Creative Bureaucracy Festival 2019 – viele neue Fäden zum Weiterknüpfen

Das Programm

Das Creative Bureaucracy Festival 2019 in Berlin hat in seiner zweiten Auflage wieder viele Akteur/innen aus den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen öffentlicher Institutionen mit Interessierten aus dem Beraterfeld und weiteren Impulsgebern zusammengebracht. Überall war das gemeinsame Anliegen spürbar, miteinander neue Wege für eine zukunftsfähige Verwaltung zu finden. Das Festival bot allen einen anregenden Raum und Rahmen für den fachlichen und persönlichen Austausch.

Das Programmformat (12 Räume mit jeweils 5 bzw. 8 Zeitschienen) bot Platz für vielfältige fachbezogene Diskussionen, Erfahrungsaustausch, gemeinsames Brainstorming genau so wie praktisches Arbeiten.

Mindestens genau so wichtig waren die Zwischenräume für spontane Gespräche. Hier konnten bestehende Netzwerke verstärkt und neue initiiert werden. Die Begriffe Innovation, Digitalisierung und Netzwerk waren allgegenwärtig.

Mein Pfad durch den Tag

Jeder legte sich seinen eigenen Pfad durch die Tage. Mein Pfad stellte sich am Ende so dar:

Mit einem Zwischenstopp in meiner eigenen Session

Und einem Abschluss im

Workshop: PROTOTYPE YOUR FUTURE WORK TOOL

Von zwei Sessions möchte ich noch ein mehr Eindrücke schildern, um zu zeigen, was das Festival (auch) ermöglicht hat.

Workshop: PROTOTYPE YOUR FUTURE WORK TOOL: Kreativmethoden zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Arbeitsplatzes

Kuratiert von Senatsverwaltung für Finanzen

Vivien Iffländer, Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation

Anne Steinicke, Senatsverwaltung für Finanzen Berlin

Ausgangspunkt des Workshops war ein Projekt der Senatsverwaltung für Finanzen, Berlin (SenFin). Die dortige Verwaltung steht vor der Herausforderung, mehr Personal auf weniger Fläche unterzubringen. Nach verschiedenen Ansätzen (u.a. alternierende Telearbeit, Desk-Sharing) hat man den Blick geöffnet und in einer Organisationseinheit einen Musterbereich für flexibles, digitales und ergonomisches Arbeiten entwickelt. Später kam die Idee auf, dies zu einem hauseigenen Konzept weiterzuentwickeln, wissenschaftlich begleitet und unterstützt durch das Fraunhofer Institut Center for Responsable Research and Innovation. Das gemeinsame Projekt hat vier Ziele:

  1. auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse eine neue Arbeitskultur entwickeln
  2.  bedarfsgerechte Räume und Flächen in den Musterbereichen schaffen
  3.  flexibles, effizientes, effektives Arbeiten mit den vorhandenen Flächen ermöglichen und
  4. eine Konzeption für die gesamte SenFin auf Grundlage der Erkenntnisse aus den Pilotbereichen mit Handlungsempfehlungen erarbeiten, die für jede Abteilung/ jedes Referat Anwendung finden.

Ausgehend von dem vorhandenen Raum-/ Flächenmanagement wurde der Bedarf u.a. mittels qualitativer Interviews und Sensorikmessungen (Bewegungsgrad differenziert nach verschiedenen Raumtypen) analysiert. Ich dachte gleich an die Office Analytics-Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zu den Erfolgsfaktoren für die Gestaltung einer typbasierten Arbeitswelt, die ich auf der Fahrt nach Berlin gelesen hatte.  

Nach der Einführung sollten die Workshop-Teilnehmer/innen sich den Arbeitsplatz 2025 vorstellen. Gesucht wurde ein Future Work Tool („Was dürfte auf dem Schreibtisch nicht fehlen?“). Hierzu sollten in Kleingruppen (ca. 3-4 Pers.) zunächst drei Herausforderungen aus dem aktuellen Arbeitsalltag ermittelt werden. Im zweiten Schritt sollten wir uns in das Jahr 2025 versetzen und überlegen, wie die Arbeit der Zukunft aussehen würde, um dann den Prototypen des Tools zu bauen, das mindestens eine der Herausforderungen lösen würde.

Die Teilnehmer/innen in meiner Gruppe sahen die größten Herausforderungen im Informationsmanagement (Woher, wann und vom wem erhalte ich wesentliche Informationen? Wie kann ich in der wachsenden Menge an verfügbaren Informationen die für meine Bedürfnisse relevanten Informationen finden, um damit zu arbeiten?).

Da die Informationen heute ohnehin meist digital zur Verfügung stehen, lag nahe, dass unser Future Work Tool bei der Informationsbeschaffung und -analyse unterstützen sollte. So entstand die MoBo (= Mobile Box). Dies soll ein mobiles Gerät sein, das auf alle innerhalb und außerhalb der Organisation verfügbaren Informationen zugreifen kann, diese aber – auf Basis bekannter Aufgabenprofile und Arbeitsanforderungen – personalisiert filtert und zeit- und ortsunabhängig bereitstellt. Die/ der Einzelne erhält die für ihre/ seine Tätigkeit wesentlichen Informationen unmittelbar, ohne Rechercheaufwand, Zeitverzug oder notwendige Mittelsperson (z.B. Vorgesetzte/n). Vermieden werden soll aber, dass sich in Folge der voreingestellten persönlichen Profile ungewollte Verstärkungseffekte zueinander passender Informationen ergeben. Der Zugang zu vermeintlich nicht in das Profil passenden Informationen muss genauso sichergestellt sein wie das – manchmal noch wertvollere – zufällige Auffinden ganz anderer, abseitiger Informationen – zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung. Zudem darf der vereinfachte Zugang zu aufgabenrelevanten Informationen den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen nicht (vermeintlich) entbehrlich machen. Auch in Zukunft muss es deshalb überall Orte geben, an denen sich Kolleginnen und Kollegen planmäßig oder zufällig begegnen können. Wir haben die aus Utensilien einer Bastelkiste konstruierte MoBo deshalb symbolisch um eine Bank mit zwei Personen ergänzt.

Jede Gruppe hat ihren Prototypen mit einem Steckbrief versehen und den anderen vorgestellt. Bei gleicher Aufgabenstellung waren die Ideen sehr vielfältig. Innerhalb kurzer Zeit sind beeindruckende Prototypen entstanden, die die wesentlichen Inhalte der Idee – mit begleitenden Erklärungen – veranschaulichen. Allen Ideen gemeinsam war die Überzeugung, dass die persönliche Begegnung mit anderen für gelingende Zusammenarbeit, Beziehungsgefüge und Organisationskultur unverzichtbar bleiben und deshalb auch in Zukunft einen guten Raum brauchen wird.

Workshop: Verwaltungsrebellen gesucht! Wie aus einer Idee eine Bewegung werden könnte

Kuratiert von Verwaltungsrebellen

Dorothea Herrmann, Verwaltungsrebellen

Sabine Schwittek, Verwaltungsrebellen

Sabine Schwittek und Dorothea Herrmann haben zunächst die Ausgangsidee der „Verwaltungsrebellen“ erläutert „Verwaltung zu empowern“, in dem sie die in Verwaltungen Handelnden wertschätzen und stärken. Die Initiative begann damit, dass die beiden Beraterinnen immer häufiger Menschen in Verwaltungen begegneten, die so gar nicht den Vorstellungen/ Vorurteilen entsprechen, die oftmals über Verwaltung geäußert werden. Menschen, die ihre Verwaltung durch ihre Fragen besser machen wollen und dafür auch ungewohnte Pfade gehen. Vor ein paar Monaten entschieden sich Sabine Schwittek und Dorothea Herrmann deshalb, den „Querdenkenden einen Raum zu geben“. Seit dem suchen sie das Gespräch mit diesen Menschen und veröffentlichen die Interviews auf der Blogseite https://verwaltungsrebellen.de/. So möchten sie den „Rebellen“ ihre Wertschätzung zeigen, andere auf die Erfahrungen aufmerksam machen und in ihrem eigenen Suchprozess oder Tun bestärken. Es geht darum,

  • Vorurteile abzubauen und so das Selbstbewusstsein und die Fremdwahrnehmung von Verwaltung zu verbessern
  • die Zufriedenheit der Beschäftigten in Verwaltungen zu erhöhen und die Attraktivität von Verwaltungen als Arbeitgeber zu verbessern und
  • Innovationspionier/innen in Verwaltungen wertzuschätzen, zu motivieren, zu unterstützen und ihnen eine Plattform zu geben, damit sie andere inspirieren können.

Nach wenigen Monaten sind Sabine Schwittek und Dorothea Hoffmann von der positiven Resonanz und Nachfrage überwältigt, die sie in der kurzen Zeit erlebt haben. Als ihnen die Veröffentlichung der Interviews nicht mehr ausreichend schien, haben sie begonnen, auch einen Methodenfundus mit Erfahrungen zur Verfügung zu stellen – bewusst (nur) als Impulse verstanden. Zudem besuchen sie passende Veranstaltungen, um die Idee zu verbreiten und weitere „Verwaltungsrebellen“ aus der Deckung zu locken. Weil diese immer wieder rückmelden, dass sie sich gern mit anderen vernetzen würden, überlegen die Initiatorinnen, im nächsten Jahr ein entsprechendes BarCamp zu organisieren. Wobei die beiden derzeit noch die Frage beschäftigt, wie und mit wem sie eine solche Ausweitung der Initiative (die ursprünglich „nur“ ein Blog sein sollte) stemmen können…

Im zweiten Teil wurden die Teilnehmer/innen eingeladen, gemeinsam über neue Ansätze nachzudenken, wie die Initiative in ihrer Zielsetzung weiterentwickelt werden kann, um Verwaltungsinnovator/innen noch mehr zu ermuntern und in ihren Anliegen zu unterstützen. Innerhalb kurzer Zeit wurden auf einer Wand weitere „Rebellen-Zellen“ identifiziert (inzwischen auf Twitter nochmals ergänzt).

 

Auf einer zweiten Wand notierten die Teilnehmer/innen, was „Verwaltungsrebellen“ brauchen. Schließlich wurden die Ideen der Gruppe genutzt zusammenzutragen, wodurch die Initiative als solche konkret gefördert und ihrerseits gestärkt werden kann. Die Notizen auf den Wänden boten den Teilnehmer/innen Anlass, sich auch untereinander angeregt auszutauschen. Alle können neue Energie mit auf ihren Heimweg mitnehmen.

Impulse und Denkanstöße

Auch über diese beiden Workshops hinaus habe ich in allen Sessions und Gesprächen auf dem Festival gute Impulse und Denkanstöße gefunden. Zentrale Botschaften waren für mich:

Ich nehme vom Creative Bureaucracy Festival 2019 das Wissen mit, dass die Verwaltung von morgen anders aussehen wird, und die Zuversicht, dass es in Hochschulen und anderen Bereichen viele engagierte Menschen gibt, die dies mitgestalten wollen.

Unsere Klimakrise mit Agilen Methoden lösen – Wie geht das? Teil 2

Im ersten Teil der Artikelserie „Klimawandel und Agilität“ haben Ludger Wagner und Thomas Michl einen Rahmen aufgezeigt, wie das (sehr ehrgeizige) Ziel die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen angegangen werden könnte.

In diesem zweiten Teil der Artikelserie geht es nun darum, ein Konzept für den Aufbau und den organisatorischen Rahmen für die handelnden Akteure aus agiler Sichtweise zu entwerfen.

Das Ziel ist – wie wir wissen- mehr als ambitioniert,aber gerade deswegen gehen wir es mutig und optimistisch an. Wir wollen über die Beschäftigung mit dem Thema möglichst früh möglichst viel lernen, damit wir und andere Aktive den Klimawandel in die besten menschenmöglichen Bahnen lenken und dadurch unsere Zukunft aktiv (mit-)gestalten können.

Was passiert aktuell und was in der nächsten Zeit?

Das Klimakabinett wird am Freitag, den 20.9.2019, dem Tag des Globalen Klimastreiks (#allefuersklima : Aufruf von #Fridays4Future zum Mitmachen beim globalen Klimastreik am 20.9.2019 auch in Deutschland ), das nächste Mal zusammenkommen.

Ich wünsche mir von dieser Klimakonferenz (vom Klimakabinett und unserer Bundesregierung und unserer Bundeskanzlerin) in Berlin klare Ansagen und Aussagen zur Dringlichkeit des Problems. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass es der Politik gelingt, die BürgerInnen und alle Anspruchsberechtigten mitzunehmen.

Ich wünsche mir ein Bestärken und ein Motivieren aller AkteurInnen unserer Zivilgesellschaft.

Das ist eine Mammutaufgabe, die viel Fingerspitzengefühl sowie klimapolitischen Weitblick und organisatorische Klarheit erfordert. Es gilt, den Spagat hinzubekommen gleichzeitig sehr schnell und doch gerade „so langsam“ zu starten, dass alle Mitmenschen mitgenommen werden.

Gleichzeitig ist – und auch das ist vermutlich jedem bewusst- das ganze „System Klima“ auf unserer Mutter Erde noch viel komplexer, weil letztendlich nicht nur wir in Deutschland, sondern wir alle in Europa und auf der ganzen Welt, in unterschiedlichsten Lebens- und Erlebenswelten (Ländern, Gesellschaften und Gesellschaftssystemen) zusammenleben und -arbeiten.

Der Fokus unseres Artikels richtet sich auf die Dinge, die wir in Deutschland selbst beeinflussen können. (Anmerkung des Autors: Sonst verlieren selbst wir – als optimistische Optimisten – den Mut nach einer Lösung zu suchen und diese schnell (!) anzugehen.)

Die konkrete Frage soll sein:

Wie können wir hier bei uns in Deutschland schnell und kraftvoll das Problem angehen und lösen?

Die Vision – das Weshalb:

Eine Vision beantwortet die Frage nach dem „Weshalb“ und muss von allen Beteiligten verstanden werden, also möglichst von allen 83 Millionen MitbürgerInnen in Deutschland. Das ist eine große Kommunikationsaufgabe.

Die Vermittlung muss in vielen Sprachen (Jugendsprache, Erwachsenensprache, Managersprache, Politikersprache, Aktivistensprache und in allen möglichen Sprachen und Dialekten erfolgen.

Weshalb also lösen wir die Klimakrise?

Damit die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, schöner und lebenswert(er) wird.

Viele Wege zur Erfüllung der Vision.

Wir -alle- müssen uns auf den Weg machen die Vision zu erfüllen. Bei einer so komplexen Aufgabe kann niemand sagen, wohin die Reise gehen wird. Aber eins ist -denke ich- offensichtlich. Wir müssen loslegen und Schritte tun. Iterativ werden wir Ziele entwickeln, wir werden Maßnahmen messen und immer wieder nachsteuern.

IMG_2137_der_iterative_Weg_zum_Ziel

Wir dürfen Fehler machen und wir brauchen diese Fehler, um uns zu verbessern. Wir brauchen dazu feste Zyklen, müssen uns vernetzen und Informationen teilen, damit wir gemeinsam in unserem Tun besser werden und unser Ziel (eine schönere Zukunft) immer wirkungsvoller erreichen.

Den Rahmen für die komplexe Organisation unseres Vorhabens schaffen

@ottokratz, hat sich an die Visialisierung des möglichen Zusammenspiels, der Beteiligten gewagt. Es sind bei Weitem nicht alle gesellschaftlichen Gruppen abgebildet, genauso wenig wie alle Abhängigkeiten zwischen den beteiligten Gruppen und AkteurInnen.

Was gelingen muss, ist das lösungsorientierte und achtsame Zusammenspiel von Regierung, Kabinett, Klimakabinett, Ministerien, Ländern, Kommunen und aller BürgerInnen, der gesamten Zivilgesellschaft, der Kindergärten und Schulen und anderer Unternehmungen, der Initiativen, der Lobbyvertretungen, der „aktiven Aktivisten“ und der „passiven Nichtaktivisten“ auf unterschiedlichsten Ebenen. Sei es auf Bund- auf Länder- oder Komuneneben, in den Städten oder im ländlichen Raum, bis „hinab“ zu jedem einzelnen Menschen, in ihren kleinen und größeren Familien, in ihren jeweiligen ganz unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten.

Wir „gestaltende Menschen“ müssen unsere Mitwelt verantwortungsvoll in unser Handeln mit einbeziehen:

Vom Wasser über den Wald, landwirtschaftliche Flächen und unsere Infrastruktur. Wir brauchen den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und Lebensgrundlagen, unsere Rohstoffe und nicht zuletzt müssen wir auf alle anderen Lebewesen, auf Pflanzen und Tiere achtgeben und auch ihr Wohl mitbetrachten.

IMG_2138_Vision_und_Ziel

Uns alle eint die gemeinsame Vision:

„Die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, wird schöner und lebenswert(er) werden.“

Das große Demokratie-Los

Ein Gastbeitrag der Initative Bürgerrat von Thorsten Sterk.

48195492081_4c4e65872d_z
Bürgerrat Mannheim, Mehr Demokratie e. V., Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)

„Da wartet man sein ganzes Leben auf einen Bürgerrat und dann finden plötzlich zehn auf einmal statt!“ So freut sich Tim Hughes, Geschäftsführer der britischen Demokratie-Organisation „Involve“ über die aktuelle Entwicklung in Großbritannien. In diesem Jahr schießen dort Bürgerräte wie Pilze aus dem Boden.

Bei einem Bürgerrat diskutieren per Losverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger über ein vorher festgelegtes Thema. Hierbei werden sie durch unabhängige Expertinnen und Experten über alle wichtigen Aspekte des Themas informiert. Ausgelost werden die Teilnehmenden aus einer repräsentativen Stichprobe aus Einwohnermelderegistern von Kommunen unterschiedlicher Größe und geographischer Lage. Dabei wird darauf geachtet, dass die Teilnehmendenliste nach Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnortgröße und eventuellem Migrationshintergrund ein möglichst vollständiges Abbild der Bevölkerung darstellt. Die Menschen in den Zufallsproben werden angeschrieben und eingeladen, am Bürgerrat teilzunehmen. Aus dem Kreis der Interessierten wird dann die tatsächliche Bürgerversammlung ausgelost.

Weiterlesen „Das große Demokratie-Los“

Klimawandel und Agilität – Wie wir jetzt (gerade noch) gemeinsam die Welt retten können – Teil 1

Diese Bilder sind von der „fridays for future“- Demonstation, am 14. Juli 2019 in Berlin.

Komplexität, Verantwortung, Zusammenarbeit, Fokussierung, Priorisierung, herausfordernde Ziele, Versuch und Irrtum, „funktionierende Ergebnisse mehr als umfassende Dokumentation“, Interdisziplinarität, Politk, Öffentliche Hand und Zivilgesellschaft, Kommunikation, das Wohl unserer Kinder, unser aller Wohl und Zukunft. Der Klimawandel ist ein hoch komplexes und dringendes Problem, das drängendste Problem und die größte Herausforderung unserer Zeit.

Weiterlesen „Klimawandel und Agilität – Wie wir jetzt (gerade noch) gemeinsam die Welt retten können – Teil 1“

Jürgen Habermas und die verwaltete Welt

Der 90. Geburtstag des Sozialphilosophen Jürgen Habermas soll uns ein Anlass sein, uns mit den Anregungen zu beschäftigen, die seine Philosophie gerade für die Ansätze agilen Handelns in der öffentlichen Verwaltung liefern kann. Sie ist nämlich für unsere Alltagsroutinen von einem überraschenden Reichtum. Weiterlesen „Jürgen Habermas und die verwaltete Welt“

Agilität, Europa und Kommunalverwaltungen: Drei Dinge, die zusammengehören

blue and yellow round star print textile
Photo by freestocks.org on Pexels.com

Am 26.05.2019 sind die EU-Bürger aufgerufen, ein neues europäisches Parlament zu wählen. In Baden-Württemberg finden gleichzeitig auch die Kommunalwahlen statt. Diese Kombination finde ich überaus spannend. Sicherlich mögen dabei Synergieeffekte wie Aufwand und Wahlbeteiligung eine Rolle spielen, warum die beiden Wahlen an einem gemeinsamen Termin stattfinden. Für mich aber unterstreicht es einen Zusammenhang, den viele nicht auf dem Schirm haben. Nämlich, dass ein vereintes Europa nur dann gelingen kann, wenn es eng mit der kommunalen Ebene verbunden ist. Beide gehöre für mich unmittelbar zusammen. In Anlehnung an den Soziologen Daniel Bell bin ich der Überzeugung, dass der Nationalstaat zu klein für die großen Probleme und zu gleich zu groß für die kleinen Probleme ist. Das Zusammenspiel von Europa und lokale Ebene macht es möglich effizient und effektiv die Herausforderungen anzugehen, die moderne Gesellschaften umtreiben. Das hat zunächst nichts mit Agilität zu tun. Oder doch? Für mich schon. Ich bin ein großer Freund der Vision eines föderalen Europas. Ansätze hierzu gibt es bereits unter anderem mit dem Rat der Regionen, in dem auch Städte und Gemeinden vertreten sind.

Ein solches föderales Europa ist in meinen Augen ein hoch agiles Konstrukt. Erfahrene Agile Coaches wissen, auch das beste organisierte Team stößt irgendwann an Grenzen, die es nicht selbst lösen kann und die Unterstützung der nächsten höheren Ebene braucht. Umgekehrt ist es nahezu unmöglich, auf adäquat und nutzerzentriert in einer zentralistischen Organisation auf komplexe Herausforderungen zu reagieren. Es braucht demnach Entscheidungsspielräume. Gleichzeitig braucht es einen verlässlichen Rahmen. Ein Grundgerüst, das die Infrastruktur stellt, die es einer Organisation erlaubt überhaupt erst arbeiten zu können.

Politik und Gesellschaft sind hochgradig komplex. Auch hier braucht es ein Grundgerüst, einen Rahmen. Aber gute Entscheidungen, die möglichst vielen Menschen gerecht werden, können nur begrenzt zentral vorgegeben werden. Es braucht ein gemeinsames Dach, das den Rahmen schafft und Leitplanken vorgibt. Leitplanken innerhalb derer sich die Selbstorganisation im Sinne der Agilität entfalten kann. Das föderale Europa bietet dieses gemeinsames Dach, in dem sich „selbstorganisiert“ die föderalen Gliederungen organisieren. Eingeweihte ahnen es – es schwingt die kommunale Selbstverwaltung des Art. 28 II Grundgesetz, die für mich Ausfluss eines höchst agilen Grundsatzes ist.

Ein föderales Europa in diesem Sinne fokussiert sich – im Sinne des Subsidiaritätsprinzip – auf die Rahmenbedingungen, die die unteren Gliederungen nicht schaffen können. Es gibt in einem gewissen Rahmen strategische Leitlinien vor, die es braucht, damit das Zusammenspiel innerhalb Europas funktioniert, lässt aber den Teilgliedern den Freiraum, ihre Angelegenheit möglichst selbst zu organisieren.

Ein föderales Europa braucht daher starke Kommunen. Kommunen, die nahe an dem Menschen sind und im engen Zusammenspiel mit eben diesen Fachexperten ihres eigenen Alltags im Dialog in iterativ-inkrementellen Schritten die beste mögliche Lösung für die Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft leisten. Damit das Ganze funktioniert, braucht es die Bereitschaft und das Vertrauen, den gegenseitigen Respekt und den Mut, sich darauf einzulassen. Auch hier wieder parallelen zur Agilität.

Am 26.05.2019 haben wir die Chance, mit unserer Stimme dazu beizutragen, die agile Idee nach Straßburg/Brüssel ins Europaparlament und – zumindest in Baden-Württemberg – in die Rathäuser zu tragen. Lassen wir die Gelegenheit nicht ungenutzt und gehen an die Wahlurne. Zeichen setzen, für ein agiles Europa.

„Eine Stadt vernetzt sich“: Barcamp „Lernräume“ am 17. März 2018 in Freiburg

Wann, wo oder wie Menschen lernen, unterlag lange einer Trennung nach Schule, Inhalt oder Alter.

Das Lesen und Schreiben lernte man in der Grundschule, das Gitarre spielen in der Musikschule, und wenn die Schulzeit schon länger hinter einem lag, besuchte man die Volkshochschule, um sich weiterzubilden.

In Zeiten des digitalen Wandels weichen diese Strukturen auf.  Soziale Netzwerke ermöglichen uns neue und scheinbar grenzenlose Lernräume. Heute lernen Menschen mithilfe sozialer Netzwerke gemeinsam von- und miteinander, orts- und zeitunabhängig.

Ziel des Barcamps „Lernräume“ in Freiburg (Breisgau) ist es, dass man die im Web sich entwickelnden Lernnetzwerke nicht nur online auf- und ausbauen sollte, sondern diesen Prozess auch vor Ort ermöglichen und unterstützen müsste.

Der gesellschaftliche Wandel stellt sich nicht nur weltweit dar, sondern auch regional. Einige Freiburger Institutionen wagen nun einen solchen gemeinsamen Versuch. Bei diesem besonderen Veranstaltungsformat gibt dabei kein feststehendes Programm. Das wird erst vor Ort von den Anwesenden erstellt. Es wird Impulsvorträge, Workshops oder auch Fragerunden geben, die aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden sollen. Dabei werden bestehende Projekte, Ideen und Fragen vorgestellt und neue entstehen.

Eine Stadt vernetzt sich. Ihr seid herzlich dazu eingeladen.

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Nähere Infos unter https://www.barcamp-freiburg.de/

Tickets unter https://www.eventbrite.de/e/barcamp-freiburg-lernraume-tickets-41136267684