Was hat sich in der Corona-Krise geändert? Die Sichten der Mitarbeiter und der Führungskräfte

Im Juni hatten wir vom Forum Agile Verwaltung eine Umfrage „Erfahrungen rund um das Online-Arbeiten“ durchgeführt, an der sich rd. 200 Leserinnen und Leser unseres Blogs beteiligt hatten /Anmerkung 1/. Die ersten Ergebnisse hatten wir im Juli veröffentlicht /Anmerkung 2/. Heute wollen wir jetzt speziell der Frage nachgehen: „Wie unterscheiden sich die Sichtweisen von Führungskräften und Mitarbeitern auf die Umwälzungen im Gefolge der Pandemie?“

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Wie die Zukunft der (Innen-) Städte entsteht

Was machen wir mit unseren Innenstädten? Die letzten Monate haben die Entwicklungen dort beschleunigt. Jetzt wird sichtbar, was passieren könnte, wenn es keine Läden und Restaurants mehr gibt. Die ExpertInnen sind sich uneinig, was die Lösung ist. Aber sie sind sich einig, wie Lösungen entwickelt werden. Und das ist eine Aufgabe, die gut zu unserem Forum passt.

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Neue kostenlose VKonf: „Boxenstopp: Leadership in unruhigen Zeiten“. Und unsere Wochenangebote.

Das Corona-Virus hat unsere Welt auf den Kopf gestellt und wird sie nachhaltig beeinflussen. Ein Zurück zum „Alles-Wie-Bisher“ wird es nicht mehr geben. Arbeiten und Führung müssen auch künftig unter veränderten Rahmenbedingungen umgesetzt werden, die im hohen Maße neue Anforderungen an alle stellen. In dieser Krise kann man als Führungskraft bzw. Mitarbeiter:in schon mal das Gefühl für das eigene Unternehmen und den Blick fürs Ganze verlieren. Kontrolle wird schwierig, Vertrauen auch.

Wir laden daher ein zu einem kurzen Boxenstopp, um einen gemeinsamen Blick auf objektive Herausforderungen und subjektive Ergebnisse in der Krise zu werfen:
Wie erleben und meistern Sie die neue Situation als Führungskraft? Worin liegen die neuen Herausforderungen und wie gehen Sie damit am besten um? Wie geht es künftig weiter mit Führung, Teamorientierung, Kommunikation, Entscheidungen treffen, Remote Leadership?

Boxenstopp bei FerrAriV.

Der Fokus unseres „Boxenstopp: Leadership“ liegt auf interaktivem Erfahrungsaustausch, Reflexion und einem Kurz-Input sowie der Einladung zum Netzwerken.

Zur Zielgruppe des „Boxenstopp: Leadership“ gehören Führungskräfte aus Verwaltungen, Non-Profit-Unternehmen und der Wirtschaft, die wenigstens ein Jahr Führungserfahrung haben. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir den „Boxenstopp: Leadership“ nicht für professionelle Berater:innen und Trainer:innen anbieten.

Die Leadership-Expertinnen und Moderatorinnen der Neuen Denkerei Madlen Freudenberg und Birgit Schiche begleiten Sie beim „Boxenstopp: Leadership“. Neben fundiertem fachlichen und methodischen Know-how bringen sie auch selbst Führungserfahrung mit.

Hinweise: Der „Boxenstopp: Leadership“ findet online statt. Genutzt wird dafür Zoom, evtl. in Kombination mit weiteren Tools wie Menti.com. Die Installation einer Software oder Anmeldung eines eigenen Accounts ist nicht zwingend erforderlich, wodurch diese Tools mit verwaltungsspezifischen IT-Sicherheitsrichtlinien konform gehen. Teilnehmer:innen sollten jedoch über Video und Mikrofon verfügen und möglichst über PC/ Laptop teilnehmen. Menti.com kann auch sehr gut über ein zusätzliches Smartphone/ Tablet genutzt werden.

Wer über den kurzen Boxenstopp hinaus gezielt weiter am Thema arbeiten und die eigene Führungskompetenz ausbauen möchte, findet Gelegenheit bei der „Expedition Leadership – eine Reise über 6 Stationen“ (ebenfalls online, für nähere Infos bitte ansprechen).

Referentinnen: Birgit Schiche, Madlen Freudenberg

Datum/Uhrzeit: Do, 20.8.2020/ 15-17:00 h

Anmeldung: unter Xing (man braucht dafür nicht Mitglied zu sein). Link zur Anmeldung: https://www.xing.com/events/3003467

Aktueller Wochenkalender

Diese Woche finden folgende kostenlose Webkonferenzen statt:

Welche neuen (Arbeits-)Erfahrungen in der Corona-Krise wollen wir in die Zukunft mitnehmen?

Einige der Erfahrungen, die wir jetzt machen, möchten wir lieber nicht gemacht haben. Aber es gibt auch positive Erlebnisse: Was auf einmal geht, was vorher nie ging. Sich aktiv einbringen können. Schnell zu Resultaten kommen. Dabei werden auch die Ergebnisse unserer Umfrage vorgestellt und diskutiert, die wir im Juni durchgeführt hatten.

Dauer: 1,5 Stunden.

Referenten: Christiane Büchter, Thomas Michl, Wolf Steinbrecher

Termin: Dienstag, 28. Juli 2020, 15-16:30 Uhr

Anmeldelink: https://www.xing.com/events/2982567

Backlog-Priorisierung: Ein Methodenüberblick

„Dann müssen sie halt priorisieren“, sagt sich einfach. In der Umsetzung kann es eine Herausforderung werden. Wir stellen bewährte Priorisierungsmethoden in einem Überblick vor und beantworten Fragen aus der Praxis.

Dauer: 1,0 Std. (30 Minuten Vortrag, 30 Minuten Austausch)

Referent: Thomas Michl

Termin: Mittwoch, 29.07.2020, 17-18 Uhr

Anmeldelink: https://www.xing.com/events/2982551

Eine agile Selfmadeschool in der Schule gründen – ein Sommermärchen

Liebe Leserin, lieber Leser

Mal angenommen, Sie haben Kinder so ab 14 Jahre in der Schule. Und Sie waren sich in den letzten Monaten mit ihnen einig, dass man das nächste Schuljahr ganz anders angehen sollte. Weil es wegen Corona noch immer überhaupt kein „normales“ Lernen geben wird. Dann schlage ich Ihnen ein spannendes Familien-Experiment für die Ferien vor.

Früher haben Sie Ihren Kindern sicher ab und zu Märchen vorgelesen. Lesen Sie ihnen doch heute einmal ein Schul-Märchen vor bzw lassen Sie es selbst lesen. Ein Märchen, in dem Ihre Tochter oder Ihr Sohn selbst zentral vorkommen. Und reden Sie dann einfach mal darüber. Es wird sich möglicherweise extrem lohnen. Für die ganze Familie. Allerdings … Diese Fiktion ist nur dann umsetzbar, wenn Sie sich selbst mit Kommentaren komplett zurückhalten. Sollte die Idee zünden, zündet sie. Wenn nicht, dann eben einfach nicht. Sehen Sie es bitte nur als Spiel. Als Gedanken-Experiment. Als Diskussionsgrundlage über das Lernen. Wenn es auch verführerisch ist, zu erleben, wie es von Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn umgesetzt würde. Deshalb lassen Sie die Geschichte wirken und hören Sie zu. Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie. Aber antworten Sie nicht, wenn Sie nicht gefragt werden. 🙂

Ich habe schon in meiner aktiven Schulmeisterzeit immer bemängelt, dass man im aktuellen Schulsystem Schüler&innen viel zu wenig fordert und ernst nimmt. Sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn bis zum Schluss diesem Sommermärchen lauschen bzw es lesen und nicht vorher gelangweilt einschlafen, dann sollten Sie das StartUp-Unternehmen Ihres Nachfahren unbedingt agil unterstützen.

Sie tun damit zumindest eine Lesestunde lang etwas für die Zukunft Ihrer Tochter oder ihres Sohnes. Lernprozesse verstehen ist die Grundlage guter Lernprozesse.

vision

Alles andere steht im Büchlein dazu: Selfmadeschool

Oder wird hier von mir auch vorgelesen, falls Ihr Sohn oder Ihre Tochter den Inhalt zwar gerne kennen würde, aber gleich meint, der Text wäre zu lang zum Lesen.

 

Wünsche allen einen wunderbaren Sommer und ein eigenes Sommermärchen. Otto Kraz


Ein kleiner Einblick in zwei kleine Kapitel des Büchleins

Das LüLüLüüb Prinzip.
Also ich nenn das jetzt einfach mal so als schnellen Arbeitstitel.
Euer Team wird sicher einen für euch passenderen Namen finden.
Das LüLüLüüb-Prinzip steht auf 4 Pfeilern:
1. Lücken finden
2. Lücken füllen
3. Lücken vermeiden
4. Überholen
Alles andere ist kollaborative Improvisation. Gemeinsames Ausprobieren, was geht und was nicht.

Nochmals zusammengefasst:
Eine ganz normale Schule, also deine. Altes Gemäuer. Old School mit einem Bildungsplan, den es sinnvollerweise zu erfüllen gilt, weil Old School dir und deinem Team völlig kostenlos 10 000€ pro Teammitglied im Jahr in Form von Büro, Netzwerk, Arbeitsplatz und vielen Vergünstigungen zur Verfügung stellt … und nicht zu vergessen … kompetente Assistenten ohne Ende … nämlich Lehrer&innen.

Dieses Testen und Benoten aus der OldSchool müsst ihr ja als StartUp nicht mehr im Blick haben. Das hatten wir schon. Mitglieder von Selfmadeschools bleiben garantiert nie sitzen, weil sie gegenseitig auf sich aufpassen. Und wohlwissend, dass es egal ist, ob man eine 2-3 oder eine 3-4 im Englisch-Test hat, dass es nur darauf ankommt, wie viele Wörter man im Hirn in die Zukunft rüberretten kann, ergeben sich für Selfmadeschool-Direktoren komplett neue und eigene Ideenräume. Ja klar. Als StartUp könnt ihr euch alle möglichen Titel geben. Ihr seid eure eigenen Macher&innen. Nur Hierarchien sind verboten. Weil das überhaupt nicht sinnvoll ist. …..

 

 

Wohin geht deine Reise?

Ich möchte gerne ein Thema anreichen, das nur indirekt mit der agilen Welt zu tun hat. Es geht hierbei aber auch um das Thema Haltung, und die, wenn Mensch es verstanden hat, ihm hilft, besser in die agile Welt zu kommen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich Menschen begegne, für die ein Glas Wasser eher halb leer erschien oder eben halb voll. Schaue ich es halb leer an, schwingt etwas Negatives hinein. Beim halb vollen eher etwas positiv Stimmendes. Kann Mensch an seiner inneren Haltung was ändern? Und wie?

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UMFRAGEERGEBNISSE zu Erfahrungen in Corona-Zeiten: Agile Vorgehensweisen stärken Verwaltungen in der VUKA-Welt

Vor vier Wochen hatten wir an dieser Stelle unsere Leser zur Beteiligung an einer Umfrage eingeladen, um ihre Erfahrungen in Zeiten der Corona-Krise zusammenzutragen und auszuwerten (https://agile-verwaltung.org/2020/06/11/umfrage-zu-erfahrungen-rund-um-das-online-arbeiten-und-der-link-stimmt-auch/). Dahinter standen zwei Vermutungen: Erstens, dass an verschiedenen Stellen in der öffentlichen Verwaltung spontan „agile“ Vorgehensweisen angewendet werden: quasi aus der Not geboren – es ging nicht mehr anders. Und zweitens, dass diese Vorgehensweisen zur erfolgreichen Bewältigung von Herausforderungen beitragen, wo dies gelang.

Die erste Sichtung der Umfrageergebnisse scheint diese Hypothesen zu stützen. Weiterlesen „UMFRAGEERGEBNISSE zu Erfahrungen in Corona-Zeiten: Agile Vorgehensweisen stärken Verwaltungen in der VUKA-Welt“

Man muss loslassen, dann hat man plötzlich zwei Hände frei.

Offener Brief an die oberste Bildungsbehörde von Baden-Württemberg

Sehr geehrte Frau Dr. Eisenmann
Wir unternehmen zum aktuellen Anlass mit diesem Blogbeitrag den Versuch, bis ins Zentrum unserer baden-württembergischen Bildungsburg durchzudringen. Möglicherweise ist in diesen unsicheren Corona-Zeiten die Ziehbrücke doch nicht ganz hochgezogen, weil die Burgherrin ja insgeheim auf umwerfende neue Ideen aus dem Ländle wartet.

(Wir: Ein alter Schulmeister, seine Tochter und zwei schulpflichtige Enkelkinder.
Inhaltliche Verortung: Forum agil lernen und lehren

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek meinte vor einigen Tagen. „Jede Schule in jedem Land muss sich ein Ziel setzen: Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden – und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist. Wie auch immer.“ (Rheinischen Post) Klar … „schwierig“, sagte sie. „Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation und da muss jetzt alles mobilisiert werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder verlässlich unterrichtet werden.“ Es müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb „mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht“ wieder umfassend laufen könne.
„Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen“, meinte Frau Karliczek. “ … Soweit ein paar Ideeneindrücke aus Berlin als Einstieg für diesen Blogbeitrag.

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Agiles Verwaltungswissen: Wir stellen Tipps zur Gestaltung von Videokonferenzen vor

Unsere neue, im Aufbau befindliche Sammlung als Mischung von Reflexionen und praktischen Tipps https://agilesverwaltungswissen.org entwickelt sich weiter. Wir können aber auch Verstärkung von anderen, die ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen wollen, gut gebrauchen.

Die Videokonferenz-Tools mit ihren Bewertungen haben uns bis jetzt in Atem gehalten. Zusammen mit der Stadt Freiburg (übrigens eine ganz tolle, kollaborative Erfahrung; Dank den Kollegen!) haben wir eine tabellarische Übersicht über die gängigen und auch unbekanntere Videokonferenz-Tools entwickelt: https://agilesverwaltungswissen.org/wiki/Kategorie:Videokonferenz-Werkzeuge, Unterpunkt „Videokonferenz-Werkzeuge (Vergleichstabelle mit Filtermöglichkeiten)“. Die Tabelle soll es Praktikern in der Verwaltung erleichtern, ein für sie passendes Tool schnell zu finden.

Wenn die Tools jetzt alle da sind, kommt die Frage der Gestaltung von Online-Konferenzen. Das betrifft den Ablauf solcher Meetings, die Verhaltensregeln, aber auch die Verwendung weiterer Methoden oder das Einbinden anderer Tools (Verwendung eines Whiteboards oder eines Tools zu Online-Abstimmungen oder von Taskboards zur Abstimmung einer Agenda). Dazu haben wir jetzt begonnen, Tipps und Erfahrungsberichte zusammenzustellen. Die allererste derartige Seite betrifft die Verwendung von Mindmaps in Videokonferenzen: https://agilesverwaltungswissen.org/wiki/Kategorie:Methoden,_wie_man_Videokonferenzen_gestaltet. Weitere folgen in den nächsten Tagen. Und wer sich beteiligen will, kann sich einfach auf der Plattform anmelden, denn es handelt sich um ein Wiki-Format. Wer Fragen hat, schickt uns eine E-Mail an kontakt[ätt]agile-verwaltung.org.

Umfrage zu Erfahrungen rund um das Online-Arbeiten (und der Link stimmt auch!)

Die Bemerkung „und der Link stimmt auch“ richtet sich an alle, die schon per Mail einen Link zugesandt bekommen haben. Aufgrund von Problemen mit der Plattform mussten wir die Umfrage umziehen. Der neue Link lautet nun: https://t1p.de/zks5

Seit März erleben wir eine Zeit, die uns im persönlichen Kontext, in der Arbeitswelt sowie im sozialen und gesellschaftlichen Miteinander nahezu täglich vor neue Herausforderungen stellt. Auf unvorhergesehene Situationen muss schnell und trotzdem überlegt reagiert werden. Lernen aus Erfahrungen, Entscheidungen ggf. zeitnah hinterfragen zu müssen und nachzujustieren stehen regelmäßig auf der Agenda. Gegebenheiten ändern sich so kurzfristig, dass sie von jedem und jeder von uns eine hohe Veränderungsbereitschaft erfordern. Diese Merkmale kommen euch aus dem agilen Kontext bekannt vor? Damit liegt ihr richtig!

Und umso wichtiger ist es, diesen Schatz an Erfahrungen für die zukünftige Arbeit in öffentlichen Institutionen und Verwaltungen zu heben. Das Forum Agile Verwaltung (FAV) hat eine Umfrage initiiert.

Die Umfrage soll helfen, konkrete eigene Eindrücke und Erfahrungen selbst zu reflektieren, zu benennen und zu verschriftlichen. Erfahrungen aus temporären Umbrüchen („Krisen“) werden nämlich schnell vergessen, wenn die Situation wieder in einen (wie auch immer geregelten) „Alltag“ hinübergleitet. Die neuen Denkbahnen, die unser Gehirn gebaut hat, werden verschüttet. Nur wenn wir unsere Eindrücke jetzt, solange sie noch frisch sind, einmal „von oben“ oder aus der Distanz betrachten („was passiert denn gerade mit uns?“), werden wir nachher aus ihnen lernen können.

Und wir können sie dann gemeinsam in unsere Organisationen einbringen, damit auch sie lernen können. So will die Umfrage letztlich zum „inneren Dialog“ der Verwaltungen anregen und beitragen.

Quelle: Bild von Craig Clark auf Pixabay

Daher würden wir uns sehr freuen, wenn ihr euch wenige Minuten Zeit nehmt für unser gemeinsames Lernen aus dieser Zeit.

Hier noch einmal der Link zur Umfrage: https://t1p.de/zks5

Damit wir möglichst aussagekräftige Daten haben, gebt gern diesen Link mit der Bitte um Teilnahme in eurer Organisation weiter.

Die Umfrage läuft bis 17. Juni. Die Ergebnisse werden wir zeitnahe aufbereiten und hier auf der FAV-Homepage veröffentlichen.

Danach werden wir zu einer öffentlichen Webkonferenz einladen, um mit euch gemeinsam über Schlussfolgerungen zu reflektieren. Dort werden wir auch über weitere Angebote des FAV sprechen, um die einzelnen Verwaltungen beim Lernen aus den Corona-Erfahrungen zu unterstützen.

Agilität und die Gleichberechtigung

Geht es gerechter zu wenn wir agil sind? Foto: Woman photo created by freepik – www.freepik.com

Zurzeit ist Diskriminierung auf Grund des Geschlechts (wieder) in aller Munde. Dass die Debatte um die bestehende Rollenverteilung – nämlich: Frauen kümmern sich neben Beruf auch um Familie und Heim – in dieser Krise so offensichtlich werden würde, hat mit dem Ausbruch von Corona wahrscheinlich keine/r gedacht. Aber so ist es. Nicht nur in Bezug auf Kinderbetreuung und Care Arbeit, sondern auch in Bezug auf Arbeitsorganisation und Führung dringt die Frage nach einer gerechteren Machtverteilung und mehr Repräsentation von Frauen in Entscheidungsgremien in den öffentlichen Diskurs ein. Aber was hat das mit Agilität zu tun? Kann uns Agilität in eine gerechtere Zukunft verhelfen und wenn ja, welche Aspekte sollten jetzt unsere Aufmerksamkeit bekommen? Ich möchte hier die These aufstellen, dass der Weg durch die agile Landschaft Organisationen und Teams durchaus helfen kann, eine gerechtere Arbeitswelt zu schaffen.

Von einer Metaebene auf Kommunikation und Machtverteilung schauen

Ein Vorteil vieler agiler Tools ist, dass sie uns die Möglichkeit bieten, ein Schritt zurück zu nehmen und unsere Zusammenarbeit von einer Metaebene zu betrachten. Die Retrospektive im Scrum z.B. bietet die Chance, nicht nur das „was“ in der Zusammenarbeit anzusprechen und zu verbessern, sondern auch das „wie“. Wie haben wir zusammengearbeitet? Was hat uns geholfen oder gehindert? Welche Art der Kommunikation wünschen wir uns für den kommenden Sprint? Wenn es zur Gewohnheit wird, die Zusammenarbeit zu reflektieren, kommen auch hier gewisse Genderfragen ans Licht. Sind bestimmte Vorurteile in der Zusammenarbeit aufgetreten? Haben wir bestimmte Annahmen über die Rollenverteilung im Team, die an Geschlechter gebunden sind? Kann jede/r im Team seine Stärken vollumfänglich einbringen oder gibt es strukturelle Hindernisse? Bis hin zu Fragen wie: ist unsere Arbeit so organisiert, dass Menschen in Teilzeit oder Menschen mit Familien auch daran teilnehmen können? Die Einführung von agilen Instrumenten in der Zusammenarbeit bietet eine Möglichkeit, Fragen der Benachteiligung auf Grund des Geschlechts anzugehen und für das Team Lösungen zu finden.

Führung als Rolle und nicht als Eigenschaft

Wenn uns die Coronakrise eins gezeigt hat, dann war es, dass alternative Arbeitsformen möglich sind und dass es sich lohnt, sie auszuprobieren. Mobiles Arbeiten, selbstorganisierte Teams, neue Meetingstrukturen und vieles mehr haben in den letzten Monaten in unsere Arbeitswelt Einzug gefunden. Einiges davon hat gut funktioniert, einiges nicht. Was aber durchweg neu verhandelt wurde, ist die Rolle der Führungskraft. Sie musste nicht nur „remote“ führen, sondern ihr Team auch durch eine Krisensituation führen, voll mit Unsicherheiten, komplexen Aufgaben und viel „learning by doing“. In dieser Achterbahn haben sich grundlegende Fähigkeiten, die zur guten Führung gehören, herauskristallisiert wie: Kommunikationsfähigkeit, Risikobereitschaft, und eine positive Einstellung gegenüber Fehlern. Außerdem ist erneut gezeigt worden: Führung ist eine Rolle und keine Eigenschaft. Gute Führung hängt von der Art und Weise, wie man mit Menschen in herausfordernden Situationen umgeht: und das geschieht unabhängig vom Geschlecht.

Der biologische Determinismus, der Genderdiskriminierung zugrunde legt, findet sich auch in Führungstheorien wieder: Männer sind im Grunde „bessere“ Führungskräfte, weibliche Führungskräfte haben „männliche“ Eigenschaften und so weiter. Hier wird „gute Führung“ jemandem auf Grund seines Geschlechtes zugeordnet. Aber Führung ist keine Eigenschaft, gute Führung ist eine Haltung, die man vor allem in Krisensituationen zeigt. Die Beschäftigung mit agilen Methoden zeigt uns, wie wir Teams unterstützen können, weg von der Idee der Führung als eine (gegenderte) Person und hin zu Führung als Rolle zu kommen. Dadurch können wir uns auch überlegen, ob die Rolle der Führungskraft vielleicht nur für eine bestimmte Zeit angenommen wird, wie zum Beispiel Chefwahl. Oder ob Führung eine Rolle ist, die auch geteilt werden kann – wie in der Tandemführung. Oder wann überhaupt eine „Führung“ notwendig ist, wie in der Selbstorganisation. Agile Arbeitsweisen und Instrumente bieten uns somit einen konkreten Rahmen, in dem wir Teams und Führungskräfte auf dem Weg zu einem neuen Führungsverständnis begleiten können.

Wo der Wille auch der Weg

Sicher ist, dass nichts von alleine passiert. Wenn wir in Unternehmen und in der Verwaltung neue Strukturen einführen möchten, müssen wir aktiv werden und erste Schritte einleiten. Und das müssen wir auch wollen. Vieles in der Coronakrise hat gezeigt, dass eine gerechte Zukunft damit anfängt, dass wir uns Gedanken machen darüber, wie wir Entscheidungen treffen, wer an den Entscheidungen beteiligt ist und wer von den Entscheidungen betroffen ist. Eine gleichberechtigte Zukunft fängt damit an, dass wir aktiv daran arbeiten, unsere bestehende Strukturen unter die Lupe zu nehmen, und diese Schritt für Schritt anzupassen.