Wohin geht deine Reise?

Ich möchte gerne ein Thema anreichen, das nur indirekt mit der agilen Welt zu tun hat. Es geht hierbei aber auch um das Thema Haltung, und die, wenn Mensch es verstanden hat, ihm hilft, besser in die agile Welt zu kommen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich Menschen begegne, für die ein Glas Wasser eher halb leer erschien oder eben halb voll. Schaue ich es halb leer an, schwingt etwas Negatives hinein. Beim halb vollen eher etwas positiv Stimmendes. Kann Mensch an seiner inneren Haltung was ändern? Und wie?

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UMFRAGEERGEBNISSE zu Erfahrungen in Corona-Zeiten: Agile Vorgehensweisen stärken Verwaltungen in der VUKA-Welt

Vor vier Wochen hatten wir an dieser Stelle unsere Leser zur Beteiligung an einer Umfrage eingeladen, um ihre Erfahrungen in Zeiten der Corona-Krise zusammenzutragen und auszuwerten (https://agile-verwaltung.org/2020/06/11/umfrage-zu-erfahrungen-rund-um-das-online-arbeiten-und-der-link-stimmt-auch/). Dahinter standen zwei Vermutungen: Erstens, dass an verschiedenen Stellen in der öffentlichen Verwaltung spontan „agile“ Vorgehensweisen angewendet werden: quasi aus der Not geboren – es ging nicht mehr anders. Und zweitens, dass diese Vorgehensweisen zur erfolgreichen Bewältigung von Herausforderungen beitragen, wo dies gelang.

Die erste Sichtung der Umfrageergebnisse scheint diese Hypothesen zu stützen. Weiterlesen „UMFRAGEERGEBNISSE zu Erfahrungen in Corona-Zeiten: Agile Vorgehensweisen stärken Verwaltungen in der VUKA-Welt“

Krisenmanagement in Corona-Zeiten: Die Agile Verwaltung kann mit Komplexität besser umgehen

Bildrechte: Veronika Levesque

Die Corona-Krise treibt die öffentliche Verwaltung auf allen Ebenen kräftig um. Einer der Nebeneffekte: Sie macht die Schwächen der öffentlichen Verwaltung in Deutschland mit Blick auf den Umgang mit komplexen Herausforderungen mehr als deutlich. Nicht nur im Blick auf das Thema Digitalisierung, sondern auch mit Blick auf die Reaktions- und Adaptionsfähigkeit im Krisenmodus. Wer Kinder zu Hause hat, ahnt vermutlich, worauf ich hinaus will. Selbst Vater von zwei Kindergartenkindern, habe ich in den letzten Wochen das stark verbesserungsfähige Krisenmanagement der Stadtverwaltung meines Wohnorts nicht nur beobachtet, sondern auch live und in Farbe am eigenen Leib spüren dürfen.

Halten wir vorher fest: Ja, wir haben es mit einer komplett „neuartigen“ Situation zu tun. Die Kommunalverwaltungen – am untersten Ende der „Nahrungskette“ – mussten bzw. müssen nach wie vor immer noch in vielen Bereichen darauf hoffen, dass sie zeitnah Informationen vom Land bekommen, die oft auch nur bruchstückhaft und meist sehr kurzfristig bei diesen angekommen sind. Mit kurzen Vorlaufzeiten dann im Bereich der Kinderbetreuung zu reagieren, war und ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht einfach. Natürlich waren und sind die übergeordneten Stellen für die Situation selbst nur unzureichend gewappnet. Verwaltungsstrukturen sind nun mal auf langfristige und stabile Rahmenbedingungen ausgerichtet. Und dann kam Corona. Täglich neue Erkenntnisse, täglich neue Anpassung an die gewonnenen Erkenntnisse – neue Entscheidungen, die auf Basis der neuen Erkenntnisse permanent überprüft, angepasst oder gar vollständig neu getroffen werden mussten bzw. noch immer getroffen werden müssen. Nicht einfach. Überhaupt nicht. Mit anderen Worten, wir hatten und haben es immer noch mit einer hochkomplexen Situation zu tun. Dazu noch der enorme politische Druck. Ich bin mir also bewusst, es ist alles nicht einfach.

Und doch, denke ich an die letzten vier Monate zurück, bin ich hochgradig unzufrieden mit der örtlichen Krisenkommunikation. Mehrere Wochen, ja Monate, war von kommunaler Seite hier kaum etwas Vernünftiges zu erfahren. Informationen kamen bruchstückhaft, oft über inoffizielle Kanäle, zu den Eltern, die von jetzt auf gleich Beruf und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen mussten. Eine Herausforderung. Der örtliche Flurfunk ratterte enorm. Elternvertreter und Eltern bemühten, die spärlichen Informationen aus der sichtlich vollständig überforderten örtlichen Stadtverwaltung zu erhalten, die selbst kaum über geordnete Informationen verfügte. Und damit kommen wir zum Kern: Die örtliche Verwaltung in ihrer Struktur war nicht in der Lage, in dieser komplexen Situation eine geeignete Krisenkommunikation mit den Betroffenen zu erzeugen. Was ich erleben durfte, drückt ein Zitat von Cyril Northcote Parkinson ziemlich genau aus:


„Ein Vakuum, geschaffen durch fehlende Kommunikation, füllt sich in kürzester Zeit mit falscher Darstellung, Gerüchten, Geschwätz und Gift.“

Cyril Northcote Parkinson


Oder anders ausgedrückt: Viele Eltern – mich eingeschlossen – grollten, weil sie jedem Informationsfetzen hinterherlaufen mussten. Gerüchte und verwirrende Darstellungen waberten durch den Raum und führten zu noch mehr Unsicherheit bei allen Beteiligten und am Ende – und da bin ich mir sicher – zu erhöhten Nachfrageaufkommen und Aufwand bei der örtlichen Verwaltung.

Jetzt kommt meine steile These, die ich in den Raum werfen möchte: Eine agile Verwaltung hätte die Krisenkommunikation besser beherrscht und die Situation besser in den Griff bekommen. Warum? Weil sie sich auf diese Komplexität einstellt und mit den Hilfsmitteln arbeitet, die speziell für diese Komplexität in Form von Prinzipien und Managementrahmen geschaffen wurden. Nicht aus Jux und Tollerei, nicht aus Spaß an der Freude, sondern eben um mit den Herausforderungen der Komplexität umgehen zu können. Was macht eine agile Verwaltung – wie wir sie im Forum Agile Verwaltung forcieren – aus? Sie kommuniziert transparent, ergebnisfokussiert und „nutzerzentriert“ mit allen Betroffenen. Nicht über – vergleichsweise – lange Zeiträume, so wie wir es erleben durften – fast drei Monate überhaupt keine offizielle Kommunikation – sondern in möglichst kurzen Intervallen und Zyklen. Sie sucht das aktive Gespräch, informiert, klärt auf, holt Feedback ab und entwickelt an Hand der ständig neugewonnenen Erkenntnisse Lösungen, die innerhalb der kurzen, bereits erwähnten Zyklen an die neuen Erkenntnisse angepasst werden. Es herrscht Transparenz über das vorhandene „Wissen“ – auch über die Organisation hinaus. Eine solche Verwaltung schreckt nicht davor zurück, auch „unperfekte“ Informationen zu teilen. Sie schreckt nicht davor zurück, die Dinge offen und ehrlich immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und geht offen mit Irrtümern (die aus lückenhaftem Wissen und fehlenden Erkenntnissen resultieren) um, um die mit fortlaufender Zeit und daraus resultierenden neuen Erkenntnissen behoben werden können. Sie wartet nicht, bis sie die perfekte Lösung (die es ohnehin nie geben wird, da sie immer nur eine Momentaufnahme ist) gefunden hat. Sie versucht, das Problem im Hier und Jetzt zu lösen. Das schafft Vertrauen und Verständnis. Wichtig, um in der Situation der Komplexität, wie wir sie gerade erleben, handlungsfähig zu bleiben.

Eine agile Verwaltung hätte – wie es übrigens einige Verwaltungen vorgemacht habe, ohne sich mit dem Attribut der Agilität zu schmücken – in möglichst kurzen, aber regelmäßigen Abständen mit den Elternvertretern kommuniziert, über die aktuellen Erkenntnisse und Zwischenstände informiert und – im Rahmen der Möglichkeiten – wenn auch kleine „Unterstützungsangebote“ gemacht. Man mag einwenden, dass man hierfür Zeit und Ressourcen braucht. Aber jetzt mal ehrlich: Für die vielen Anrufen und Anfragen der Eltern von Kindergartenkindern, die auf dem Amt anrufen, brauche ich auch Zeit und Ressourcen. Und eine gute Krisenkommunikation, wie ich sie mir gewünscht hätte, wäre vermutlich zielführender und ressourcensparender gewesen. Ein Mal in der Woche eine 15-minütige Videokonferenz mit den Elternbeiräten, die wiederum die Informationen streuen, kostet nicht viel Zeit – hätte aber ungemein dazu beigetragen, Verständnis zu erzeugen und den – nicht gerade wenigen – widersprüchlichen kursierenden Flurfunkbotschaften entgegenzuwirken. Zentral dabei: Mit jeder „Iteration“, jeder „Kadenz“ hätte eine agile Verwaltung auch die Chance, ihr Vorgehen an neue Erkenntnisse, neue Ideen anzupassen und besser zu werden. Organisatorisch zu lernen. Erkenntnisse, die im Übrigen auch nach der Krise, in den Alltag transferiert werden. Auch diese Chance wurde in meinen Augen damit – im oben beschriebenen Falle – verpasst.

Bildrechte: Veronika Levesque

Auch hat eine agile Organisation auf diesem Wege die Chance, auch kleine Verbesserungen, erste Zwischenschritte auszuprobieren und Feedback einzuholen, ob der Lösungsweg verbesserungsfähig ist. Denn im Dialog mit den Beteiligten ergeben sich nicht selten viele Optionen, die – das liegt in der Natur der Komplexität – noch gar nicht auf dem Schirm der Entscheider sind. Im konkreten Fall hätte dies bedeutet, dass die Verwaltung, die bereits damit beschäftigt ist, Lösungen für den Tag x zu erarbeiten, hier auch das Feedback der eigentlich Betroffenen und internen Beteiligten bereits hätte einfließen lassen können. Dann hätte man bereits im frühen Stadium Irrtümer (Denkfehler, falsche/lückenhafte Annahmen, mögliche Lücken u. ä.) identifiziert. (Ich bin mir sicher, dass kaum ein(e) Erzieher:in tatsächlich bei der Lösungsentwicklung beteiligt war.) Ganz nebenbei lassen sich auf diesem Wege sogar erste „Mehrwerte“ für alle Betroffenen erzeugen, die das Signal setzen, dass man sich der Herausforderung bewusst ist und sich bemüht – im Rahmen der Gegebenheiten – eine Lösung zu finden. Diese mag noch nicht ideal sein, aber mildert den Druck bei den Betroffenen und ist ein klares Signal der Wertschätzung.

Mein Fazit: Die „tradierten“ Strukturen der öffentlichen Verwaltung sind auf Stabilität ausgerichtet. Krisen, wie wir sie derzeit erleben, lassen sich deutlich besser meistern, wenn auf Ansätze gesetzt wird, die explizit auf Komplexität ausgerichtet sind. Oder mit anderen Worten: Krisenmanagement kann die agile Verwaltung deutlich besser und bietet damit das Potenzial die Handlungsfähigkeit der Verwaltung in komplexen Situationen zu erhöhen.

5 Menschen. 1 Stunde. 12 Wochen. Erfahrungen in einem digitalen WOL-Circle

Die Idee von „Working Out Loud“ (WOL) stammt von John Stepper, einem Amerikaner. Das Konzept unterstützt Menschen dabei, in kleinen Gruppen persönliche Ziele zu erreichen, bessere Beziehungen aufzubauen und sich selbst weiter zu entwickeln. Ein Erfahrungsbericht von Lucyna Zalas und Christine Gebler über neun Stunden zu fünft und das Gefühl, einen wöchentlichen Serien-Termin auf keinen Fall verpassen zu wollen.

WOL-FAV

Grafik: Veronika Levesque

Die Neugier auf WOL

Immer mehr begeisterte Berichte über „Working Out Loud“ (WOL) machten uns neugierig. Was ist dran an WOL und wie läuft es? Schafft man es wirklich, mit fremden Menschen einem selbstgesetzten Ziel näher zu kommen und sich zu öffnen? Auch wenn uns zunächst ein regelmäßiges Treffen über zwölf Wochen fast nicht machbar schien, wollten wir es versuchen. Als in der Corona-Krise unser Alltag ohnehin neu erfunden werden musste, gründeten wir mit drei anderen einen WOL-Circle.

Der Start des WOL

Einen WOL zu starten ist einfach. Alle Informationen fanden wir auf der Seite von John Stepper. Ende März trafen wir uns, ansässig in Ost-, West- und Süddeutschland, in der Schweiz und in Belgien, zum Kennenlern-Treffen per Video-Chat, zur „WOL-Runde 0“. Also ging es in der ersten Runde erst mal darum, auf wen wir uns da gegenseitig eingelassen hatten. Inhalt war außerdem, sich über das persönliche Ziel klar zu werden. Parallel machten wir einen Slack-Account auf. Hier postete jede:r auch ein paar Zeilen über sich, in denen wir etwas mehr voneinander erfuhren. Es wurde deutlich, welche unterschiedlichen Hintergründe wir mitbrachten, privat und beruflich – beste Voraussetzungen für das Lernen voneinander.

Wie wir den WOL erleben

In der Woche darauf starteten wir mit den Aufgaben und trafen uns immer digital und zur gleichen Zeit. Wir stellten schon nach sehr kurzer Zeit fest, dass wir auf der gleichen Wellenlänge liegen. In einer der folgenden Runden vereinbarten wir, dass wir die gemeinsame Zeit persönlicher nutzen wollen. Also erledigten wir die Aufgaben von John Stepper nicht im Treffen selbst, sondern vorher und tauschen uns in der Stunde über unsere Gedanken, Empfindungen und offenen Fragen aus. „Was macht die Aufgabe mit mir?“ „Fällt sie mir schwer oder leicht und warum?“ „Wie macht ihr das?“. Daraus entstand im Lauf der Wochen ein intensiver, tiefgehender und berührender Austausch, in dem wir auch über persönliche Erlebnisse und sogar Schicksalsschläge sprachen. In Slack organisieren wir uns und tauschen auch wichtige Ereignisse oder Erfolgserlebnisse aus. Und natürlich geben wir uns Tipps und Hinweise zu unseren jeweiligen Zielen. Jedes Treffen läuft anders, jedenfalls immer unterstützend, motivierend und anregend. Wir rücken immer mehr zusammen. Inzwischen sind wir in der zehnten Woche angelangt. Wir sind gespannt, wie es weiter geht und was am Ende aus unseren Zielen geworden ist.

Unser Fazit zu WOL

Bei einem spontanen, virtuellen Wein- und Plauderabend außerhalb des WOL haben wir beide uns entschieden, unsere Zwischenbilanz hier mit Euch zu teilen.

Der WOL-Circle kann eine wunderbare Erfahrung sein. Unsere Erwartungen haben sich jetzt schon übererfüllt. Wir glauben, eine offene Haltung und die Bereitschaft, Informationen und Persönliches miteinander zu teilen, ist Voraussetzung für einen inspirierenden WOL. Dazu gehören nicht nur Erfolge, sondern auch Herausforderungen und vielleicht sogar die Auseinandersetzung mit Schwächen.

Gerade bei Themen, die interessant und wichtig sind, aber im Alltag nicht die nötige Priorität bekommen, kann ein WOL mit seinem zeitlich knappen, aber regelmäßigen Tun sehr hilfreich sein. Das gemeinsame Ziel des WOL, an einem selbst gewählten Thema zu bleiben, wirkt sich auf das Erreichen des persönlichen Ziels und die eigene Effektivität positiv aus.

Der freitägliche Austausch ist für uns ein Wochenhighlight und (fast) unverzichtbar. In der fünften Woche, in der es um persönliche Fakten und Entdeckung von nicht offensichtlichen Gemeinsamkeiten ging, war klar, wir wollen uns alle auch persönlich treffen, sobald das möglich ist.

WOL eignet sich sowohl dazu, Kontakte nach außen zu knüpfen – beispielsweise zu Partnern oder Kunden – als auch, um in der Organisation Beziehungen aufzubauen. Auch wenn die Aufgaben stark auf den Ausbau der eigenen Präsenz in den sozialen Netzwerken zugeschnitten sind, regen sie auch andere Möglichkeiten an.

Wir standen beide immer wieder vor der Frage: Was und wieviel möchte ich (online) von mir preisgeben? Gleichzeitig geht es gerade im Aufbau eines persönlichen Netzwerks darum, in Organisationen auch real sichtbarer zu werden und einen guten Kontakt mit anderen aufzubauen. Hier ist WOL eine Unterstützung, Ideen zu entwickeln und konkrete Schritte zu gehen.

WOL als kostenloses, wirkungsvolles Instrument für die Organisationskultur

WOL kann einen großen Beitrag zum Aufbau einer besseren Kultur leisten – nicht nur in großen Firmen und Verwaltungen, sondern beispielsweise auch an Schulen und Hochschulen. Hier könnte WOL für die Teamentwicklung von Lehrstühlen oder für den Aufbau von besseren Beziehungen zwischen Fakultäten genutzt werden. Und gerade in Zeiten leerer Kassen ist es ein hervorragendes Instrument, um in Verwaltungen die Silos aufzubrechen und die Personal- und Organisationsentwicklung zu fördern. Denn es kostet keinen Cent, braucht keine Beratung von außen und ist von jede:m sofort umsetzbar.

Wenn wir Euch ebenfalls neugierig gemacht haben, findet ihr weitere Informationen auf der Webseite von John Stepper (www.workingoutloud.com) und einen Beitrag von Lea Wüst unter link https://agile-verwaltung.org/2019/12/23/working-out-loud-eine-mentalitaet-der-zusammenarbeit-und-gleichzeitig-eine-effektive-selbstlernmethode/. Außerdem könnt Ihr in Netzwerken wie LinkedIn und Facebook offenen WOL-Circles beitreten.

Nach dieser WOL-Erfahrung haben wir definitiv Lust auf weitere Zirkel.

Euch viel Freude beim Ausprobieren, Beziehungen entdecken und Wissen teilen. Eure Lucy und Christine

Vergleich von DMS-Produkten – ein Entwurf eines „Steckbriefs“

Verschiedene Verwaltungen auf Landesebene, in Hochschulen und in Städten und Gemeinden stehen vor einem gleichen Problem: Sie möchten (na gut, müssen wohl eher nach eGovG § 6 bzw. 7) die E-Akte einführen. Sie haben bereits ein Dokumentenmanagementsystem in Betrieb, aber bislang im Wesentlichen als passives Archivsystem für Belege oder für Fachverfahren. Jetzt stellt sich die Frage: „Taugt dieses DMS auch als Vorgangsbearbeitungssystem für die Gesamtverwaltung? Können wir uns so die Kosten für die Ausschreibung und Anschaffung eines anderen Systems ersparen?“ Solche Verwaltungen würden wir gerne unterstützen. Weiterlesen „Vergleich von DMS-Produkten – ein Entwurf eines „Steckbriefs““

Meetingkultur online – ein paar Erfahrungen

Alle klagen ja über die große Distanz bei diesen unumgänglichen Videokonferenzen. „Die Kaffeeküche fehlt.“ – „Wo bleiben die Klönschnacks auf dem Flur?“

Na ja. Auch bei diesen Präsenzmeetings – 1000 Jahre her – war nicht alles so rosig. Da gab es auch „Distanz“ – aber andere Arten von Distanz. Und die kann man jetzt auf den Videokonferenz-Plattformen teilweise leichter überwinden als vorher: Man muss sich nur der Möglichkeiten unserer neuen digitalen Tools bewusster werden. Weiterlesen „Meetingkultur online – ein paar Erfahrungen“

Man muss loslassen, dann hat man plötzlich zwei Hände frei.

Offener Brief an die oberste Bildungsbehörde von Baden-Württemberg

Sehr geehrte Frau Dr. Eisenmann
Wir unternehmen zum aktuellen Anlass mit diesem Blogbeitrag den Versuch, bis ins Zentrum unserer baden-württembergischen Bildungsburg durchzudringen. Möglicherweise ist in diesen unsicheren Corona-Zeiten die Ziehbrücke doch nicht ganz hochgezogen, weil die Burgherrin ja insgeheim auf umwerfende neue Ideen aus dem Ländle wartet.

(Wir: Ein alter Schulmeister, seine Tochter und zwei schulpflichtige Enkelkinder.
Inhaltliche Verortung: Forum agil lernen und lehren

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek meinte vor einigen Tagen. „Jede Schule in jedem Land muss sich ein Ziel setzen: Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden – und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist. Wie auch immer.“ (Rheinischen Post) Klar … „schwierig“, sagte sie. „Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation und da muss jetzt alles mobilisiert werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder verlässlich unterrichtet werden.“ Es müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb „mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht“ wieder umfassend laufen könne.
„Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen“, meinte Frau Karliczek. “ … Soweit ein paar Ideeneindrücke aus Berlin als Einstieg für diesen Blogbeitrag.

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Agiles Verwaltungswissen: Wir stellen Tipps zur Gestaltung von Videokonferenzen vor

Unsere neue, im Aufbau befindliche Sammlung als Mischung von Reflexionen und praktischen Tipps https://agilesverwaltungswissen.org entwickelt sich weiter. Wir können aber auch Verstärkung von anderen, die ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen wollen, gut gebrauchen.

Die Videokonferenz-Tools mit ihren Bewertungen haben uns bis jetzt in Atem gehalten. Zusammen mit der Stadt Freiburg (übrigens eine ganz tolle, kollaborative Erfahrung; Dank den Kollegen!) haben wir eine tabellarische Übersicht über die gängigen und auch unbekanntere Videokonferenz-Tools entwickelt: https://agilesverwaltungswissen.org/wiki/Kategorie:Videokonferenz-Werkzeuge, Unterpunkt „Videokonferenz-Werkzeuge (Vergleichstabelle mit Filtermöglichkeiten)“. Die Tabelle soll es Praktikern in der Verwaltung erleichtern, ein für sie passendes Tool schnell zu finden.

Wenn die Tools jetzt alle da sind, kommt die Frage der Gestaltung von Online-Konferenzen. Das betrifft den Ablauf solcher Meetings, die Verhaltensregeln, aber auch die Verwendung weiterer Methoden oder das Einbinden anderer Tools (Verwendung eines Whiteboards oder eines Tools zu Online-Abstimmungen oder von Taskboards zur Abstimmung einer Agenda). Dazu haben wir jetzt begonnen, Tipps und Erfahrungsberichte zusammenzustellen. Die allererste derartige Seite betrifft die Verwendung von Mindmaps in Videokonferenzen: https://agilesverwaltungswissen.org/wiki/Kategorie:Methoden,_wie_man_Videokonferenzen_gestaltet. Weitere folgen in den nächsten Tagen. Und wer sich beteiligen will, kann sich einfach auf der Plattform anmelden, denn es handelt sich um ein Wiki-Format. Wer Fragen hat, schickt uns eine E-Mail an kontakt[ätt]agile-verwaltung.org.

Umfrage zu Erfahrungen rund um das Online-Arbeiten (und der Link stimmt auch!)

Die Bemerkung „und der Link stimmt auch“ richtet sich an alle, die schon per Mail einen Link zugesandt bekommen haben. Aufgrund von Problemen mit der Plattform mussten wir die Umfrage umziehen. Der neue Link lautet nun: https://t1p.de/zks5

Seit März erleben wir eine Zeit, die uns im persönlichen Kontext, in der Arbeitswelt sowie im sozialen und gesellschaftlichen Miteinander nahezu täglich vor neue Herausforderungen stellt. Auf unvorhergesehene Situationen muss schnell und trotzdem überlegt reagiert werden. Lernen aus Erfahrungen, Entscheidungen ggf. zeitnah hinterfragen zu müssen und nachzujustieren stehen regelmäßig auf der Agenda. Gegebenheiten ändern sich so kurzfristig, dass sie von jedem und jeder von uns eine hohe Veränderungsbereitschaft erfordern. Diese Merkmale kommen euch aus dem agilen Kontext bekannt vor? Damit liegt ihr richtig!

Und umso wichtiger ist es, diesen Schatz an Erfahrungen für die zukünftige Arbeit in öffentlichen Institutionen und Verwaltungen zu heben. Das Forum Agile Verwaltung (FAV) hat eine Umfrage initiiert.

Die Umfrage soll helfen, konkrete eigene Eindrücke und Erfahrungen selbst zu reflektieren, zu benennen und zu verschriftlichen. Erfahrungen aus temporären Umbrüchen („Krisen“) werden nämlich schnell vergessen, wenn die Situation wieder in einen (wie auch immer geregelten) „Alltag“ hinübergleitet. Die neuen Denkbahnen, die unser Gehirn gebaut hat, werden verschüttet. Nur wenn wir unsere Eindrücke jetzt, solange sie noch frisch sind, einmal „von oben“ oder aus der Distanz betrachten („was passiert denn gerade mit uns?“), werden wir nachher aus ihnen lernen können.

Und wir können sie dann gemeinsam in unsere Organisationen einbringen, damit auch sie lernen können. So will die Umfrage letztlich zum „inneren Dialog“ der Verwaltungen anregen und beitragen.

Quelle: Bild von Craig Clark auf Pixabay

Daher würden wir uns sehr freuen, wenn ihr euch wenige Minuten Zeit nehmt für unser gemeinsames Lernen aus dieser Zeit.

Hier noch einmal der Link zur Umfrage: https://t1p.de/zks5

Damit wir möglichst aussagekräftige Daten haben, gebt gern diesen Link mit der Bitte um Teilnahme in eurer Organisation weiter.

Die Umfrage läuft bis 17. Juni. Die Ergebnisse werden wir zeitnahe aufbereiten und hier auf der FAV-Homepage veröffentlichen.

Danach werden wir zu einer öffentlichen Webkonferenz einladen, um mit euch gemeinsam über Schlussfolgerungen zu reflektieren. Dort werden wir auch über weitere Angebote des FAV sprechen, um die einzelnen Verwaltungen beim Lernen aus den Corona-Erfahrungen zu unterstützen.

Agilität und die Gleichberechtigung

Geht es gerechter zu wenn wir agil sind? Foto: Woman photo created by freepik – www.freepik.com

Zurzeit ist Diskriminierung auf Grund des Geschlechts (wieder) in aller Munde. Dass die Debatte um die bestehende Rollenverteilung – nämlich: Frauen kümmern sich neben Beruf auch um Familie und Heim – in dieser Krise so offensichtlich werden würde, hat mit dem Ausbruch von Corona wahrscheinlich keine/r gedacht. Aber so ist es. Nicht nur in Bezug auf Kinderbetreuung und Care Arbeit, sondern auch in Bezug auf Arbeitsorganisation und Führung dringt die Frage nach einer gerechteren Machtverteilung und mehr Repräsentation von Frauen in Entscheidungsgremien in den öffentlichen Diskurs ein. Aber was hat das mit Agilität zu tun? Kann uns Agilität in eine gerechtere Zukunft verhelfen und wenn ja, welche Aspekte sollten jetzt unsere Aufmerksamkeit bekommen? Ich möchte hier die These aufstellen, dass der Weg durch die agile Landschaft Organisationen und Teams durchaus helfen kann, eine gerechtere Arbeitswelt zu schaffen.

Von einer Metaebene auf Kommunikation und Machtverteilung schauen

Ein Vorteil vieler agiler Tools ist, dass sie uns die Möglichkeit bieten, ein Schritt zurück zu nehmen und unsere Zusammenarbeit von einer Metaebene zu betrachten. Die Retrospektive im Scrum z.B. bietet die Chance, nicht nur das „was“ in der Zusammenarbeit anzusprechen und zu verbessern, sondern auch das „wie“. Wie haben wir zusammengearbeitet? Was hat uns geholfen oder gehindert? Welche Art der Kommunikation wünschen wir uns für den kommenden Sprint? Wenn es zur Gewohnheit wird, die Zusammenarbeit zu reflektieren, kommen auch hier gewisse Genderfragen ans Licht. Sind bestimmte Vorurteile in der Zusammenarbeit aufgetreten? Haben wir bestimmte Annahmen über die Rollenverteilung im Team, die an Geschlechter gebunden sind? Kann jede/r im Team seine Stärken vollumfänglich einbringen oder gibt es strukturelle Hindernisse? Bis hin zu Fragen wie: ist unsere Arbeit so organisiert, dass Menschen in Teilzeit oder Menschen mit Familien auch daran teilnehmen können? Die Einführung von agilen Instrumenten in der Zusammenarbeit bietet eine Möglichkeit, Fragen der Benachteiligung auf Grund des Geschlechts anzugehen und für das Team Lösungen zu finden.

Führung als Rolle und nicht als Eigenschaft

Wenn uns die Coronakrise eins gezeigt hat, dann war es, dass alternative Arbeitsformen möglich sind und dass es sich lohnt, sie auszuprobieren. Mobiles Arbeiten, selbstorganisierte Teams, neue Meetingstrukturen und vieles mehr haben in den letzten Monaten in unsere Arbeitswelt Einzug gefunden. Einiges davon hat gut funktioniert, einiges nicht. Was aber durchweg neu verhandelt wurde, ist die Rolle der Führungskraft. Sie musste nicht nur „remote“ führen, sondern ihr Team auch durch eine Krisensituation führen, voll mit Unsicherheiten, komplexen Aufgaben und viel „learning by doing“. In dieser Achterbahn haben sich grundlegende Fähigkeiten, die zur guten Führung gehören, herauskristallisiert wie: Kommunikationsfähigkeit, Risikobereitschaft, und eine positive Einstellung gegenüber Fehlern. Außerdem ist erneut gezeigt worden: Führung ist eine Rolle und keine Eigenschaft. Gute Führung hängt von der Art und Weise, wie man mit Menschen in herausfordernden Situationen umgeht: und das geschieht unabhängig vom Geschlecht.

Der biologische Determinismus, der Genderdiskriminierung zugrunde legt, findet sich auch in Führungstheorien wieder: Männer sind im Grunde „bessere“ Führungskräfte, weibliche Führungskräfte haben „männliche“ Eigenschaften und so weiter. Hier wird „gute Führung“ jemandem auf Grund seines Geschlechtes zugeordnet. Aber Führung ist keine Eigenschaft, gute Führung ist eine Haltung, die man vor allem in Krisensituationen zeigt. Die Beschäftigung mit agilen Methoden zeigt uns, wie wir Teams unterstützen können, weg von der Idee der Führung als eine (gegenderte) Person und hin zu Führung als Rolle zu kommen. Dadurch können wir uns auch überlegen, ob die Rolle der Führungskraft vielleicht nur für eine bestimmte Zeit angenommen wird, wie zum Beispiel Chefwahl. Oder ob Führung eine Rolle ist, die auch geteilt werden kann – wie in der Tandemführung. Oder wann überhaupt eine „Führung“ notwendig ist, wie in der Selbstorganisation. Agile Arbeitsweisen und Instrumente bieten uns somit einen konkreten Rahmen, in dem wir Teams und Führungskräfte auf dem Weg zu einem neuen Führungsverständnis begleiten können.

Wo der Wille auch der Weg

Sicher ist, dass nichts von alleine passiert. Wenn wir in Unternehmen und in der Verwaltung neue Strukturen einführen möchten, müssen wir aktiv werden und erste Schritte einleiten. Und das müssen wir auch wollen. Vieles in der Coronakrise hat gezeigt, dass eine gerechte Zukunft damit anfängt, dass wir uns Gedanken machen darüber, wie wir Entscheidungen treffen, wer an den Entscheidungen beteiligt ist und wer von den Entscheidungen betroffen ist. Eine gleichberechtigte Zukunft fängt damit an, dass wir aktiv daran arbeiten, unsere bestehende Strukturen unter die Lupe zu nehmen, und diese Schritt für Schritt anzupassen.