Wer Visionen hat …

… sollte sie zur Diskussion stellen.

Seitens der FAV-Blogredaktion haben wir Stephanie Borgert gebeten, ihre Gedanken zum Thema „Vision von Digitalisierung und agiler Transformation in der öffentlichen Verwaltung“ zu äußern. Und zwar gerade, weil Stephanie Borgert nicht Teil der Verwaltung ist, sondern externe Beobachterin. Will sich der Public Sector in Deutschland ändern, so braucht es den Druck von außen. Ohne diesen wird sich nichts bewegen.

Was haben Öffentliche Verwaltung, Deutsche Telekom und Deutsche Bahn gemeinsam? Jeder Mensch kann eine oder mehrere persönlich erlebte Anekdoten zum Besten geben. Ob unsinnige Ausgaben im öffentlichen Raum, Antrags-Marathon oder „bemerkenswerter“ Service. So unterhaltsam das Bashing auch sein kann, so unfair ist es. Schließlich gibt es die eine ÖV selbstverständlich nicht. Jede Kommune hat ihr Eigenleben, die Länder sind keine eineiigen Zwillinge und auch DER Bund existiert so nicht.

Gleichzeitig scheint das Grundmodell Verwaltung überholt oder zumindest sanierungsbedürftig. Vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit, effizienter Ressourcennutzung, menschenfreundlicher Wertschöpfung und der generellen Tatsache, dass wir in einer komplexen, dynamischen Welt agieren, wirken Kameralistik (inklusive des Versuchs durch Umstellung auf Doppik Budgetierung salonfähiger zu machen), Aktenberge und analoge Services wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. „Verwaltung, quo vadis?“ möchte man rufen und dabei hoffen, eine eindeutige Antwort zu finden. Das ist eine Illusion, denn die Zusammenhänge sind so vielschichtig, dass ein Artikel dazu kaum ausreichen kann. Aus diesem Grund betrachte ich hier einen Ausschnitt des Themenkomplexes; schnelle Diagnosen, (vermeintliche) Lösungen und eine Möglichkeit.

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Wir wollen ein Buch schreiben und darin eine Vision für eine „Agile Verwaltung 2035“ erarbeiten. Wer macht mit?

Wir: das sind Christiane Büchter, Peter Bauer und Wolf Steinbrecher. „Agile Verwaltung 2035“ ist erst einmal nur ein Arbeitstitel, und die Diskussion darum hat schon begonnen („Ist 2035 nicht zu weit in die Zukunft verlegt? Wir wollen doch schon lange vorher Ergebnisse! Und ist „agil“ nicht schon zu abgenutzt?“ Und so weiter.)


Wichtig ist uns jetzt erst einmal eine Verständigung über das Grundanliegen des Buches: die Erarbeitung einer Vision. So wollen wir einen Verständigungsrahmen erarbeiten, Digitalisierung nicht nur umzusetzen, sondern aktiv zu gestalten. Und natürlich auch andere Herausforderungen, vor denen die Verwaltungen stehen. Dafür suchen wir Interessierte, die sich daran beteiligen wollen.

Und zwar Interessierte aus allen Bereichen: nicht nur Mitarbeiter:innen und Führungskräfte aus der Verwaltung, sondern auch und gerade „von außen“: von Bürger:innen und Unternehmen aus der Kundenperspektive, von Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft, von Lieferanten, von Forschenden, Berater:innen und Journalist:innen. Denn Visionen kann die Verwaltung nicht nur aus sich selbst heraus entwickeln, dazu ist sie als System viel zu sehr um die Selbsterhaltung herum aufgestellt. Sie benötigt Anstöße und Herausforderungen von außen – dann können wir vielleicht irgendwann sagen: „Und sie bewegt sich doch!“

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Offener Brief an die oberste Bildungsbehörde von Baden-Württemberg

Sehr geehrte Frau Kultusministerin Theresa Schopper

Zur Zeit treibt mich eine Spiegel-online Schlagzeile um:

Als wir an unserem Gymnasium vor einem Vierteljahrhundert zeigten, dass wir zusammen mit Schüler:innen sehr viele außerunterrichtliche Projekte aus dem Boden wachsen lassen konnten, ohne dass zu jedem Projekt auch eine Lehrperson benötigt wurde, haben viele zuerst den Kopf geschüttelt, aber als das Konzept „Schülerschule“ von einer internationalen Jury zum dezentralen EXPO2000 Projekt gekürt wurde, hat sogar unsere damalige Kultusministerin Annette Schavan spontan die Schirmherrschaft übernommen.

Leider war die Idee, aktiven Schüler:innen so viel Vertrauen und Verantwortung
zu überlassen, ein Pflänzchen, das nur vereinzelt auch an anderen Schulen wachsen durfte. Meine heutige Einschätzung aus der zeitlichen Ferne: Wir hatten einen – heute würde ich sagen – agilen Direktor, der sehr oft den Mut bewiesen hatte, der Bildungsverwaltung unsere schulischen Erfolge entgegenzuhalten und viele Dinge zu ermöglichen, die damals eigentlich nicht möglich waren.

Tenor: Zulassen und vertrauen.
Und mit den Schüler:innen auf Augenhöhe zusammenarbeiten.


Denn: Lernende können sehr wohl auch Lehrende sein.

Das wäre aus meiner Sicht ein real umsetzbarer Lösungsansatz für das Aktionsprogramm der Bundesregierung „Aufholen nach Corona“.

Motto: Wir heben den an allen Schulen vorhandenen wertvollen Schatz des fachdidaktischen Erklärkompetenzschweifs. 😎😎 (Ich denke, jeder kennt aus seiner eigenen Schulzeit die Aussage des kleinen Filmchens. Wenn man gerade selbst den Aha-Effekt des Verstehens durchlaufen hat, dann können viele von uns Menschen als natürliche Lehrkraft sehr stark und effektiv erklären. Und da Schüler:innen ganz normale Menschen sind, nur eben junge – immerhin waren alle Leser:innen dieses Artikels selbst mal welche – liegt da ein riesiger Schatz begraben – leider mit Verfallsdatum)


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FAV-Frühjahrskonferenz in @tlingen: Ein Ausflug hinter die Kulissen unserer Verwaltungen

Amelie Ikas war als Nicht-Verwalterin auf unserer Online-Konferenz dabei. Sie hat uns ihre Eindrücke geschickt, insbesondere ihre Gedanken um das Konferenzmotto „Zwischenräume nutzen“ und wie sie sich künftige geänderte Rollen der Verwaltung, nämlich der Vermittlung in und von Zwischenräumen mit Bürgern und Gesellschaft, vorstellen möchte.

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Interview mit Knut Hüneke zu einem Reorganisations-projekt in den Waldkliniken Eisenberg

Lieber Knut, du hast in deiner Zeit in den Waldkliniken Eisenberg zwischen 2009 und 2018 ein ganz besonderes Projekt begleitet, bei dem ein neues Bettenhaus errichtet wurde, gleichzeitig aber der Klinikbetrieb im Hinblick auf das neue Bettenhaus einen Change-Prozess durchlief. Zuerst einmal: was war die Ausgangslage, die euch motivierte, ein solches Projekt überhaupt zu starten?

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Warum ich überzeugt bin, dass Effectuation in den Werkzeugkoffer der agilen Verwaltung gehört

Echte Unsicherheit und öffentliche Verwaltung? Das ist kein Thema, oder doch? Eine gute Frage, die mich in jüngerer Zeit etwas intensiver beschäftigt. Und dabei bin ich über das Thema Effectuation gestolpert. Es mag verwundern, beschäftigt sich dieser Zweig der Forschung doch eigentlich mit der Frage, wie Unternehmen unter echter Unsicherheit erfolgreich agieren können. Echte Unsicherheit: gibt es diese für die öffentliche Verwaltung überhaupt? Wenn wir annehmen, dass die Welt da draußen hochgradig komplex ist, dann mit Sicherheit. Davon bin ich überzeugt.

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