Über all ist Tanaland … oder, warum selbst Experten mit guten Absichten scheiterten

Bild: World Cyber Games – Singapore 2005 (Wikipedia)

Eine der wichtigsten Fragen, die sich für den wirklich aufgeklärten und (relativ) objektiven & kritischen Betrachter in unserer Gesellschaft stellen muss, ist die, warum viele Menschen motiviert sind, etwas wirklich zu verändern und trotzdem jeder Einzelne daran scheitert.
Oder warum sind Hilfsorganisationen, wie Tierschutzorganisationen oder „Essen für die Welt“ etc. wenig erfolgreich?
Manche behaupten gar, dass trotz dieser Vielzahl an Organisationen die Situationen nicht besser wurden bzw. dass sie die katastrophalen Ausmaße unserer menschlichen Zivilisation weder stoppen konnten, sondern im Gegenteil, deren Entwicklung in den letzten Jahren gestiegen ist.

Ganz einfach: Überall ist Tanaland!

Dietrich Dörner mache in den 1970-iger Jahren ein legendäres Experiment, nachzulesen in seinem Buch Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen. Er schickte zwölf Experten unterschiedlicher Fachrichtungen ins Rennen, aber alle scheiterten nach nur kurzen Aufschwüngen und endeten in Hungersnot und anderen Katastrophen.
Aber warum? Warum scheitern selbst hochmotivierte und gebildete Akademiker an dieser vermeintlich leichten Aufgabe?
Auch unsere Politiker scheine hier nicht wirklich eine glückliche Hand im Steuern unserer Geschicke zu haben.

Vielleicht ja deshalb:

1. Das Reparaturdienstverhalten:
Sobald ein wir einen Missstand gefunden haben, wollen wir ihn sogleich beseitigen. Danach suchen wir den nächsten…

2. Close up Sichtweise
Wir betrachten nur einen Ausschnitt ohne Blick auf die Gesamtsituation.Dabei geht der Blick auf die Dynamik des Systems verloren bzw. bleibt unerkannt.

3. Schwerpunktbildung
Oder wir versteifen uns auf einen Schwerpunkt und bleiben hartnäckig dran. So bleiben andere Konsequenzen außen vor.

4. Lineares Denken
Wir gehen zwar sehr zielstrebig auf der Suche nach Verbesserungen vor, dennoch berücksichtigen wir Verzweigungen und Nebenwirkungen nicht.

5. Schnelles Feedback
Wir brauchen eine schnelle Rückantwort. Findet diese zu spät statt, reagieren wir mit Übersteuerung.
(Beispiel: Wassertemperatur beim Duschen, oder die schnelle Fahrt mit einem Anhänger, der ins Schwanken kommt).

6. Autoritäres Verhalten (wichtigster und schädlichster Punkt)
Sobald jemand das System durchblickt zu haben vermeint, neigt er dazu, diese Wahrheit/Weisheit anderen aufzudrängen bzw. aufzustülpen (Diktatorverhalten).

Gerade der letzte Punkt erklärt so manche Facebook Diskussion(en).
Viele denken, sie seien „erleuchtet“ und müssten Alle davon überzeugen und dieses Wissen endlos publizieren.

Warum also funktionieren unsere Hilfsorganisationen so schlecht?
Warum bringen diese wohl gemeinten Maßnahmen keine Linderung in unser System?

Was nun?

Die Vermutung liegt nahe, dass die meisten Menschen nur linear denken können.Es mangelt an vernetztem Denken!!!  Wir brauchen Menschen, die vernetzt denken können, aber keinerlei Patentrezepte für Alles besitzen,
nicht auf alle Fragen des Lebens eine schnelle Antwort haben,
ja von manchen Dingen schlichtweg keine Ahnung haben,
aber bereit sind, Lösungsansätze auszuprobieren.
Und die bereit sind, den Satz

Ich weiß, dass ich nichts weiß!

auf sinnbildlich die Stirn tätowieren zu lassen!

Und genau hier greifen auch die Werte des neuen Arbeitens, des miteinander Ringens um die beste Lösung, in kleinen Schritten des Ausprobieren.

Gerne möchte dabei auf das Grundkonzept der Genossenschaften hinweisen:

Was einer nicht schafft, das schaffen viele gemeinsam.

Schwarmintelligenz oder Netzwerke sind die modernen Begriffe dafür. Dazu möchte ich gerne eine kurze Sequenz des leider viel zu früh verstorbenen Prof. Dr. Peter Kruse anklingen lassen:

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztiegel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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