Hattie & agil for future

Ich erzähle hier für unsere Blog-Leser:innen diese unendliche Geschichte der Hattie-Studie wieder einmal ein Stück weiter. Denn die Studie wird ja ebenfalls kontinuierlich weitergeschrieben. Inzwischen  ist John Hattie mit seinem Team bei über 300 Faktoren aus 1600 Meta-Analysen angekommen. 

Schon 2013 mit damals über 800 Meta-Analysen, die auf über 50.000 Einzelstudien und rund 200 Millionen Lernende zurückgriffen, wirkt die in Deutschland viel bekanntere PISA-Studie mit rund 9 Millionen Lernenden doch sehr bescheiden.

Ich bin immer sehr gespannt, welche Erkenntnisse bei Hattie Jahr für Jahr hinzukommen … und stelle jedes Mal fest: Die tatsächlich wirkungsvollen Faktoren für gelingende Schule liegen einfach nicht bei Dingen wie Klassengröße oder geschickter Methodik. Sie liegen immer wieder dort, von dem die meisten von uns in ihrer eigenen Schulzeit sehr viel vermisst haben. Weil wir alle dachten, so wäre eben Schule. Nein, sage ich mal so flapsig vor mich hin, Schule könnte sich tatsächlich ändern. Darf es , sollte es, muss es.

Ich habe einige neue Zeichnungen für Sie dazu gekrazelt. Viel Spaß beim Betrachten der Visualisierungen und dem parallelen Vergleich mit Ihren eigenen Schulerfahrungen. Sie werden häufig ganz wild nicken. Behaupte ich.

Und ja, es geht bei Hattie immer „nur“ um Schule, aber damit um ein äußerst wichtiges und so wertvolles Stück Leben von jedem von uns. Wie wunderbar wäre es doch, wenn Schule nicht mehr ein dauerhaft nervenaufreibendes Reizthema in ungezählten Familien sein müsste. Und als so häufig nicht aufgearbeitetes kleines oder großes Trauma lebenslang weiterleben würde. Ein Leben ohne diese eigene kleine Ohnmacht, die aus vielen von uns kriecht – ohne dass wir es realisieren – wenn wir über Schule sprechen.

Dieses Bild soll vermitteln, wie man diese „Effektstärken“ in der Hattie-Studie ein wenig besser verstehen kann. Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären in einer Klasse „groß geworden“, wie sie im unteren Beispiel visualisiert ist. Denken Sie an das damit entstandene Selbstbewusstsein. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten mit Ihren Lehrer:innen zusammen Ihre eigene Bildung organisiert. Selbstbewusstsein hat eine extrem lange Lebensdauer, die Schulnoten überhaupt nicht. Oder würden Sie sagen, Ihre früheren Schulnoten hätten etwas mit Ihrer heutigen beruflichen Kompetenz zu tun? Solide Grundlagen legen – logisch. Notwendig. Noten als Wegweiser. Aber mehr?

Es tauchen immer mehr Faktoren in dieser weltweit größten Bildungsstudie auf. Die wirksamsten davon sollte man sich dringend genauer ansehen, wenn man Schule zukunftskompatibel verändern will. Bei Mediziner:innen käme übrigens niemand auf die Idee, wissenschaftliche Studien zu ignorieren und Patient:innen so zu behandeln, wie man das doch schon vor 30 Jahren erfolgreich gemacht hat. Keine Krankenkasse würde dafür bezahlen.

Hier habe ich die wirksamsten Faktoren erfolgreichen Unterrichts aus der Studie einmal aufgelistet. Und dann als eigene Ebene visualisiert. Und mit einigen agilen Grundaussagen verknüpft. Ziehen Sie bitte selbst Ihre eigenen Schlüsse. Noch einmal zur Erinnerung: Es handelt sich bei der Hattie-Studie um die größte wissenschaftliche Studie weltweit zum Thema erfolgreiche Bildung. Dass die wesentlichen Aussagen noch immer nicht überall im Unterricht unserer Kinder zentral angekommen sind, ist beinah peinlich. Aber es wird sich ändern müssen und wird sich deshalb auch ändern.

Eben mit etwas Verspätung. 🙂

Es kamen auch in den neuen Erweiterungen der Hattie-Studie keine wirklich neuen Aussagen über die Art der „Spitzenplätze“ hinzu. 2013, 2018, 2020: Starke Bildung und damit die höchsten Effektstärken belegen immer Faktoren, die am Ende doch ganz viel mit agilem Mindset zu tun haben. Gute Bildung ist schlicht Zusammenarbeit. „Simple, not easy“ meint Prof. Dr. Dr. Christof Arn, einer der Gründer der Hochschule für agile Bildung in Zürich. (Sorry, Christof Arn legt natürlich keinen großen Wert auf seine Titel … ich nutze es aber hier als Stilmittel: Vielleicht erreiche ich damit ein paar mehr Menschen für unser Anliegen, dass sich in der Ausbildung unserer Kinder massiv etwas ändern muss. Auch in den Ansichten aller an Bildungsprozessen Beteiligten. Also bei Bildungsbehörden, Lehrpersonen, Schüler:innen und auch Eltern. :-))

In Visible Learning 2020 fasst Klaus Zierer die Voraussetzungen für erfolgreiche Lehrpersonen zusammen. Vertiefung hier: https://www.kas.de/de/einzeltitel/-/content/visible-learning-2020

Ich habe es ergänzt durch die Seite der Lernenden, die bei agilen Bildungsansätzen eine wesentliche Rolle spielen. Denn die Hattie-Studie kann diesen Aspekt natürlich nicht erfassen, weil bei den 1600 Meta-Analysen zum überwiegenden Teil keine Schulen mit agilem Setting unter die Lupe genommen wurden. 

Irgendwann einmal wird die Hattie-Studie, sollte es sie dann noch geben, mein letztes Bild beweisen.

Behaupte ich. 🙂


Deshalb hier mein Schlussbild für heute: Wundervoll ist es ja schon einmal, wenn man die grünen Steine der Studie – die mit den höchsten Effektstärken – an manchen Schulen in manchen Klassen bei manchen Lehrer:innen schon heute erleben darf. Richtig agile Schule, also breit existierende echte Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Lehrenden, ist die Zukunft der Bildung, die man dort schon ein wenig schnuppern kann.

Wenn man neben die Grundaussage von John Hattie: Auf die Lehrenden kommt es an – also wie sie agieren … die Aussage stellt: Auf die Lehrenden und Lernenden kommt es an – also wie sie zusammen agieren, dann wird ein agiler Schuh draus.

Gruß

Ihr Heinz Bayer – Hochschule für agile Bildung in Zürich

alias Otto Kraz



Autor: Heinz Bayer

Forum agil lernen und lehren - www.aufeigenefaust.com Team Weiterbildung - Hochschule für agile Bildung - hfab.ch

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