Agiles Lernen und die Hattie-Studie

Hattie sagt Ihnen etwas, oder? Der neuseeländische Professor, der in Australien forscht und lehrt und eine riesigen Studie darüber herausgebracht hat, was eigentlich wirklich effektiv beim Lernen ist. Lernen, das ist so eine völlig verrückte Sache. Da gibt es Experten noch und noch.

Spüren Sie einmal in sich hinein und Sie werden merken: „Ja klar bin ich ein Experte. Ich habe da so ein starkes Bauchgefühl, was für meine Kinder oder Enkel das Richtige ist.“ Vor 50 Jahren haben auch Ärzte meist so behandelt. Aus dem Bauch – ausgestattet mit viel Erfahrung. Heute käme kaum ein Arzt mehr auf die Idee, entgegen wissenschaftlichen Studien seine Patienten zu behandeln.

Eltern, Großeltern, Lehrer/innen und Bildungsbehörden machen das noch immer. Aus dem Bauch der Erfahrungen schöpfen. Anstatt z.B. einmal die Hattie-Studie auf Schule und Hochschule anzuwenden. Dann würde sich Schule rasant ändern müssen. Dann würde Schule in die agilen Startlöcher gehen. Denn Hatties Metastudie zeigt ganz klar: Am effektivsten ist Schule und Hochschule und Lernen allgemein mit einem agilen Mindset. Wir vom Forum agil lernen und lehren haben dazu unser zweites Magazin herausgebracht. Helix 2.

Helix 2 Titelblatt

Klicken und blättern. Als pdf auch auf https://www.aufeigenefaust.com/

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Wollen wollen agil trainieren

oder – Die Sache mit der GymnasialempfehlungLogo

Wenn man einen Enkel hat, der in der 4. Klasse seiner Arbeit nachgeht und von Elternabenden erzählt bekommt, erinnert man sich als alter Schulmeister schnell daran, wie viel Aufregung in der Luft um diese armen jungen Menschen liegt und wie diese Aufregung den Lebensfokus ganzer Familien verändern kann. Sollten Sie also im Freundes- und Bekanntenkreis jemand kennen, dessen Sprößling sich mental auf den Wechsel zur weiterführenden Schule vorbereitet und damit die ganze Familie in Alarmstimmung versetzt, dann verschicken Sie doch einfach den Link zu diesem Artikel – vielleicht wird man Ihnen später heftig dafür danken. 🙂 Aber natürlich ist das hier beschriebene Prinzip Wollen wollen eine Sache für alle Lernenden – bis ins hohe Alter.

Um was geht es?

Ich habe als Unterstufenberater am Faust-Gymnasium Staufen viele Jahre diesen Übergangsprozess von 4 nach 5 begleitet. Habe den Kontakt mit den Viertklasslehrer/innen gepflegt, den Viertklässler/innen unser Gymnasium gezeigt und ihnen das wesentlich Neue im Vergleich zur Grundschule erklärt. Ihnen speziell erklärt, dass sie lernen müssen, selbst zu laufen. Und dass sie dafür „wollen wollen“ müssen. Man nennt das Ding sonst „gute Arbeitshaltung“, aber wenn man Viertklässlern erklärt, sie müssten am Gymnasium eben nur die richtige Arbeitshaltung mitbringen, dann ist das zu abstrakt. „Ich muss wollen, dass ich will“ beschreibt es für Schüler/innen besser.

Wollen wollen kann man trainieren. Weiterlesen „Wollen wollen agil trainieren“

The Gardener Metaphor for Leadership

Alle Jahre wieder muss ich das Pflanzenbetröpfelungs- und Besprenkelungssystem unseres Gartens neu ausrichten, weil der jedes Jahr wieder etwas anders aussieht. Klar, es ist natürlich immer der gleiche Garten und es gibt viele Pflanzen, die ich schon kenne – Sie müssen wissen, ich bin nur der wassertechnische Assistent, meine Frau ist zentral in der Leitung der Organisation. Wer als Pflanze in unseren Garten darf, wer sich ausbreiten soll und wer zurückgeschnitten gehört, wer wo steht und wer viel und wer weniger Wasser bekommen sollte, das hat die Leitung ungefähr im Blick. Aber am Ende braucht es jedes Jahr das direkte Feedback der Pflanzen, nachdem ich mir für jede die richtige Bewässerungsmethode ausgedacht und Leitungen neu verlegt habe. Mein Werkzeug ist sehr vielfältig. Ich habe Ihnen mal ein Foto meines Werkzeugkastens beigefügt. Manche Pflanzen kann man breit zusammen mit anderen besprengen, manche brauchen Einzelbedröppelung, andere brauchen nichts, da reicht schon der Regen, der spärlich fällt, weil sie lange schon angewachsen und tief verwurzelt sind. … Ich denke, Sie ahnen, worauf ich hinaus will.

Ich habe gerade einen Blogbeitrag gelesen: The Gardener Metaphor for Leadership von Pia-Maria Thorén und musste an unsere Bewässerungsanlage denken.

garten

Frau Thorén vergleicht die Vielfalt eines Gartens mit einer Organisation. Sie schreibt:

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MATHE AGIL

Ich war vor meiner Pensionierung Physik- und Mathelehrer und eine der häufigsten Aussagen, die man mir entgegnete und noch immer entgegnet, wenn ich nach meinen früheren Fächern gefragt werde, lautet: „Oh je, in Mathe war ich immer schlecht.“ … und seit Jahrzehnten versuche ich, dieser falschen Aussage die richtige entgegenzustellen: „Sie können gerne sagen, dass Sie schlechte Noten in Mathe geschrieben haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass Sie schlecht in Mathe waren … oder noch heftiger, dass Sie schlecht in Mathematik sind.“

Lücken- Mathe

Liebe Leser/in. Gehen Sie selbst einmal in sich. Wie war das damals in Mathe? Gehören Sie auch zu denen, die tief innen drin dieses mathematische Ohnmachtsgefühl aus der Schulzeit noch immer mit sich herumtragen? Dieses kleine Schämen, dass man diese Mathe damals oft überhaupt nicht geblickt hat? Dieses innere doofe Unwohlsein, wenn Sie auch heute noch im hohen Alter einen Mathelehrer treffen? Diese Hilflosigkeit, wenn Sie an Mathe in der Mittelstufe denken? Obwohl das doch so lange her ist? Wenn Sie nicht zu denen gehören, die sich beim Stichwort Mathematik und Schule irgendwie klein fühlen, dann seien Sie froh.

All die anderen würde ich gerne von dieser vollkommen unnötigen Last befreien, die einzig und allein daher kommt, weil Sie in einer normalen Schule in einen normalen Matheunterricht gegangen sind und nicht in eine agile Schule mit einem agilen Matheunterricht.

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Der agile dritte Raum

„Third Space in Hochschulen – Ein Raum für neue Aufgaben

Neue akademische Handlungsfelder und professionelle Rollen von Akademikern haben in vielen Hochschulen einen Raum hervorgebracht, der weder im Kernbereich von wissenschaftlicher oder künstlerischer Lehre und Forschung noch in der Administration oder in der Hochschulleitung angesiedelt ist. Dieser Raum wird – in Anlehnung an soziologische Theorien (Salden 2013) – als Third Space bezeichnet. …“

( aus wissenschaftsmanagement.de 1/2015 )

Third Space

Als ich im letzten Jahr als Chronist einer Tagung zum Thema Third Space an der FH Muttenz eine Zusammenfassung des Tages entwickeln sollte, habe ich mich dem mir neuen Begriff genähert, indem ich ihn aus dem Hochschulbereich in die Schule „übersetzt“ habe. Als Science Fiction, denn mit einem schulischen agilen Third Space würde Schule einen riesigen Schritt in Richtung Zukunft und in Richtung zufriedene Lehrer/innen und damit auch Schüler/innen machen können – das wurde mir recht schnell klar.

Es war einmal einmal vor ziemlich vielen Jahren.

Ein Science Fiction, der schon morgen in Baden-Württemberg und auch anderswo stattfinden könnte, würden Gelder dafür in die Hand genommen.

Wilde agile schulische Fantasien von Otto Kraz

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Die Helix und das agile Forschen

Upps, stimmt ja, ich stehe schon wieder auf dem Blog-Plan … und trete heute auf die Schnelle mit einer kleinen agilen Geschichte aus dem Alltag an. Schülerforschungszentrum Freiburg. Brennstoffzelle. Zukunft pur. Den Fachleuten der Zukunft über die Schulter gucken. Mein Part war es, ein Schülerforschungs-Projekt als agiler Beobachter bei Teambildung, Prozessentwicklung und Ablauf zu begleiten. Kein bestimmtes Ziel, eher die Idee, einen Blickwinkel einzunehmen, den man normalerweise als Lehrer niemals hat, weil man keine Zeit für solche speziellen Beobachtungen besitzt. Unsere Fragestellung: Wie viel Agilität kann man in einem „normalen“ Kurs für naturwissenschaftlich interessierte Schüler/innen unterbringen, bei dem von vorneherein als wesentliche Grundlage die agile Haltung schon mal genau passte. Ich habe mein Fazit in einem kleinen Film festgehalten: Es passiert schon ganz viel Agiles, wenn man Schüler/innen möglichst freie Möglichkeiten bietet, sich in ihrem Tempo zu entwickeln, sich auszuprobieren, ihre Fähigkeiten zu erfahren, zu experimentieren, zu forschen, sich zu fordern, auch ohne dass man es in einen konkreten agilen Rahmen packt. Für die Stärksten war der zusätzlich angebotene agile Rahmen leicht umsetzbar, für die anderen müsste er vorher in Ruhe entwickelt werden, um die zusätzlichen Vorteile gegenüber dem ungeplanten agilen Forschen für sie begreifbar zu machen. Auf unserem eigenen „agilen Kanal“ haben wir vom Forum agil lernen und lehren die Sache übrigens schon früher unter dem Stichwort Freiraumforschung vertieft. Helix 1Helix 2Helix 3

Mit den besten Grüßen aus der Zukunft – Heinz Bayer

Was für ein Bildungswahnsinn – aber eduScrum&Co könnten ihn lösen

Schwimmen gesamt

Darf ich Sie zu einem kleinen Gedankenspiel einladen? Stellen Sie sich vor, Sie landen im Rahmen einer Bildungsreise auf einem anderen Planeten, auf dem es eine zentrale und klare bildungspolitische Ansage gibt.
Sie lautet: Wer sein Leben meistern will, der muss gut schwimmen können.

Dann lernen sie das Schulsystem dieses Planeten kennen, das mit vier Jahren Vorschule und acht Jahren Schule arbeitet.

In der Vorschule lernen ganz viele Schüler/innen ziemlich gut schwimmen, allerdings jedes Kind mit seinem ganz eigenen Lerntempo. Was auch logisch ist, weil die Planetenbewohner naturgemäß unterschiedlich schnell schwimmen lernen.

In der „richtigen“ Schule konzentriert man sich dann darauf, dass alle Schüler/innen einigermaßen gleich schnell vorwärts kommen, weil es ja jedes Jahr ein Zeugnis gibt und in acht Jahren die Schulabschlussprüfung – und deshalb holt man alle Schüler/innen auf ein gemeinsames Boot. Acht Jahre lang wird im Unterricht immer wieder nachdrücklich darauf hingewiesen, wie wesentlich Schwimmen für das ganze Leben ist. Nur sei im Moment leider keine Zeit dafür. Die Aussage von Lehrpersonen – „Wir müssen eben alle erst einmal auf einen gemeinsamen Wissensstand bringen“, die Sie oft zu hören bekommen, scheint eine beinah kultische Bedeutung zu haben.

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