Wollen wollen agil trainieren

oder – Die Sache mit der GymnasialempfehlungLogo

Wenn man einen Enkel hat, der in der 4. Klasse seiner Arbeit nachgeht und von Elternabenden erzählt bekommt, erinnert man sich als alter Schulmeister schnell daran, wie viel Aufregung in der Luft um diese armen jungen Menschen liegt und wie diese Aufregung den Lebensfokus ganzer Familien verändern kann. Sollten Sie also im Freundes- und Bekanntenkreis jemand kennen, dessen Sprößling sich mental auf den Wechsel zur weiterführenden Schule vorbereitet und damit die ganze Familie in Alarmstimmung versetzt, dann verschicken Sie doch einfach den Link zu diesem Artikel – vielleicht wird man Ihnen später heftig dafür danken. 🙂 Aber natürlich ist das hier beschriebene Prinzip Wollen wollen eine Sache für alle Lernenden – bis ins hohe Alter.

Um was geht es?

Ich habe als Unterstufenberater am Faust-Gymnasium Staufen viele Jahre diesen Übergangsprozess von 4 nach 5 begleitet. Habe den Kontakt mit den Viertklasslehrer/innen gepflegt, den Viertklässler/innen unser Gymnasium gezeigt und ihnen das wesentlich Neue im Vergleich zur Grundschule erklärt. Ihnen speziell erklärt, dass sie lernen müssen, selbst zu laufen. Und dass sie dafür „wollen wollen“ müssen. Man nennt das Ding sonst „gute Arbeitshaltung“, aber wenn man Viertklässlern erklärt, sie müssten am Gymnasium eben nur die richtige Arbeitshaltung mitbringen, dann ist das zu abstrakt. „Ich muss wollen, dass ich will“ beschreibt es für Schüler/innen besser.

Wollen wollen kann man trainieren. Weiterlesen „Wollen wollen agil trainieren“

Unsere Klimakrise mit Agilen Methoden lösen – Wie geht das? Teil 2

Im ersten Teil der Artikelserie „Klimawandel und Agilität“ haben Ludger Wagner und Thomas Michl einen Rahmen aufgezeigt, wie das (sehr ehrgeizige) Ziel die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen angegangen werden könnte.

In diesem zweiten Teil der Artikelserie geht es nun darum, ein Konzept für den Aufbau und den organisatorischen Rahmen für die handelnden Akteure aus agiler Sichtweise zu entwerfen.

Das Ziel ist – wie wir wissen- mehr als ambitioniert,aber gerade deswegen gehen wir es mutig und optimistisch an. Wir wollen über die Beschäftigung mit dem Thema möglichst früh möglichst viel lernen, damit wir und andere Aktive den Klimawandel in die besten menschenmöglichen Bahnen lenken und dadurch unsere Zukunft aktiv (mit-)gestalten können.

Was passiert aktuell und was in der nächsten Zeit?

Das Klimakabinett wird am Freitag, den 20.9.2019, dem Tag des Globalen Klimastreiks (#allefuersklima : Aufruf von #Fridays4Future zum Mitmachen beim globalen Klimastreik am 20.9.2019 auch in Deutschland ), das nächste Mal zusammenkommen.

Ich wünsche mir von dieser Klimakonferenz (vom Klimakabinett und unserer Bundesregierung und unserer Bundeskanzlerin) in Berlin klare Ansagen und Aussagen zur Dringlichkeit des Problems. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass es der Politik gelingt, die BürgerInnen und alle Anspruchsberechtigten mitzunehmen.

Ich wünsche mir ein Bestärken und ein Motivieren aller AkteurInnen unserer Zivilgesellschaft.

Das ist eine Mammutaufgabe, die viel Fingerspitzengefühl sowie klimapolitischen Weitblick und organisatorische Klarheit erfordert. Es gilt, den Spagat hinzubekommen gleichzeitig sehr schnell und doch gerade „so langsam“ zu starten, dass alle Mitmenschen mitgenommen werden.

Gleichzeitig ist – und auch das ist vermutlich jedem bewusst- das ganze „System Klima“ auf unserer Mutter Erde noch viel komplexer, weil letztendlich nicht nur wir in Deutschland, sondern wir alle in Europa und auf der ganzen Welt, in unterschiedlichsten Lebens- und Erlebenswelten (Ländern, Gesellschaften und Gesellschaftssystemen) zusammenleben und -arbeiten.

Der Fokus unseres Artikels richtet sich auf die Dinge, die wir in Deutschland selbst beeinflussen können. (Anmerkung des Autors: Sonst verlieren selbst wir – als optimistische Optimisten – den Mut nach einer Lösung zu suchen und diese schnell (!) anzugehen.)

Die konkrete Frage soll sein:

Wie können wir hier bei uns in Deutschland schnell und kraftvoll das Problem angehen und lösen?

Die Vision – das Weshalb:

Eine Vision beantwortet die Frage nach dem „Weshalb“ und muss von allen Beteiligten verstanden werden, also möglichst von allen 83 Millionen MitbürgerInnen in Deutschland. Das ist eine große Kommunikationsaufgabe.

Die Vermittlung muss in vielen Sprachen (Jugendsprache, Erwachsenensprache, Managersprache, Politikersprache, Aktivistensprache und in allen möglichen Sprachen und Dialekten erfolgen.

Weshalb also lösen wir die Klimakrise?

Damit die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, schöner und lebenswert(er) wird.

Viele Wege zur Erfüllung der Vision.

Wir -alle- müssen uns auf den Weg machen die Vision zu erfüllen. Bei einer so komplexen Aufgabe kann niemand sagen, wohin die Reise gehen wird. Aber eins ist -denke ich- offensichtlich. Wir müssen loslegen und Schritte tun. Iterativ werden wir Ziele entwickeln, wir werden Maßnahmen messen und immer wieder nachsteuern.

IMG_2137_der_iterative_Weg_zum_Ziel

Wir dürfen Fehler machen und wir brauchen diese Fehler, um uns zu verbessern. Wir brauchen dazu feste Zyklen, müssen uns vernetzen und Informationen teilen, damit wir gemeinsam in unserem Tun besser werden und unser Ziel (eine schönere Zukunft) immer wirkungsvoller erreichen.

Den Rahmen für die komplexe Organisation unseres Vorhabens schaffen

@ottokratz, hat sich an die Visialisierung des möglichen Zusammenspiels, der Beteiligten gewagt. Es sind bei Weitem nicht alle gesellschaftlichen Gruppen abgebildet, genauso wenig wie alle Abhängigkeiten zwischen den beteiligten Gruppen und AkteurInnen.

Was gelingen muss, ist das lösungsorientierte und achtsame Zusammenspiel von Regierung, Kabinett, Klimakabinett, Ministerien, Ländern, Kommunen und aller BürgerInnen, der gesamten Zivilgesellschaft, der Kindergärten und Schulen und anderer Unternehmungen, der Initiativen, der Lobbyvertretungen, der „aktiven Aktivisten“ und der „passiven Nichtaktivisten“ auf unterschiedlichsten Ebenen. Sei es auf Bund- auf Länder- oder Komuneneben, in den Städten oder im ländlichen Raum, bis „hinab“ zu jedem einzelnen Menschen, in ihren kleinen und größeren Familien, in ihren jeweiligen ganz unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten.

Wir „gestaltende Menschen“ müssen unsere Mitwelt verantwortungsvoll in unser Handeln mit einbeziehen:

Vom Wasser über den Wald, landwirtschaftliche Flächen und unsere Infrastruktur. Wir brauchen den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und Lebensgrundlagen, unsere Rohstoffe und nicht zuletzt müssen wir auf alle anderen Lebewesen, auf Pflanzen und Tiere achtgeben und auch ihr Wohl mitbetrachten.

IMG_2138_Vision_und_Ziel

Uns alle eint die gemeinsame Vision:

„Die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, wird schöner und lebenswert(er) werden.“

Aus der agilen Methodenkiste: Pair Working, Pair Writing

Wie schaffen es Agilisten, schneller Ergebnisse zu erzielen, dabei auch noch eine bessere Qualität zu erreichen und trotzdem entspannter als manch anderer in den Feierabend zu gehen? Ganz einfach: Sie arbeiten alles doppelt. Weiterlesen „Aus der agilen Methodenkiste: Pair Working, Pair Writing“

The Gardener Metaphor for Leadership

Alle Jahre wieder muss ich das Pflanzenbetröpfelungs- und Besprenkelungssystem unseres Gartens neu ausrichten, weil der jedes Jahr wieder etwas anders aussieht. Klar, es ist natürlich immer der gleiche Garten und es gibt viele Pflanzen, die ich schon kenne – Sie müssen wissen, ich bin nur der wassertechnische Assistent, meine Frau ist zentral in der Leitung der Organisation. Wer als Pflanze in unseren Garten darf, wer sich ausbreiten soll und wer zurückgeschnitten gehört, wer wo steht und wer viel und wer weniger Wasser bekommen sollte, das hat die Leitung ungefähr im Blick. Aber am Ende braucht es jedes Jahr das direkte Feedback der Pflanzen, nachdem ich mir für jede die richtige Bewässerungsmethode ausgedacht und Leitungen neu verlegt habe. Mein Werkzeug ist sehr vielfältig. Ich habe Ihnen mal ein Foto meines Werkzeugkastens beigefügt. Manche Pflanzen kann man breit zusammen mit anderen besprengen, manche brauchen Einzelbedröppelung, andere brauchen nichts, da reicht schon der Regen, der spärlich fällt, weil sie lange schon angewachsen und tief verwurzelt sind. … Ich denke, Sie ahnen, worauf ich hinaus will.

Ich habe gerade einen Blogbeitrag gelesen: The Gardener Metaphor for Leadership von Pia-Maria Thorén und musste an unsere Bewässerungsanlage denken.

garten

Frau Thorén vergleicht die Vielfalt eines Gartens mit einer Organisation. Sie schreibt:

Weiterlesen „The Gardener Metaphor for Leadership“

Rezension: Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung

Bild: Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, deutscher Philosoph und Ökonom, Autor des vorgestellten Buchs

In meinem letzten Artikel ging es schon darum, wie Führung gestaltet sein soll. Ich wies auf das Menifest für menschliche Führung von Marcus Raitner hin. Nun habe ich mich rückerinnert. Das erste Buch, dass ich mit ähnlichem Inhalten in die Hand nahm, war eines mit einem sehr provozierenden Titel … Menschenhaltung … erinnert an Tierhaltung, und da kommen inzwischen sehr negative Bilder ins Gesichtsfeld. Aber was, wenn unsere Tierhaltung nur ein Spiegel dessen ist, wie wir auch mit uns Menschen umgehen (lassen)?

Das Buch sprach mich auf vielen Ebenen gleichzeitig an und unterstrich Vieles, was ich inzwischen selbst kennenlernen durfte: Es macht einfach mehr Spaß, wenn man nicht Befehle ausführen muss, sondern Teil des Entscheidungsprozesses war. Wenn ich mich selber einbringen konnte und zudem die Freiräume habe, wie ich meine Arbeit organisiere, dann geht alles viel einfacher von der Hand. Und die Ideen, wie man es noch besser machen kann, kommen ganz von allein. Aber schauen wir uns an, was der Autor Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger zu sagen hat:

Weiterlesen „Rezension: Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung“

Agile Beschaffung agiler Projekte – auch in der öffentlichen Verwaltung?

Eine erfolgreiche Vereinbarung für agile Projekte – das agile.agreement

Heute ein Gastbeitrag aus der Schweiz von Thomas Molitor.
Ich habe ihn schon mehrmals zu diesem Thema gehört und gesprochen und bin sehr begeistert – und seine Erkenntnisse haben mir auch schon in meinen Projekten bei der Problemlösung geholfen:

Agilität ist in aller Munde. Unabhängig davon ob man Agilität als gut oder schlecht empfindet, Fakt ist – es werden immer mehr Projekte mit agilen Methoden umgesetzt. Damit ergeben sich für uns Alle neue Herausforderungen – wir müssen gemeinsam lernen, die Agilität richtig einzusetzen. Damit wir dies erfolgreich tun können, müssen wir verstehen, dass eine agile Form der Projektabwicklung auf verschiedenen Ebenen angegangen werden muss – u.a. auch in deren Beschaffung sowie auf der kooperativen und kommerziellen Seite, die sich in einem Vertrag widerspiegelt. In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, wie ich zur Einsicht gekommen bin, dass die Beschaffung von agilen Projekten und damit verbunden die Verträge nicht wie konventionelle Projekte gestaltet werden können. Selbstverständlich in einer gekürzten Form *schmunzeln*.

Als ich begann, unsere ersten Kundenprojekte agil umzusetzen – damals noch als Lieferant von Software – habe ich eines gelernt:

Weiterlesen „Agile Beschaffung agiler Projekte – auch in der öffentlichen Verwaltung?“

Das große Demokratie-Los

Ein Gastbeitrag der Initative Bürgerrat von Thorsten Sterk.

48195492081_4c4e65872d_z
Bürgerrat Mannheim, Mehr Demokratie e. V., Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

„Da wartet man sein ganzes Leben auf einen Bürgerrat und dann finden plötzlich zehn auf einmal statt!“ So freut sich Tim Hughes, Geschäftsführer der britischen Demokratie-Organisation „Involve“ über die aktuelle Entwicklung in Großbritannien. In diesem Jahr schießen dort Bürgerräte wie Pilze aus dem Boden.

Bei einem Bürgerrat diskutieren per Losverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger über ein vorher festgelegtes Thema. Hierbei werden sie durch unabhängige Expertinnen und Experten über alle wichtigen Aspekte des Themas informiert. Ausgelost werden die Teilnehmenden aus einer repräsentativen Stichprobe aus Einwohnermelderegistern von Kommunen unterschiedlicher Größe und geographischer Lage. Dabei wird darauf geachtet, dass die Teilnehmendenliste nach Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnortgröße und eventuellem Migrationshintergrund ein möglichst vollständiges Abbild der Bevölkerung darstellt. Die Menschen in den Zufallsproben werden angeschrieben und eingeladen, am Bürgerrat teilzunehmen. Aus dem Kreis der Interessierten wird dann die tatsächliche Bürgerversammlung ausgelost.

Weiterlesen „Das große Demokratie-Los“