Offener Brief an die Kultusministerin von Baden-Württemberg

Sehr geehrte Frau Kultusministerin,

Ich bin nun seit fast zwei Jahren aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden … und eine meiner letzten größeren Amtshandlungen als Abteilungsleiter für Schulentwicklung am Faust-Gymnasium in Staufen war die Koordination der ersten Fremdevaluation an unserer Schule.

Hiiiilfe … was für ein riesiger Zeitaufwand. Viele der Aktivsten meiner Kolleginnen und Kollegen waren monatelang für andere Aktivitäten blockiert. So viele Sitzungen, so viele Überlegungen, so viel Einsatz …

Und alles, um am Ende zu erfahren, was wir als aktive und recht innovative Schule natürlich schon vorher wussten: Unsere starken Seiten hatten wir nun schwarz auf weiß als exzellent begutachtet bekommen, und unsere Schwächen wurden als verbesserungswürdig gekennzeichnet. Auch die kannten wir allerdings schon vorher. Und wir haben mit großem Aufwand ein riesiges Portfolio im Intranet erstellt, in dem man nun vieles nachlesen könnte, wenn man etwas wissen will. Weiterlesen „Offener Brief an die Kultusministerin von Baden-Württemberg“

Ergebnisse des Treffens „Agiles Lehren“ am 6. Juli 2017: Die zweite Sicht

Nachdem Heinz Bayer von unserem Kennenlerntreffen aus seiner Sicht berichtet hat, nun ein Report von Veronika Lévesque:

Wir sind eine Gruppe Interessierter, die sich mit Agilem Lehren und Lernen beschäftigen möchte. Einige kennen sich mit ‚agil‘ aus, aber wenig mit Lehren und Lernen, andere umgekehrt sind Pädagogen und Lehrende und möchten mehr über agile Ideen wissen. Manche möchten hören und sehen, was es schon gibt, einzelne haben schon etwas gemacht und möchten berichten und Feedback haben. Wir kommen aus Schule, Hochschule und Bildungsverwaltung, aus betrieblicher Aus- und Weiterbildung und aus Neugier. Hier der Verlauf des Tages und unserer Gespräche in kommentierten Bildern. Weiterlesen „Ergebnisse des Treffens „Agiles Lehren“ am 6. Juli 2017: Die zweite Sicht“

Agiles Lernen und Lehren – Eindrücke vom Kennenlerntreffen am 6. Juli 2017

„Eigentlich schade“, denke ich nach dem Zusammentreffen von Menschen aus Schule, Hochschule, Verwaltung und Industrie in Stuttgart – Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren stand in der Einladung.

„Eigentlich schade, jetzt kann ich den Sack voller Eindrücke und neuer Ideen gar nicht direkt anwenden. Befinde ich mich doch seit zwei Jahren im Unruhestand.“ Aber ich denke auch: „Wie großartig, dass ich viele pädagogischen und damals für viele scheinbar verrückten Ansätze, die ich in meinen 35 Jahren als Gymnasiallehrer ausprobieren durfte, jetzt auch benennen kann.“

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu ¬begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan“, war schon vor 20 Jahren die Grundaussage unseres Teams für den außerunterrichtlichen Bereich. Was haben wir da alles zusammengescrumt.

Und ich höre am Donnerstag zufrieden dem Vortrag über eduScrum zu und denke: Wie wunderbar, es gibt noch viel mehr Menschen auf dieser Welt, die das Ausprobieren zur Maxime erheben. Die sagen, dass man Lernprozesse nicht langfristig planen kann und dass man die Lernenden selbst viel mehr ins Boot und damit in die Verantwortung ziehen muss.

Augenhöhe ist ein Begriff, der immer wieder fällt. Selbstbestimmtes Lernen, Scrum, Sprint, Review, Backlog. Ich selbst kenne diese Begriffe übrigens erst seit 6 Monaten. Ich staune über die Vielfalt der Beiträge von Hochschule, Schule, Verwaltung und betrieblicher Ausbildung und finde: Sehr, sehr großartig, dieses Ding mit dem Attribut agil. Der Möglichkeiten viele und immer die Aussage im Hinterkopf: Agil ist Haltung, Scrum ist Augenhöhe.

 

Ich bin nach 35 Schuljahren mit großer Zufriedenheit über diese 35 Jahre in den Unruhestand gegangen. Nach der Veranstaltung in Stuttgart habe ich gedacht: Gesund, entspannt und zufrieden, weil ich immer wieder irgendwie und irgendwas gescrumt habe. Scrumen durfte, weil ich immer Schulleiter hatte, die uns machen ließen. Ausprobieren, was geht und was weniger. Gesund und zufrieden, weil Schule ein großartiger Lebensort ist, speziell wenn man die üblichen Bahnen verlässt, sich auf Unbekanntes einlässt und die Schüler&innen als zukünftige Leistungsträger sieht.

Ich drücke nach diesem ersten Treffen mit fast 20 ebenso wie ich agil Angesteckten ganz doll die Daumen, dass sich dieses Denken in die deutschen Schulen und Hochschule schleichen kann – auch in die Verwaltungen und in die beruflichen Ausbildungszentren. Als eine Möglichkeit, effektiver und zufriedener für Lehrende und für Lernende dem starken Lernen eine Bahn zu brechen.

Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren in Stuttgart. Dieser Tag hat sich mehr als gelohnt. Von meiner Seite aus ein großes Dankeschön an alle Beteiligten.

(Zur Dokumentation hat Veronika Lévesque eine Fotostrecke zusammengestellt, die findet ihr hier.)

 

„Was ist Holacracy?“ – eine Annäherung

Foto: pixelio.de – Klaus Klingberg

Ich hatte vor einiger Zeit den Artikel Soziokratie in Gemeinschaft – Beispiel Lost Valley veröffentlicht und möchte nun eine weitere Organisationsform vorstellen, die in großen Teilen darauf basiert. Inzwischen gab es einen kleinen Hype darum, siehe. Teile dieses Managementsystems sind auch für öffentliche Einrichtungen interessant. Dieses Mal schreibe ich nicht selbst, sondern sage Danke an Dennis Wittrock, der mir erlaubt hat, seinen Einführungsartikel hier auch zu veröffentlichen:

„Was ist Holacracy?“ – eine Annäherung

Holacracy ist eine neuartige soziale Technologie für Organisationen. Sie stellt einen enormen evolutionären Sprung dar, jenseits von bekannten und selbst progressiven Ansätzen von Organisation. Sie ist ein Update für das grundlegende Organisations-Betriebssystem im 21. Jahrhundert – eine konkrete Praxis, die alle Anwendungsmöglichkeiten und organisationellen “Apps” von Organisationen berührt. Die Holacracy-Praxis ist keine bloße Theorie, sondern selber das Ergebnis eines gezielten evolutionären Selektionsprozesses, gespeist aus vielerlei Quellen und Inspirationen, bewährten und bekannten Best-Practices für Business und Organisation, pionierhaft im Versuch-und-Irrtum Verfahren destilliert und entwickelt von HolacracyOne. Holacracy ist ein Exemplar eines vollkommen neuen organisationellen Paradigmas, basierend auf den Prinzipien

  • der zweckgetriebenen, evolutionären Organisation,
  • der dynamischen Steuerung,
  • der systematischen Prozessierung von Spannungen,
  • des iterativen organisationellen Lernens,
  • der integrativen Entscheidungsfindung,
  • des Non-Dominance-Leaderships,
  • der Distribution von Autorität und Leadership durch den Governance-Prozess
  • der fraktalen Selbstorganisation der organisationellen Hierarchie (Holarchie)

Zweckgetriebene, evolutionäre Organisation

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Agiles Lernen und Lehren – FAV initiiert Treffen

Synergie-03-Seidl-VonhofAm heutigen Donnerstag, 6. Juli findet an der Hochschule der Medien in Stuttgart ein erstes Treffen statt, in dem wir uns mit dem Thema „Agile Lern- und Lehrmethoden“ beschäftigen. Das Treffen hat das Ziel, Menschen an einem Tisch zusammenzubringen, die sich in ganz unterschiedlichen Bereichen – von der Schule, über die Hochschule bis zur beruflichen Weiterbildung – mit diesem Thema beschäftigen. Sich kennenzulernen, Möglichkeiten der Vernetzung und der Zusammenarbeit auszuloten und v.a. voneinander zu lernen, steht auf der Agenda…. die es natürlich vorgefertigt gar nicht gibt! Wolf Steinbrecher hat in seinem Blogbeitrag vom 10. April dazu eingeladen.

An der Hochschule der Medien haben wir (wir, das sind Tobias Seidl und Cornelia Vonhof, beide Lehrende in der Fakultät Information und Kommunikation der HdM) uns nicht nur Gedanken gemacht über den Einsatz von agilen Methoden beim Lernen und Lehren. Wir haben uns vielmehr mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit die Entwicklung von Studiengängen (seien es neue Studiengänge oder die Weiterentwicklung bestehender Studiengänge) von den agilen Prinzipien angeregt und inspiriert werden kann.

Studiengangsentwicklung ist ein komplexer und zugleich ein von vielen Regularien geprägter Prozess. Die laufenden und massiven Veränderungen im Umfeld von Hochschulen (Berufswelt, Gesellschaft, Kompetenzen und Prägung der Studienanfängerinnen und –anfänger, um nur einige zu nennen) zwingen Hochschulen zu immer schnelleren Anpassungen ihrer Studienprogramme – wissend, dass das heute entwickelte Curriculum und das heute entwickelten Kompetenzprofil morgen schon die nächste Weiterentwicklung braucht.

Wir haben uns daher die Frage gestellt, ob die agilen Prinzipien und zwar in der Form und dem Wording des Forums Agile Verwaltung  nicht hilfreich wären, um die einzelnen Phasen eines Studiengangsentwicklungsprozesses zu gestalten. Eines dieser Prinzipien lautet zum Beispiel „beziehe die Anspruchsberechtigten ein“. Für Studiengangsentwicklungsprozesse ist das ein ganz entscheidender Impuls, v.a. dann, wenn man ihn über den Einbezug von Gremienvertretern hinaus denkt und ein bisschen Energie in die Frage steckt, welche Zeitpunkte, welche Formate und welche Kommunikationskanäle sinnvoll und wirksam sein könnten.

Unsere Überlegungen haben wir in einem Beitrag für Synergie: Fachmagazin für Digitalisierung in der Lehre (03/2017) beschrieben.

Ein ausführlicher Blick ins aktuelle Heft 03/2017 von Synergie lohnt sich auf alle Fälle, denn neben weiteren Beiträgen zum Thema Agilität in Hochschulen, ist auch – sehr passend zu unserem heutigen Treffen – ein Interview mit Willy Wijnands, dem Gründer von eduScrum enthalten.

Wir berichten über die Ergebnisse des heutigen Treffens natürlich hier im Blog.

Kooperativ gute Lösungen entwickeln

Gastbeitrag des Büros für Zukunftsfragen der Vorarlberger Landesregierung (Österreich)

Das Büro für Zukunftsfragen, Teil der Regierungsstabstelle der Vorarlberger Landesregierung, beschäftigt sich schon lange mit der Frage, wie gute und kooperative Zusammenarbeit gelingen kann. Bei „The Art of Hosting and Harvesting Conversations that Matter“ stehen Co-Intelligenz, Selbstorganisation, Beteiligung und Kooperation im Vordergrund. Es geht darum, Räume für gute Gespräche zu schaffen. Der Grundgedanken dahinter ist der, dass bessere Lösungen entstehen, wenn Menschen miteinander gemeinsam arbeiten, Wissen und Erfahrungen teilen und gerade aus der Vielfalt verschiedener Meinungen und Ansichten gehaltvoll profitieren. Es gibt eine ganze Menge an Methoden und Abläufen, die dabei zur Verwendung kommen. Weiterlesen „Kooperativ gute Lösungen entwickeln“

Reblogged: Alles eduScrum, oder was?! – eduScrum Deutschland ist 2017 auf Roadshow

Der folgende Beitrag erschien zuerst auf www.teamworkblog.de.

Seit Anfang 2017 steigt das Interesse an agilen Lernmethoden in Deutschland spürbar an. eduScrum ist dabei eine von vielen Möglichkeiten, den Unterricht agiler zu gestalten. Um den Nebel ein wenig zu lichten, ist eduScrum Deutschland 2017 auf Roadshow. Das heißt, wir besuchen vermehrt Schulen, Konferenzen oder Scrum-Tische, stehen Rede und Antwort für interessierte Neu-eduScrummer und üben aktiv eduScrum.

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