Frage. Die Suche nach einem Thema, einem Ziel für meinen WOL stellte sich schwieriger an als gedacht. Es ist jetzt nicht so, dass ich im Leben keine Ziele hätte, davon habe ich mehr als genug, aber welches passt denn jetzt zu der Methode, die ich nicht ganz verstehe und welches Ziel möchte ich mit drei anderen Menschen teilen? Ok, zwei davon kannte ich schon eine Weile und den anderen haben wir praktischerweise direkt im o.g. Artikel in den Kommentaren gefunden 😉

Benedikt: Ich finde nicht, dass wir gescheitert sind! Denn auch wir haben uns auf die Suche gemacht nach persönlichen Zielen, die uns persönlich motivieren und weiterbringen. Wir haben uns über Themen ausgetauscht und dabei unser Wissen und bedingt auch Kontakte geteilt. Einzig mit den Circle Guides und mit einigen “öffentlich wirksamen” Aufgaben sind wir nur bedingt warm geworden…

Wolf: Als ich die Einladung von Benedikt erhielt, habe ich mich gefreut und ein bisschen gewundert. WoL-Circle – nur eine vage angelesene Ahnung, was das sein sollte. Es ging offenbar darum, dass man seine Vorsätze zur Verbesserung des eigenen Ichs in einer Gruppe gleichgestresster Zeitgenossen besser verwirklichen könnte als allein. Fand ich einen tollen logischen Ansatz. Bloß – ich hatte gar keine Vorsätze, besser zu werden. Wollte aber auch die gute Stimmung gleich zu Anfang, als wir uns als 4er-Gruppe zum ersten Mal trafen, auch nicht verderben.

Also grübel grübel. Was könnte ich mir denn mal vornehmen, was dann auch noch was nützen könnte? So richtig einfallen wollte mir nichts.

Benedikt: Ich war super gespannt, wie ein WOL-Circle abläuft und total interessiert, das ganze auszuprobieren. Man hört ja aus allen Richtungen nur Positives. WoL-Circles schossen wie Pilze aus dem Boden und wurden gefeiert. Nur ich war immer zu spät, mich noch anzuschließen…

Wie es der Zufall wollte, fand sich dann doch unsere Vierergruppe über Umwege zusammen und nach unserem virtuellen Kick-Off war für uns klar, dass das ein gutes Matching (unter inflationärer Nutzung englischer Begriffe ;-)) ist. Aber nun ging es los: Ein persönliches Lernziel zu formulieren, das in 12 Wochen erreichbar ist, einen intrinsisch motiviert und dadurch automatisch zum Dranbleiben verpflichtet – das bedeutete für mich auch zwangsweise eine Auseinandersetzung mit mir selbst. In meinen verschachtelten Gedankensätzen hatte ich hier direkt ein erste, große Herausforderung. Und im Setzen persönlicher Ziele war ich noch nie gut. Lieber erstmal zur Seite schieben und ja nicht drüber nachdenken…. … aber halt! Da sind ja noch drei andere, die müssen sich damit auch auseinandersetzen und können mir vielleicht helfen? Das hat mich wirklich motiviert!

Marion: Auch wenn die Meetings lediglich digital stattfinden konnten, waren sie immer kurzweilig, und schnell entwickelte sich ein angenehmer Teamspirit. Selbst zu spät kommen wurde einem hier verziehen. Zum Glück, denn wenn man so etwas während der Freizeit macht, möchte man hier nicht auch noch zusätzlichen Druck bekommen. Gerade in der aktuellen Situation war es schön, einen festen Termin zu haben, bei dem man sich mit Menschen austauschen konnte. Die Gespräche gingen auch oft über das in den Circle Guides vorgeschriebene Programm hinaus, teils aus Interesse, teils weil diese manchmal einfach nicht zu uns gepasst haben. Und genau das habe ich mitgenommen, nicht alles passt für jeden und manchmal ist es eine gute Entscheidung, sich eben auch mal gegen eine Richtlinie zu wenden. Schade, dass es schon vorbei ist. Weiter an Martin.

Martin: Last but not least. Der Start war, glaube ich, bei jedem einzelnen von uns interessant. Damals als man noch ins Vienna durften, sprach mich Marion auf den WoL an. Ziele zu finden und zu definieren ist nicht einfach und daher fiel es mir auch schwer, eines für diese gemeinsamen Treffen zu finden. Aber zusammen im Team wurde mir geholfen.

Es ist schade, dass die Treffen für uns nur digital stattgefunden haben, da wir von unserer Art her super zusammenpassen und die Treffen in „Real Life“ sehr witzig geworden wären. Außerdem hätte ich dann meine Rolle als Versorgungsmanager besser ausfüllen können. Next time.

Wolf: Was mir in den Skripten von Stepper überhaupt nicht einleuchtete: ich sollte meine Ziele allen möglichen Leuten bekannt machen – über Social Media, vor allem die, die ich nicht bediente – aber hier saßen doch andere Leute in der Gruppe mit mir zusammen. /Anmerkung 2/ Warum nicht mit denen über meine Ziele sprechen? Nach einiger Zeit hatte ich mir nämlich ein Ziel überlegt: “Weniger arbeiten”. Aber um weniger zu arbeiten, sollte ich erstmal mehr tun – und zwar Dinge, die mir absolut keinen Spaß machen. Nämlich Statements in die Welt hinauszupusten. Warum durften die Treffen selbst nicht zur Kommunikation genutz werden? Weil – wenn ich eins so richtig gern mache – dann ist es Reden. Leute vollquatschen. Aber das sollte ja verboten sein.

Benedikt: Ich finde, wir haben zwischenzeitlich dann einen guten Weg für uns gefunden. Denn wir haben uns einfach den Raum genommen, aus den Themen zu machen, was wir wollten. Ich habe auch kein Bedürfnis, über Social-Media-Kanäle Botschaften zu verbreiten. Und meine Vorstellungen von wertschätzender und einfühlsamer Kommunikation und Zusammenarbeit sind gefestigt und ständig Gegenstand meiner persönlichen, kritischen Selbstreflektion (zumindest glaube ich das!).

Den Zugang zu den Circle-Guides und den Aufgaben haben wir immer schwerer, am Ende gar nicht mehr, gefunden. Vielleicht waren wir uns an dieser Stelle auch zu ähnlich und es ist in “interdisziplinäreren” Konstellationen eher der Fall, dass man gegenseitig von Netzwerken und Verknüpfen profitiert.

Rückblickend hätte es mir gut gefallen, die Circle Guides hätten weniger Aufgaben zur Produktion vorgegeben, sondern mehr Anreize zum Austausch gesetzt. Wie Wolf fragte ich mich auch: Warum kann ich nicht erstmal unsere Gruppe für einen intensiven Austausch nutzen? Wenn man dann noch Bedürfnisse hat, tiefer in das Thema einzutauchen, wäre eine initiale Kontaktaufnahme mit den Charakteren auf der eigenen Personenliste oder das Verfassen von Beiträgen in Netzwerken ja auch immer noch möglich. Manche Beispielgeschichten waren ein interessanter Anreiz. Mehr davon!

Mir hat es aber super Spaß gemacht, in den gemeinsamen Meetings in den Austausch zu kommen. Auch, wenn das Durchlesen und mehr oder minder dürftige Vorbereiten des Circle Guides immer ein wenig stressig war für meine Geduld :-).

Martin: Der WoL hat uns – glaube ich – allen die Erkenntnis gebracht, dass gemeinsam alles einfacher, entspannter und vor allem in der aktuellen Zeit witziger ist. Ich selbst konnte mit den Bezügen zu den ganzen Social-Media Präsenzen nichts anfangen, da ich dort nur wenig präsent bin.

Auch glaube ich, dass das WoL im ursprünglichen Sinne nicht für die klassischen Verwaltungsbeamten konzipiert worden ist. Aber jeder einzelne von uns konnte Erkenntnisse aus den wöchentlichen Treffen erlangen. Ich wünsche allen alles erdenklich Gute und freue mich auf das Treffen in „Real Life“!!

Anmerkungen

/1/ John Stepper hat „Working out loud“ – eine ursprünglich von Bryce Williams 2010 entwickelte Methode – übernommen und bekannt gemacht. Er hat 12 „Circle Guides“ veröffentlicht, von denen jeder eines der 12 Wochentreffen eines WoL-Cirlce anleiten soll.

/2/ Das bezieht sich auf die Circle-Guides für die ersten beiden WoL-Session. Danach soll sich jede*r eine „Beziehungsliste“ anlegen (vor allem Kontakte in Sozialen Netzwerken) und diese dann in die Umsetzung der Ziele einbeziehen. Circle Guides finden sich unter https://workingoutloud.com/de/fur-dich.

Autor: Wolf Steinbrecher

Volkswirt und Informatiker. Zuerst als Anwendungsentwickler in Krankenhäusern und Systemhäusern tätig. Dann von 1995 bis 2008 Sachgebietsleiter für Organisation und Controlling in einem baden-württembergischen Landkreis (1.050 MA). Seitdem Berater für Teamarbeit und Dokumentenmanagement. Teilhaber der Common Sense Team GmbH Karlsruhe, www.commonsenseteam.de. Blogger bei www.teamworkblog.de.

Ein Gedanke zu „Unser WoL-Circle: Bericht einer bitteren Niederlage“

  1. Großes Kino! 🙂
    Ich habe auch schon damit geliebäugelt, ein WOL auf die Beine zu stellen oder wenigestens an einem teilzunehmen – man hörte ja nur Geschwärme…aber auch ich kam nie über den ersten Schritt hinaus, mir zu überlegen, was ich wirklich in einem WOL erreichen wollen würde. Eure Geschichte des WOLs finde ich sehr glaubhaft. Danke für eure Ehrlichkeit. Das heißt ja nicht, dass ein WOL nicht auch supertoll funktionieren kann – aber das ist ganz offensichtlich kein Automatismus, nicht einmal bei ohnehin schon sehr agilen, experimentierfreudigen Leuten wie ihr es seid.
    Dass ihr dennoch Spaß hattet, ist ersten erfreulich und zweitens nicht verunderlich. Und dem Netzwerken hat es auf jeden Fall gedient – nichts ist umsonst, nicht einmal ein unrunder WOL-Circle.

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