Kipp-Punkte und das „Weiter-So“: Ohne eine (agile) Staatsreform wird es nicht gehen

Veronika hat vorletzten Donnerstag einen Artikel „Des Verwaltungspudels Kern – oder: wo (überall) ist ein Hund begraben?“ veröffentlicht, in dem sie viele wichtige Fragen aufwirft. Ich will den Ball hier aufgreifen, den sie uns zuspielt. Dabei beschäftigt mich der Blickwinkel: „Wie können wir agiles Denken dafür nutzen, jenen Kipp-Punkten zuvorzukommen, an denen bedrohliche Tendenzen in Katastrophen umschlagen?“

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VUKA und die Verschwörung

Wer sich mit Agilität auseinandersetzt, kommt nicht am Thema VUKA vorbei. Ein Akronym, das die Komplexität einer sich ständig verändernden Umwelt beschreibt, in der alles beständig im Fluss ist. Und eine Herausforderung für unsere Verwaltung, die der Fels in der Brandung einer komplexen Welt sein soll, indem sie Rechtssicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Verlässlichkeit des staatlichen Handelns gewährleistet. In einigen Nachmittagsrunden, bei den es nicht nur um die Verwaltung ging, sondern auch um ein anderes böses Virus, das uns – nicht erst seit der COVID-Pandemie – intensiv beschäftigt, haben Thomas und ich uns gefragt, warum VUKA und Verschwörungsmythen für uns Agilistinnen und Agilisten in die Verwaltung ein Thema ist, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Denn VUKA fördert nicht nur die Agilität, es scheint sogar, dass sie Verschwörungsmythen befördert. Während Agilität die Antwort ist, um mit Komplexität umgehen zu können, scheinen Verschwörungsmythen das Ergebnis der Überforderung mit einer – vermeintlich – nicht greifbaren komplexen Welt mit ihrer ganzen Widersprüchlichkeit zu sein. Während wir mit agilen Methoden das Rüstzeug an die Hand bekommen, um in einer komplexen Welt unsere Handlungsfähigkeit zu erweitern, versuchen Verschwörungsmythen durch vermeintlich einfache Erklärungsmodelle die Komplexität zu verringern. Dabei wird die Verwaltung als Teil des Verschwörungsmythos eines konstruierten Feindbildes, dass man für das Ungemach der Komplexität verantwortlich macht.

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Im Westen nichts Neues – oder: Wie neu ist Agilität?

Die kurze Antwort auf diese Frage, die immer wieder und wieder gestellt wird, lautet: gar nicht neu, überhaupt nicht, vom asiatischen Raum gar nicht zu sprechen, kann man auch eurozentrisch betrachtet sagen, dass, um nur ein Beispiel zu nennen, die politischen Prozesse der modernen Schweiz, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind, zwar nicht den Titel ‘agil’ so aber doch deutliche Züge agilen Vorgehens tragen. Weil es der Situation entsprach und noch entspricht. Ich erkläre also hiermit die Frage „wie neu ist agil denn nun?“ für beantwortet mit „nicht neu“. Fertig.

Fast fertig. Viel spannender dünkt mich nämlich die Frage, warum etwas, das nicht neu ist, jetzt plötzlich [wieder?] grosses Interesse erfährt – wenn man mal davon absieht, dass das Attribut „neu, modern und innovativ“ so, wie „weisser als weiss, jetzt mit GANZ neuer Formel“ sich meist gut verkauft.

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Warum ich überzeugt bin, dass Effectuation in den Werkzeugkoffer der agilen Verwaltung gehört

Echte Unsicherheit und öffentliche Verwaltung? Das ist kein Thema, oder doch? Eine gute Frage, die mich in jüngerer Zeit etwas intensiver beschäftigt. Und dabei bin ich über das Thema Effectuation gestolpert. Es mag verwundern, beschäftigt sich dieser Zweig der Forschung doch eigentlich mit der Frage, wie Unternehmen unter echter Unsicherheit erfolgreich agieren können. Echte Unsicherheit: gibt es diese für die öffentliche Verwaltung überhaupt? Wenn wir annehmen, dass die Welt da draußen hochgradig komplex ist, dann mit Sicherheit. Davon bin ich überzeugt.

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Wenn Junge in „fremde“ Welten gucken – eine Teilnehmendenbetrachtung von Außen auf Ideen aus der FAV-Frühjahrskonferenz 2021 vom 18.05.2021

Ein Gastbeitrag von Konstantin Strümpf und Jakob Kronsteiner. Beide sind nicht Teil einer öffentlichen Verwaltung und auch nicht unserer eher gewohnten Zielalterskohorte. Sie sind Mitte Zwanzig und auf dem Weg zur Gründung eines Start-ups [das, so bin ich überzeugt, erfolgreich neue Möglichkeiten in die Welt werfen wird!! Das sollen sie ein andermal hier vorstellen.] Trotzdem oder deswegen haben sie mit grossem Interesse an unserer FAV – Frühjahrskonferenz teilgenommen, mitgedacht und sie lassen uns hier in ihre Gedanken schauen:

Was können zwei Studenten am Weg in die Selbständigkeit von der FAV-Frühjahrskonferenz Agile Verwaltung eigentlich lernen?

Welche Fragen stellen sie sich und welche Ideen können sie mitnehmen?

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Über Frithjof Bergmanns ‚eigentliche‘ Idee des New Work

Frithjof Bergmann, Hinweiser auf das Wirklich-Wirklich-Wollen im New Work
Foto: Wikipedia

Für die meisten Menschen ist die Arbeit wie eine leichte Erkältung. Bis Freitag hält man es noch aus.

Frithjof Bergmann

In den 1970er Jahren brachte Herr Bergmann den Begriff ‚New Work‘ auf die Welt, dieser fristete jedoch lange ein Mauerblümchen-Dasein. Ich selbst bin auf den Begriff vor etwa 9 Jahren aufmerksam geworden, da ich Herrn Bergmann live bei einem Vortrag in Köln kennenlernen durfte. Und ja, das resonnierte heftig!

Seit dem hat sich der Begriff stark verbreitet, besonders in den agilen Welten, über deren Haltungswerte wir hier immer wieder auf dem Blog sprechen. Allerdings versteht so manch Einer darunter eher oberflächliche Arbeitsumfeldverbesserungen wie Kickergeräte, Kochabende oder auch das Angebot von Körperertüchtigung während der Arbeitszeit, und ja, durchaus auch Kinderbetreuungsräume im Unternehmen.

Herr Bergmann meint mit New Work von Anfang etwas ganz anderes. Laut der jährlichen Gallup-Studie arbeiten über 80% der Menschen in der westlichen Welt nur, um mit dem Lohn am Leben bleiben zu können, d.h. das Leben außerhalb der Arbeitszeit genießen zu können. Was, wenn sie aber während der Arbeit auch lebten? Schließlich verbringen wir inklusive dem Arbeitsweg über die Hälfte der Wachphase hier. Was, wenn Mensch seine Arbeit als völlig sinnerfüllt sähe, weil er sie ‚wirklich wirklich‘ gerne machte?

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Die öffentliche Verwaltung in der VUCA-Welt: Sprechen wir über Megatrends!

Hier geht es zur Umfrage: https://wp.me/P7fSNe-2Ku

Dass irgendwann eine globale Pandemie kommen würde, war unter Fachleuten unumstritten. Schon 2012 lagen dem Deutschen Bundestag dazu Warnungen vor. Aber diese Vorausschau hatte keine Wirkung. In der Öffentlichkeit wurde darüber nicht gesprochen, und in der Folge fand keine Vorsorge statt. Daseinsvorsorge ist aber die Aufgabe der öffentlichen Verwaltung.

Jetzt droht die Gefahr, dass gerade durch die Pandemie andere grundlegende Risiken aus der öffentlichen Diskussion verdrängt werden und uns auf einmal disruptive oder gar katastrophale Ereignisse erneut unvorbereitet überraschen. Grund genug für Agilisten, sich mit diesen „Megatrends“ zu beschäftigen. Weiterlesen „Die öffentliche Verwaltung in der VUCA-Welt: Sprechen wir über Megatrends!“

Krise für Fortgeschrittene

Die Corona-Pandemie hat in kurzer Zeit mehr in Bewegung gebracht als je eine politische Bewegung, ein Gesetz oder ein Krieg. Sie hat die Welt verändert – und sie hat uns alle bewusster gemacht für die Gegenwart, für das „Jetzt“. War das Jahr ein besonders intensives Training in Sachen Agilität? Welches Fazit können wir ziehen?

Ein Beitrag von Ursula Brummack und Christine Gebler, Foto von Gerd Altmann/pixabay

Was für ein Jahr… Wer bisher nicht darin geübt war, Situationen so zu nehmen, wie sie kommen, der war dieses Jahr mitunter gezwungen, die Kontrolle abzugeben. Wir alle mussten flexibel bleiben und uns darauf einlassen, morgen andere Entscheidungen zu treffen, als sie einen Tag zuvor sinnvoll gewesen wären. Wer bisher nicht wusste, was man unter der VUKA-Welt versteht, der weiß nun, wie es sich anfühlt, denn wir alle sind derzeit Teil davon: Während die Infektionsraten sich auf ungeahnt hohem Niveau bewegen, ist ungewiss, ob man sich das Virus selbst auch einfängt, ob die Corona-Maßnahmen überhaupt helfen und wie die Situation in drei Monaten sein wird. Das Infektionsgeschehen ist nicht nur global, sondern selbst regional komplex und die Situation wirkt sich bis ins persönliche Umfeld aus, auf einige positiver als gedacht, auf Andere katastrophal.

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Agil unterwegs sein. Ein Gespräch über ausgetretene und neue Wege, Stand- und Fluchtpunkte und Freiheit als unsere Notwendigkeit

Wolf:
Liebe Veronika, wir haben uns  hier gemeinsam an den virtuellen Tisch gesetzt, um uns über Freiheit zu unterhalten. Was bedeutet für uns Freiheit? Wie ist sie privat und persönlich konnotiert? Wie beruflich und im Team?

Ich denke meistens in der Unterscheidung “Freiheit von” und “Freiheit zu”.

Eine große Energie bringt mir immer der Gedanke der “Freiheit von”: mich befreien von den Zwängen der all-verwalteten Welt. Ausbrechen. Losfahren. Aufsteigen. Von hohen Schwimmtürmen springen. Wellenreiten. Kein Ziel vor Augen, nur den Weg entdecken und bahnen.
Und dann gehts nicht lang, und ich merke, dass ich den gebahnten Weg vermisse. Dass nach der ersten Stunde des Losfahrens der Zauber verfliegt

Vero:
Lieber Wolf. Der Aufschlag zu diesem Dialog war ja meine Mitteilung, dass ich meine Wohnung auflöse und ins Wohnmobil ziehe. Ganz nomadisch und ambulant unterwegs. Wände abbauen und Grenzen ignorieren. (OK, arbeiten muss ich trotzdem noch). Wie die meisten hast auch du mit offenem Mund reagiert. Viele Reaktionen mündeten rasch in die Nachfrage, ob ich keine Angst habe, wie mutig das denn sei und ob ich wirklich die Sicherheit meiner vier Wände einfach aufs Spiel zu setzen bereit wäre.
Für mich ist Freiheit, dass ich nicht mehr als irgend nötig in fixen Wegen, Wänden, Orten, Routinen und Gegebenem stecke.

Damit mir eins möglich bleibt: Gelegenheiten wahrnehmen. Merken, wenn sich ganz spontan und neu und neugierig etwas auftut und mich zum überrascht werden einlädt.

Und für diesen Teil der inneren und äusseren Freiheit sind mir Sicherheit und Geborgenheit im Bekannten weniger wichtig als das Entdecken und Erforschen. Das gibt mir Freiheit in mir. Und die schätze ich hoch.

Wolf:
Oh, liebe Veronika, das mit der Freiheit in mir kann ich sehr gut nachvollziehen. Das Loslaufen, das mir so wichtig ist, bedeutet ja zuerst einmal: sich freizugeben. (Selbst wenn es so etwas Ritualisiertes wie “Urlaub” ist, muss ich mir den ja erstmal “nehmen”.) Aber die Freiheit “in mir” drängt ja nach aussen, sie kann nicht in sich bleiben. Sie muss in die Welt gehen – das ist der westliche Weg, denke ich.

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VUKA und die Große Verschwörung

Auf noch unvorsehbarere Art als das üblich Unvorhersehbare hat die Corona-Pandemie den VUKA-Charakter der Welt ins Bewusstsein gehoben: dabei steht V für  Volatilität = Unbeständigkeit, U = Unsicherheit, K = Komplexität, A = Ambiguität = Mehrdeutigkeit. Wie bei anderen derartigen Ereignissen – 9/11, Lehman Brothers und Finanzkrise, Ukraine-Konflikt, Klimakatastrophe – schießen in den Social Media nun auch diesbezüglich Verschwörungstheorien ins Kraut. Was bedeutet das komplexe (!) Verhältnis von VUKA und Verschwörungsdenken aus agiler Sicht? Weiterlesen „VUKA und die Große Verschwörung“