150 Jahre Scrum

Die Ideen in Scrum und Lean sind alles andere als modern oder neumodisch. Die Grundlagen wurden vor 150 Jahren gelegt.

Ich habe vor kurzem meinen aktuellen Recherchestand zur Ideengeschichte von Scrum auf dem Lean Stammtisch Mannheim (dank der Initiative von Tom) vorgestellt. Warum sollten wir die Hintergründe kennen?

Bei Scrum kennen die meisten die Hintegründe von Jeff Sutherland und Ken Schwaber sowie einigen frühen Mitgliedern der agilen Szene.

Auch das Agile Manifest wird in den meisten Scrum-Trainings erwähnt. Vielleicht haben einige in den Erzählungen von Jeff die Hinweise auf Lean und Toyota gefunden. Ken ist das empirische Arbeiten sehr wichtig.

Zu den Ursprüngen von Lean hat Jim Huntzinger eine Zusammenfassung erstellt, die die Hintegründe zu den Beschreibungen aus den Büchern von Womack und Jones liefern.

Ende 2015 saß ich bei Jeff im Training. Er stellte das Buch „Lean Product and Process Development“ von Allen Ward von 2014 über die Produktentwicklung bei Toyota vor. Dort wurde gezeigt, wie Toyota mit sog. Trade-off-Curves arbeitet. Das war mir neu und ich stolperte über dieses Zitat: „Nach dem Krieg entdeckte die Luftfahrtindustrie den Computer. Mit Computern wurde erst konstruiert, dann simuliert, dann neu konstruiert, dann neu simuliert, usw. Die Kunst, Trade-Off-Kurven zu erfassen, ging verloren„.

Ich wollte wissen, was das ist, wie man solche Kurven erstellt und warum sie die Zusammenarbeit so deutlich vereinfacht. Ich habe drei Jahre gebraucht, um das zu verstehen.

Die Entwicklung von Product-Owner-Konzepten (Quelle: Teamworkblog.de)

Die Recherche hat mir geholfen, Dinge für meine Kunde bei Training und Beratung einfacher zu machen. Ich kann Dinge besser erklären. Wenn man sieht, welche Leistungen unsere Vorgänger vor 150 oder 100 Jahren ohne Internet zu Stande gebracht haben, bleibt einem nichts anderes übrig als bescheiden zu werden.

Nach dem Vortrag (Link zur Aufzeichnung und zum Skript in deutscher Sprache) habe ich Feedback für weitere Gründe bekommen:

  • Das Wissen um die Vergangenheit baut Brücken zu den einzelnen Methoden, mit denen Berater*innen unterwegs sind. Die Geschichte hilft beim Verbinden, „mehr sowohl als auch, statt entweder-oder“.
  • Viele aktuelle Methoden sind schon einmal dargewesen und werden gerade wieder mit einem neuen Aufkleber vermarktet. Also mehr Nachhaltigkeit in der Arbeit statt ständig neue Sauen durch die Dörfer zu treiben.
  • Wir sollten bei der Ausbildung in Scrum vielleicht nicht erst mit dem Scrum Guide anfangen, sondern auch auf die Vorgeschichte eingehen.
  • Die Zeitreise hat Zusammenhänge hergestellt, die nicht so offensichtlich sind.
  • Es zeigt, wie sich die Community damals – vor und zwischen den Weltkriegen – um globale Vernetzung über verschiedene Kulturen gekümmert hat.

Je mehr man recherchiert, desto mehr Fragen ergeben sich natürlich. Meine Literaturdatenbank enthält zur Ideengeschichte im Moment 99 Einträge. Die Recherche macht Spaß und ich lerne interessante Leute kennen. Es bleibt also spannend, was noch kommt. Vorträge sind für mich immer die Gelegenheit, mein Wissen aufzuschreiben.

2 Kommentare zu „150 Jahre Scrum“

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