Agilität und kommunale Selbstverwaltung – ein starkes Paar

Es gibt eine These, die ich gerne mal in die Runde rufen möchte:

Agilität ist Teil des „genetischen Codes“ der kommunalen Selbstverwaltung. Die agile Verwaltung unterstützt bei der Rückbesinnung der Grundidee der kommunalen Selbstverwaltung.

Um zu begründen, wie ich zu dieser These komme, werfe ich zuerst einmal einen Blick auf den Begriff der kommunalen Selbstverwaltung und danach auf das Verständnis von Agilität, wie es im agilen Manifesto der Softwareentwicklung, die für mich der Maßstab für Agilität ist. Für mein Dafürhalten gibt es zwischen den Begrifflichkeiten deutliche Überschneidungen, wobei ich vorausschicken möchte, dass ich auch der Auffassung bin, dass heute – zumindest nach innen – der Geist der kommunalen Selbstverwaltung in den wenigsten Rathäusern gelebt wird und der Verwaltungsapparat sich von dem Ideal entfremdet hat.

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Aus der agilen Methodenkiste: Sinn und Zweck des Reviews und der Retrospektive

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Quelle: wikimedia.org, Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.

In der Praxis beobachte ich öfter, dass der Unterschied zwischen Retrospektive und Review am Ende des Sprints nicht immer klar und eindeutig ist. Auch erschließt sich der Sinn der beiden Formate nicht immer. Gerade agile „Neulinge“ tun sich offenbar schwer, nachzuvollziehen warum der Blick auf die Teamzusammenarbeit (Blick nach innen) und der Blick auf das Ergebnis (Blick von außen) in zwei getrennten Besprechungsformaten stattfindet. Dazu kommt die Versuchung, Zeit zu sparen, indem auf eines der beiden Formate verzichtet wird. Weiterlesen „Aus der agilen Methodenkiste: Sinn und Zweck des Reviews und der Retrospektive“

Denke ich an E-Government in der Nacht, bin ich (fast) um den Schlaf gebracht

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Es gab und gibt eine Vielzahl an E-Government-Initiativen in Deutschland, aber keine bisher wirklich durchschlagenden Erfolge. Deutschland wird in den einschlägigen Rankings regelmäßig auf die hintersten Plätze verbannt. Hoffnungen werden – bei Bürger und Mitarbeitern – geweckt, um dann doch wieder enttäuscht zu werden.

Einige Beispiele

Der „neue“ Personalausweis wird seit dem November 2010 ausgegeben. Auf dem Ausweis befindet sich eine elektronische Signatur im Sinne der eiDAS-VO, die auch für Behördengänge genutzt werden kann. Doch nur sehr wenige verwenden die Möglichkeiten im Alltag. Wer schafft sich schon ein teures Lesegerät an, wenn er  dieses kaum nutzen kann? Es fehlt schlicht und ergreifend seit Jahren an einer nennenswerter Zahl umgesetzter alltagstauglicher Anwendungsszenarien. Weiterlesen „Denke ich an E-Government in der Nacht, bin ich (fast) um den Schlaf gebracht“

Agilität in der Verwaltung – Fokus nicht nur auf den Kunden, sondern auch auf den Anwender

Spätestens seit dem „Neuen Steuerungsmodell“ Mitte der 90er ist der Kundenbegriff fester Bestandteil des Repertoires der öffentlichen Verwaltung geworden. Moderne Verwaltungen streben Dienstleistungs- und Kundenorientierung an. Und dennoch ist der Begriff des Kunden und seine Anwendbarkeit in der öffentlichen Hand nicht unumstritten. Cornelia Vonhof hat bereits in einem vergangenen Blogpost das Thema aus Sicht der Bürgerorientierung näher beleuchtet und auf die Problematik des Kundenbegriffs, wie er im Neuen Steuerungsmodell angewandt wird, hingewiesen.

Auch die Prinzipien des Agilen Manifests und agile Managementrahmen wie Scrum nutzen den Begriff des Kunden, allerdings zumeist im weiteren Sinne, indem sie zusätzlich den Nutzer bzw. Endanwender – implizit – einbeziehen. Diese Erweiterung kann auch der öffentlichen Verwaltung helfen, sich mit dem Begriff des Kunden auszusöhnen und die mit der Anwendung des Kundenbegriffs verbundenen Herausforderungen lösen.

Der Kundenbegriff – eine Definition

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert den Kunden als „tatsächlicher oder potenzieller Nachfrager auf Märkten. Kunden können Einzelpersonen oder Institutionen (organisationales Kaufverhalten) mit mehreren Entscheidungsträgern sein.“ (Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kunde-37108/version-260551)

Die Kundenbeziehung ist nach dieser Definition durch eine Wirtschaftsbeziehung basierend auf Leistung und Gegenleistung gegründet, die auf einem Markt geknüpft wird. Es findet also ein ökonomischer Tausch statt, bei dem der Kunde für eine Leistung bezahlt und der auf einem Aushandlungsprozess basiert. Der Kunde ist also derjenige, der „bezahlt“ und in die Rolle des Auftraggebers tritt.

Der Kundenbegriff in der öffentlichen Verwaltung

Basierend auf der Definition wird klar, warum der Kundenbegriff sich in der öffentlichen Verwaltung so schwer tut. Weiterlesen „Agilität in der Verwaltung – Fokus nicht nur auf den Kunden, sondern auch auf den Anwender“

Scrum als Rahmen für bürgerschaftliches Engagement

Warum gerade Scrum für bürgerschaftliches Engagement geeignet ist, möchten wir im Folgenden aufzeigen. Dazu lohnt ein Blick darauf, was bürgerschaftliches Engagement ist und unter welchen Rahmenbedingungen bürgerschaftliches Engagement überhaupt entstehen bzw. gedeihen kann. Im Anschluss werden wir zeigen, warum Scrum für bürgerschaftliche Projekte geeignet ist und helfen kann, bürgerschaftlichem Engagement einen professionellen Rahmen zu geben, ohne in die Motivation der Engagierten einzugreifen. Weiterlesen „Scrum als Rahmen für bürgerschaftliches Engagement“

Lean, Agile und Unternehmensdemokratie – was hat das mit öffentlicher Aufgabenerfüllung zu tun?

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Freiwillige Feuerwehr Wörth an der Donau, Quelle: wikimedia Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright

„Was hat Lean Management, agile Methoden und Unternehmensdemokratie – das verträgt sich doch alles nicht mit einem öffentlichen Auftrag“, war vor nicht allzu langer Zeit eine Aussage, die zu hören bekam, als ich in einem Gespräch auf das Forum Agile Verwaltung gekommen bin. Ist dem wirklich so? Wir vertreten beim Forum Agile Verwaltung eine gegensätzliche These und meinen sogar, dies unmittelbar aus der Praxis untermauern zu können. Anhand einer typischen öffentlichen Aufgabe wohlgemerkt: den Feuerwehren. Die Feuerwehr gehört zu den kommunalen Pflichtaufgaben (entsprechende landgesetzliche Regelungen in den jeweiligen Bundesländern – die sogenannten Feuerwehrgesetze regeln diese). Damit gehört die Feuerwehr zu den Aufgaben, die eine Stadt oder Gemeinde erfüllen muss und auch tatsächlich auf sehr hohem Niveau in aller Regel erfüllt. Und was noch viel erstaunlicher ist, die Kommunen erfüllen die Aufgabe mit Freiwilligen Feuerwehren, die sich dabei auf Freiwillige, soll heißen: ehrenamtlich tätige Männer und Frauen, stützen, die hierfür ihre Freizeit opfern.

Schauen wir uns einmal die Freiwillige Feuerwehr näher an. Was nämlich vielen gar nicht bewusst ist, sind eben diese ein Lehrstück dafür, wie öffentliche Aufgabenerfüllung mit den Ideen agiler Verwaltung harmoniert. Auf den ersten Blick haben wir es bei den Freiwilligen Feuerwehren mit straffen und hierarchischen Strukturen zu tun. Doch der Eindruck täuscht. Weiterlesen „Lean, Agile und Unternehmensdemokratie – was hat das mit öffentlicher Aufgabenerfüllung zu tun?“

KVP und Kaizen – die Geisteshaltung macht den Unterschied

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Kaizen – Quellennachweis: von Majo statt Senf [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], Wikimedia Commons

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) und Kaizen – für viele sind die Begriffe identisch. Ich persönlich differenziere etwas und bemühe mich Kaizen in seinem ursprünglichen Kontext zu verstehen – obwohl ich alles andere als ein Experte für die japanische Kultur bin. Weiterlesen „KVP und Kaizen – die Geisteshaltung macht den Unterschied“