Eine Vision einer „Agilen Verwaltung 2040“

Am vorletzten Dienstag, 7. September 2021, haben wir einen Workshop veranstaltet mit Interessent:innen, die sich an unserem Buchprojekt „Agile Verwaltung 2040“ (Arbeitstitel) beteiligen wollen. Etwa 25 Leute haben sich beteiligt und (unter anderem) an einer Vision gearbeitet: Einer Vision für eine Agile Verwaltung der Zukunft (vielleicht dauert sie ja nicht bis 2040), die auch eine Vision für das Buch wurde. Das könnte für all jene interessant sein, die nach strategischen Perspektiven für eine agile Verwaltung in einer der möglichen Zukünfte suchen und sich dafür mit ähnlich Interessierten vernetzen wollen.

Vision eines Buches einer agilen Verwaltung

Hier erst einmal das Ergebnis:

„Wir wollen eine Verwaltung schaffen, die sich nicht gegenüber der Gesellschaft abgrenzt und hinter Unzuständigkeiten verschanzt, sondern ihren Blick nach außen richtet und sich für alle Bedarfe der gesellschaftlichen und individuellen Lebensgestaltung öffnet.

Eine Verwaltung, die das Feld der Innovation nicht nur der Wirtschaft überlässt, sondern selbstbewusst und selbstverständlich Aufgaben anpackt und Projekte startet, die Horizonte erweitern, die langfristig und im Bewusstsein komplexer Wechselwirkungen angelegt sind und andere Akteure zum Mitmachen aktivieren. Eine solche Verwaltung schafft Plattformen, Experimentierräume und Brücken für Bürger*innen und Unternehmen, um mit ihnen in einen Dialog zu treten, der wirklichen Austausch ermöglicht und Resonanz erzeugt.

Diese Verwaltung der Zukunft fördert bei ihren Mitarbeitenden eine Haltung, Veränderung willkommen zu heißen, zu handeln statt zu zögern, neue Räume zu entdecken statt im Alten zu verharren und achtsam auf die Bedarfe der Kund*innen einzugehen statt sich für unzuständig zu erklären. Sie fördert einen Führungsstil, der Geschäftsgangverfügungen und Mitzeichnungswege durch Delegation von Entscheidungen an die Mitarbeitenden ablöst und für ihre Mitarbeitenden Hindernisse aus dem Weg räumt.

In einer solchen Verwaltung ist eine tastende, ausprobierende, experimentierfreudige Vorgehensweise bei komplexen Fragestellungen zur Regel geworden. Am Anfang steht nicht der perfekte Plan, sondern der Mut, aus Misserfolgen zu lernen und dann umzusteuern. Regelmäßige Reflexionen, Einholen von Feedback und systematische Wissensentwicklung sind auf allen Ebenen Teil der Routine.

Die Verwaltung ist loyale Partnerin für eine zukunftsgewandte Politik in Beratung und Umsetzung. Umgekehrt bietet der gesetzgeberische Rahmen die Freiräume, die von der Verwaltung für ihre Kundenorientierung und die experimentierende Lösungssuche benötigt werden.

Mit unserem Buch wollen wir mit unterschiedlichen Perspektiven für diese Agile Verwaltung 2040 begeistern. Wir wollen facettenreiche und praxisorientierte Entwürfe bieten – lesbar und anschaulich, nachdenklich und nicht apodiktisch, immer mit den Leser*innen auf Augenhöhe. Und wir wollen uns selbst entwickeln! Im Erstellungsprozess uns kennenlernen und unsere Erfahrungen und Ideen teilen, Resonanzräume schaffen, uns selbst ständig kritisch reflektieren und andere zum Feedback einladen. Nicht das Buch ist das Ziel, sondern sein schwingendes Echo in uns und in denen, die mit uns verbunden sind.“

Wie wir gearbeitet haben

Wir haben uns 50 Minuten Zeit genommen mit der Visions-Erarbeitung. Auf dem gemeinsamen Miroboard haben wir Vorschläge gesammelt, die sich an folgenden 4 Leitfragen orientieren konnten:

  • Was es in einer Verwaltung der Zukunft absolut nicht mehr geben darf
  • Was für eine gute agile Verwaltung absolut nötig ist
  • Also so darf das Buch überhaupt nicht sein!
  • Das wünsche ich mir unbedingt für unser Buch

Es ging ja um die Vision für ein Super-Buch über eine absolut ideale Verwaltung – also beide Aspekte mussten in der Vision auftauchen.

Innerhalb von knapp 10 Minuten waren über 100 Ideen gesammelt. Dann haben wir gemeinsam diese Ideen nach „Aspekten“ geclustert. Dabei wurden die Aspekte nicht vorformuliert, sondern alle suchten einfach „zusammen passende Vorschläge“ – und aus den neun Clustern wurden dann neun erste Formulierungen für eine Vision. Das geschah in Arbeitsgruppen, und es ergaben sich sieben „erste Entwürfe von Fomulierungen“. Damit endete die Arbeit im großen Workshop.


Drei Leute meldeten sich für eine redaktionelle Arbeit im Nachgang (Dominik, Heike und Wolf). In dieser Schlussredaktion wurden die „ersten Entwürfe“ überarbeitet und nochmal überarbeitet und ganz am Schluss die obige Vision formuliert. Dabei wurde keine einzige Idee in ihrem Wortlaut übernommen – dann hätten wir ein Papier von locker 10 Seiten. Sondern wir haben versucht, den „Geist der Ideen“ zum Sprechen zu bringen. Urteilt selbst – gerade auch die Teilnehmer:innen am Workshop! -, in welchem Maße uns das gelungen ist.

Ein Ideen-Cluster mit verschiedenen Stufen der redaktionellen Zusammenfassung

Kanonen und Spatzen – eine Wechselwirkung

Warum der ganze Bohei? Ist das nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen, für ein simples Buch eine Vision an den Anfang zu stellen? 25 Leute à 50 Minuten = 1.250 Minuten + die Redaktionsarbeit = locker 3 Arbeitstage. Ja, geht’s denn noch?

In diese Richtung ging einige Kritik, auch aus dem Forum Agile Verwaltung.

Wir (also die Initiator:innen und „PO’s“, Christiane, Peter und Wolf) hatten es uns vorher gut überlegt gehabt und finden es auch heute noch gerechtfertigt. Zum einen ganz grundsätzlich: mehrere Dutzend Leute, die sich zum großen Teil nicht oder ganz flüchtig kennen, wollen im gemeinsamen Rahmen Zukunftsvorstellungen entwickeln und in die Welt entlassen. Wie soll das gehen, ohne sich zumindest ansatzweise zu vergewissern, dass wir in etwa die gleiche Richtung gehen?

Aber auch aus aktuellem Anlass. Wir erleben derzeit einen Hype in der Verwaltung um das Thema „Agilität“. Auf allen Ebenen unseres Staates werden Konferenzen, Symposien, Workshops und Labs veranstaltet und viele viele Artikel und ganze Bücher zum Thema geschrieben. Der Inhalt ist oft schnell dahin geworfen, oberflächlich, ohne wirkliche Tiefe. Und teilweise wird der Begriff „Agilität“ richtiggehend gekapert im Sinne einer feindlichen Übernahme: Vorgehensweisen, die ursprünglich auf eine bessere, autonomere Arbeitsweise zielten, sollen in den Dienst des Verfestigens ganz traditioneller Haltungen gestellt werden. (Wir haben das ein bisschen polemisch das „agile Weiter-So“ genannt.)

Und da möchten wir für unser Buch-Netzwerk intern wie auch nach außen hin klarmachen: Wir wollen nicht „alten Wein in neuen Schläuchen“. Wir wollen neuen Wein in neuen Schläuchen – und davon ein ganzes Weinfest!

Wer möchte sich noch beteiligen?

Wir sehen: wenn man mit Kanonen auf Spatzen schießt, werden manchmal Silbermöwen daraus. Eine alte agile Weisheit, dies.

Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen. Kontaktformular auf https://agile-verwaltung.org/wir-wollen-ein-buch-schreiben-und-darin-eine-vision-fur-eine-agile-verwaltung-2040-erarbeiten-wer-macht-mit/.

Autor: Buchprojekt Agile Verwaltung 2040

Wir sind die "Product Owner" des Buchprojekts Agile Verwaltung 2040. Wir, das sind Christiane Büchter, Wolf Steinbrechen und Peter Bauer.

4 Kommentare zu „Eine Vision einer „Agilen Verwaltung 2040““

  1. Ein spannendes Vorhaben und meiner Meinung nach ein sehr guter Weg, an dieses große Projekt – das Schreiben eines Buches – heranzugehen.
    Ich habe jedoch eine Frage zu dem Zettel, der sehr hervorsticht – „Agiler Mindset ist alles… – Bullshit“ – wie soll ich diese Aussage verstehen?

    1. Agiles Mindset ist nicht alles
    oder
    2. Agiles Mindset ist alles, aber muss auch vorhanden sein

    Agile Transformation erfordert nun mal einen Kultur-/Wertewandel und ohne ein gelebtes/vorhandenes agiles Mindset, sind wir schnell bei „same same but different“ angekommen.

    Über eine Erläuterung dieses Zettels würde ich mich freuen 🙂

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  2. Das klingt sehr gut!
    Ihr habt spannende Ideen und eine mitreissende Vision erarbeitet!
    Wie kann ich da zukünftig mitwirken?
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz.
    Rahel Kindermann

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