Agiles Lernen und Lehren – Eindrücke vom Kennenlerntreffen am 6. Juli 2017

„Eigentlich schade“, denke ich nach dem Zusammentreffen von Menschen aus Schule, Hochschule, Verwaltung und Industrie in Stuttgart – Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren stand in der Einladung.

„Eigentlich schade, jetzt kann ich den Sack voller Eindrücke und neuer Ideen gar nicht direkt anwenden. Befinde ich mich doch seit zwei Jahren im Unruhestand.“ Aber ich denke auch: „Wie großartig, dass ich viele pädagogischen und damals für viele scheinbar verrückten Ansätze, die ich in meinen 35 Jahren als Gymnasiallehrer ausprobieren durfte, jetzt auch benennen kann.“

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu ¬begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan“, war schon vor 20 Jahren die Grundaussage unseres Teams für den außerunterrichtlichen Bereich. Was haben wir da alles zusammengescrumt.

Und ich höre am Donnerstag zufrieden dem Vortrag über eduScrum zu und denke: Wie wunderbar, es gibt noch viel mehr Menschen auf dieser Welt, die das Ausprobieren zur Maxime erheben. Die sagen, dass man Lernprozesse nicht langfristig planen kann und dass man die Lernenden selbst viel mehr ins Boot und damit in die Verantwortung ziehen muss.

Augenhöhe ist ein Begriff, der immer wieder fällt. Selbstbestimmtes Lernen, Scrum, Sprint, Review, Backlog. Ich selbst kenne diese Begriffe übrigens erst seit 6 Monaten. Ich staune über die Vielfalt der Beiträge von Hochschule, Schule, Verwaltung und betrieblicher Ausbildung und finde: Sehr, sehr großartig, dieses Ding mit dem Attribut agil. Der Möglichkeiten viele und immer die Aussage im Hinterkopf: Agil ist Haltung, Scrum ist Augenhöhe.

 

Ich bin nach 35 Schuljahren mit großer Zufriedenheit über diese 35 Jahre in den Unruhestand gegangen. Nach der Veranstaltung in Stuttgart habe ich gedacht: Gesund, entspannt und zufrieden, weil ich immer wieder irgendwie und irgendwas gescrumt habe. Scrumen durfte, weil ich immer Schulleiter hatte, die uns machen ließen. Ausprobieren, was geht und was weniger. Gesund und zufrieden, weil Schule ein großartiger Lebensort ist, speziell wenn man die üblichen Bahnen verlässt, sich auf Unbekanntes einlässt und die Schüler&innen als zukünftige Leistungsträger sieht.

Ich drücke nach diesem ersten Treffen mit fast 20 ebenso wie ich agil Angesteckten ganz doll die Daumen, dass sich dieses Denken in die deutschen Schulen und Hochschule schleichen kann – auch in die Verwaltungen und in die beruflichen Ausbildungszentren. Als eine Möglichkeit, effektiver und zufriedener für Lehrende und für Lernende dem starken Lernen eine Bahn zu brechen.

Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren in Stuttgart. Dieser Tag hat sich mehr als gelohnt. Von meiner Seite aus ein großes Dankeschön an alle Beteiligten.

(Zur Dokumentation hat Veronika Lévesque eine Fotostrecke zusammengestellt, die findet ihr hier.)