Ein Entscheid kommt [selten] nie allein …

„Entscheidungen kann man nicht delegieren.“
„Jemand muss entscheiden und die Verantwortung tragen.“
„Am Gipfel der Entscheidungen ist es einsam.“
„Am Ende ist es der Chef / die Chefin … .“

In hierarchisch strukturierten Organisationen sind solche oder ähnliche Maximen immer wieder zu hören. Sie implizieren, dass im Entscheidungsmoment die Last auf einem Paar Helden- oder zumindest Führungsperson-Schultern schwer aufliegt und das Unvermeindliche jetzt passiert. Und dann quasi gottgegeben ist. Gleichzeitig sind wenige Dinge ähnlich konfliktträchtig wie Entscheide…
für die, die sie fällen (müssen) und für die, die sie nicht fällen (durften)…

Und oder aber ist es nicht vielmehr so:
Jede Entscheidung ist per se immer unklar. Andernfalls würden wir nicht entscheiden müssen, weil ja Eindeutigkeit herrscht…
Entscheide sind nie richtig oder falsch – denn wir werden nie erfahren, was passiert wäre, wenn wir anders entschieden hätten – ob es richtiger oder falscher gewesen wäre. Richtig und falsch sind keine tauglichen Masseinheiten für Entscheide. Wir machen es uns damit unnötig schwer.

Eine von vielen möglichen Antithesen zu den obigen Mythen möchte ich mal anbieten:

a. Entscheide sind einer von vielen Prozessschritten auf dem Weg von einem Anstoss zu ihrer Umsetzung. Und die Entscheide sind nicht mehr oder weniger wichtig als die anderen Schritte. Sie sind Teil einer Ereigniskette. Ganz grob könnte eine solche Kette so beschrieben werden:

Etappe 1 – Entscheidanbahnung:
Idee / Anliegen / Vorhaben oder Auftrag –> Informations- und Expertisesammlung –> Informationsverteilung / Kommunikation

Etappe 2 – Entscheidfingung:
Meinungsbildung –> Meinungsvertretung –> Meinungsanpassung

Etappe 3 – Entscheidfällung
Entscheidprozessklärung –> Entscheidfällung

Etappe 4 – Entscheidungsum- resp. -durchsetzung
Realisierung des Entschiedenen, Integration in den Kontext

Hinter jeder der Etappen und Schritte darin liegen Handlungsmöglichkeiten, die über blinde Hierarchieverantwortung hinausgehen können.

Weitere Antithesen sind möglich…
Zum Beispiel b. Einsame Entscheide müssen nicht sein.
Man nehme die Schweiz. Quizfrage: Wer ist in der Schweiz Bundeskanzlerin? Die Antwort findet sich hier. Kollektiv-, Gremien- oder Konkordanzentscheide sind echte, bewährte und abgestützte Alternativen.

Wer mag, kann an der Konferenz Agile Verwaltung am 25. September in Ettlingen in einem der Workshops mit anderen Interessierten daran weiterdenken. Ich würde mich freuen ….

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