Agile Führung: Die Schwarmintelligenz des Teams hervorlocken

Es ist das Kick-off-Meeting für ein großes und komplexes Projekt in einer Großstadtverwaltung. Der Erste Bürgermeister, Vertreter der Steuerungsgruppe, redet seit einigen Minuten Unsinn. Er lässt sich aus über Dinge, in denen er keinesfalls Experte ist, und gibt Lösungswege vor, die in die Irre führen werden. Die wirklichen Fachexperten, die mit am Tisch sitzen, werfen sich verstohlene Blicke zu. Aber keiner traut sich, dem Bürgermeister zu widersprechen, der zum Teil ihr Linienvorgesetzter ist.

Der Bürgermeister spürt die kritische Aura im Raum. Er interpretiert sie als mangelnde Motivation der Projektgruppe. Also wird er noch nachdrücklicher, versucht noch mehr Druck,  schlägt noch mehr Pflöcke als Projektvorgaben ein. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit den Projekterfolg gefährden. Am Schluss gehen alle aus der Sitzung und haben ein mulmiges Gefühl: dieses Projekt wird nicht rund laufen.

Soweit, so häufig. Aber was wären agile Ratschläge an Bürgermeister und Projektteam? Wie kann eine Führungskraft führen auf Feldern, wo sie selbst das Terrain nicht kennt? Wie kann ein Team die Rolle der Führungskraft anerkennen, wenn es weiß, dass diese sachlich nicht unbedingt „besser“ ist?

Um eine mögliche Antwort zu illustrieren, möchte ich ein historisches Beispiel erzählen. Und zwar handelt es von der Präsidentschaft John F. Kennedys und ihren beiden Hauptereignissen: der Schweinebucht-Invasion und der Kuba-Krise. /1/ Weiterlesen „Agile Führung: Die Schwarmintelligenz des Teams hervorlocken“

Von Bürgerorientierung und Kundenorientierung

In seinem Blogbeitrag vom 15.3.18 beleuchtet Thomas Michl das Verhältnis von Politik und Verwaltung und stellt die Frage, wie sich dieses Verhältnis verändert – und verändern muss – wenn sich eine Verwaltung auf den Weg macht, agil zu arbeiten. Er benennt den Dialog zwischen Verwaltung und Politik als zentralen Faktor und zeigt auf, dass dieser Dialog neue Formate braucht. Es genügt nicht mehr, wenn die Politik einen möglichst fein ziselierten Auftrag erteilt und dann – irgendwann einmal – einen Abschlussbericht zur Kenntnis nimmt. Dialog braucht andere Rhythmen. Sprints und Reviews könnten Formate sein, die eine neue Form des Dialogs ermöglichen. Tom erwähnt, fast nebenbei, dass in dieses neue Verständnis von Dialog auch die Bürgerinnen und Bürger als Anspruchsberechtigte miteinbezogen werden können und sollten. Hier möchte ich nun einhaken und einen Blick auf diese Anspruchsgruppe werfen. Weiterlesen „Von Bürgerorientierung und Kundenorientierung“

Wann fängt (Culture) Hacking an? #Teil2

#Teil2 der Artikelserie über Culture Hacking ist jetzt Online.

Im ersten Teil der Artikelserie wurde von Martin Bartonitz der Frage „Was hat Culture Hacking mit Manipulation zu tun?“ nachgegangen. In diesem zweiten Teil versucht Ludger Wagner eine Einordnung von (Culture) Hacking. Was ist Hacking, was sind Beispiele für Hacks? Wann begeben wir uns auf die Hacking-Seite?

„Playfully exploring the boundaries of a system“, Hacking-Definition nach Olaf Lewitz.

Mir ist diese Definition von Olaf schon länger bekannt. Es fiel mir allerdings bisher immer schwer, Sie in meine eigene Gegenwart und Arbeit zu übertragen.

Als Familienvater merke ich zum Beispiel, wie meine kleine, gerade zweijährige Tochter uns jeden Tag zu hacken versucht. Sie testet spielerisch und meist freundlich und wohlwollend die Grenzen unseres Familiensystems aus. Dabei versucht sie, diese sehr lustvoll, mit zunehmendem Humor und dabei gleichzeitig immer wirkungsvoller mitzugestalten und zu verändern.

Seit einiger Zeit besteht sie darauf, am Tisch nicht mehr in ihrem Hochstuhl an ihrem festen Platz zu sitzen. Sie setzt sich auf den Stuhl, auf den sie gerade Lust hat. Wir haben zurückgehackt. Haben die Babysicherung abmontiert, ihre Sitzfläche angepasst, ihren Hochstuhl an andere Plätze gestellt, ihren (Lieblings-)Teller an ihren von uns gewünschten Sitzplatz gestellt. Letztendlich hat ihr Hack funktioniert. Wir haben die feste Sitzordung – für sie – aufgegeben bzw. verändert und suchen uns jetzt alle unsere Plätze (agil) selbst aus. Was ist jetzt daran ein (gelungener) Hack?

Beim Meetup haben wir darüber diskutiert, woran man Hacking erkennt. Wir haben uns gegenseitig Beispiele für durchgeführte Hacks geschildert, wobei sich mehr und mehr Gemeinsamkeiten der einzelnen Hacks gezeigt haben.

Julian Kea hat mitgeschrieben und eine „Hacks Check“-Liste zusammengetragen. Die folgenden 14 Punkte helfen dabei, mögliche Hacks zu erkennen oder auch selbst zum erfolgreichen Culture Hacker zu werden:

  • Einsatz von Empathie
  • Entwicklung eines Rapport
  • Verwendung experimenteller Prototypen
  • Feedback ausschlaggebend für weiteres Vorgehen
  • Durchführung von Testserien
  • Langsame Steigerung der Hack-Dosis
  • Antizipation der Komplexität
  • Beginn einer Konversation
  • Lernbereitschaft
  • Konsequenz
  • Kenntnis des Systems
  • Lenken der Aufmerksamkeit
  • Exploration des Systems
  • Verursachung von Irritation

Einige Beispiele für gute, erfolgreiche und inspirierende Hacks:

– Eine Konferenz zur agilen Verwaltung“ veranstalten, die Konferenz größer werden lassen, regionale Konferenzen und CoPs ermöglichen, Meetups (zum Beispiel Agile Verwaltung Berlin) und Stammtische organisieren … So wird die Verwaltung  immer agiler …

– Wichtige Infos auf dem stillen Örtchen aushängen: In den 2000ern hatten die Mitarbeiter des Benutzerforschungsteams eines technischen Unternehmens herausgefunden, dass an den Produkten der Firma diverse technische Neuerungen vorgenommen werden müssten. Sie versuchten die Ingenieure vergeblich auf den unterschiedlichsten Wegen über ihre Erkenntnisse zu informieren, die von diesen aber konsequent ignoriert wurden. In ihrer Verzweiflung hingen sie ihre Ergebnisse in Form eines Plakats in den Toilettenkabinen aus. Hier konnten sich die Ingenieurer der Wahrnehmung der Ergebnisse nicht mehr entziehen. Der Hack war geglückt …

Hier finden Sie auch das Hackbook (derzeit noch im Beta-Stadium) mit derzeit 11 eingetragenen Beispielen für Hacks.

… ab hier ist Raum für die Darstellung weiterer guter Hacks (aus der Verwaltung), bitte benutzen Sie zum Einreichen die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrags …

 

Reif für die Insel: Resilient und agil …?!

Neulich wurde ich eingeladen, an einer Tagung zum Thema ‚Resilienz‘ agile Handlungsformen vorzustellen. Zuerst war ich überrascht. Passt so was wie „Agiles Arbeiten in nicht-agilen Umwelten“ zum Thema Resilienz?

„Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Weiterlesen „Reif für die Insel: Resilient und agil …?!“

New Work: Was Sie sofort tun können

Da kommt er angelaufen, der mediale Scheinriese: Agilität, Arbeiten 4.0, New Work, Selbstorganisation, Unternehmensdemokratie und Zukunft der Arbeit ist auf seine mächtige Stirn tätowiert. Eine serifenlose Schrift, schnörkellos. Die Letter werden allerdings zum Ende hin, also gewissermaßen in die Zukunft hinein, immer kleiner, so dass man (und frau, es geht ja um die schöne emanzipierte New Work!) bei der Arbeit zweimal oder öfter hinschauen muss, bis man sie erkannt hat.

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Digitalisierung: Wie können wir cross-funktionale Teams zum Fliegen bringen?

Vordergründig geht es in diesem Artikel um ein trockenes Thema: nämlich die Einführung der sog. „E-Akte“ oder elektronischen Akte. Im Hintergrund aber spielt sich – den Beteiligten oft gar nicht bewusst – ein Tauziehen ab, ob mit der ersten Stufe der E-Akte alte Verhältnisse zementiert werden oder ob zumindest die Möglichkeit für neue Arbeitsmethoden offen gehalten wird.

Um die Kommunalverwaltungen, die sich jetzt schon das Thema „Einführung von Dokumenenmanagement“ auf die Agenda geschrieben haben, zu unterstützen, haben wir ein Whitepaper geschrieben mit dem Titel „Prozessorientierte E-Akte“, das wir unseren Lesern zum Download bereitstellen. Aber das Thema ist nicht wirklich „E-Akte“, sondern „Arbeitsmethoden der Zukunft jenseits der Silostrukturen“. Weiterlesen „Digitalisierung: Wie können wir cross-funktionale Teams zum Fliegen bringen?“

Glaube, Liebe, Hoffnung – Überlegungen zur agilen Verwaltung

Amerikanische Ökonomen haben sich der Rolle der christlichen Tugenden in der Wirtschaft angenommen. Dabei haben sie diese Werte ins Säkulare übersetzt: „Glaube“ als Überzeugung, dass es einen Lebenssinn über die individuelle Existenz hinaus gibt; „Liebe“ in der abgeschwächten Form „Vertrauen“; und schließlich Hoffnung als optimistische Grundüberzeugung, dass sich unser Leben zum Besseren wenden kann. Diese Werte haben viel mit den Bedingungen zu tun, unter denen agile Methoden zur Entwicklung spezifisch der öffentlichen Verwaltung beitragen können. Mehr jedenfalls, als manche Agilisten wahrhaben wollen. Weiterlesen „Glaube, Liebe, Hoffnung – Überlegungen zur agilen Verwaltung“