Rezension: Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung

Bild: Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, deutscher Philosoph und Ökonom, Autor des vorgestellten Buchs

In meinem letzten Artikel ging es schon darum, wie Führung gestaltet sein soll. Ich wies auf das Menifest für menschliche Führung von Marcus Raitner hin. Nun habe ich mich rückerinnert. Das erste Buch, dass ich mit ähnlichem Inhalten in die Hand nahm, war eines mit einem sehr provozierenden Titel … Menschenhaltung … erinnert an Tierhaltung, und da kommen inzwischen sehr negative Bilder ins Gesichtsfeld. Aber was, wenn unsere Tierhaltung nur ein Spiegel dessen ist, wie wir auch mit uns Menschen umgehen (lassen)?

Das Buch sprach mich auf vielen Ebenen gleichzeitig an und unterstrich Vieles, was ich inzwischen selbst kennenlernen durfte: Es macht einfach mehr Spaß, wenn man nicht Befehle ausführen muss, sondern Teil des Entscheidungsprozesses war. Wenn ich mich selber einbringen konnte und zudem die Freiräume habe, wie ich meine Arbeit organisiere, dann geht alles viel einfacher von der Hand. Und die Ideen, wie man es noch besser machen kann, kommen ganz von allein. Aber schauen wir uns an, was der Autor Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger zu sagen hat:

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Public Money, Public Code

… wir könnten uns endlich darauf konzentrieren, die Gesellschaft zum Wohle aller zu verbessern. Wenn auch Du der Meinung bist, dass die Infrastruktur von Morgen auch in unseren Händen liegen sollte, dann unterstütze uns!

Aufforderung von Free Software Foundation Europe

Ich unterstütze schon, denn ich finde diesen Ansatz mehr als förderungswürdig. Dieses Mal habe ich zwar kein Thema mit direktem Bezug zu agiler Organisation, aber ich finde, es passt zu Menschen mit agiler Haltung, um die es hier in ähnlicher Weise geht.

Stell dir vor, dass die Software, die im Auftrag der Öffentlichen Verwaltung angeschafft wird ( = public money) , unter einer freien Lizenz steht ( = public code) , so dass diese von anderen Verwaltung kostenfrei aufgegriffen und erweitert werden kann, und diese wieder … Ich finde das eine geniale Idee:

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Rezension: Manifest für Menschliche Führung

Sechs Thesen für neue Führung im Zeitalter der Digitalisierung …

Ich habe einen Traum, dass eines Tages die Wirtschaft dem Menschen und dem Leben dient und dass der Mensch Zweck ist und nicht bloß Mittel.
Ich habe einen Traum, dass wir die Menschen so behandeln, als wären sie, was sie sein sollten und sie so dahin bringen, wohin sie zu bringen sind.
Ich habe einen Traum, dass wir den kläglich gescheiterten Versuch, Menschen mit Anreizen zu Leistung zu motivieren zu den anderen seelenlosen Akten legen und stattdessen Strukturen bauen, die Menschen nicht derart demotivieren, dass sie diese Anreize brauchen, um Leistung zu zeigen.
Ich habe einen Traum, dass der Mensch nicht länger als Ressource betrachtet wird, sondern dass die Entfaltung des individuellen Potenzials als entscheidender Wettbewerbsfaktor im Zeitalter der Digitalisierung gesehen wird.
Ich habe diesen Traum jeden Tag. (Quelle)

Marcus Raitner

Dass Agilität zu allererst etwas mit Haltung zu tun hat, haben wir hier auf dem Blog immer wieder lesen können. Haltung ist auch ein zentrales Thema, das Marcus Raitner in seinem kleinen Büchlein Manifest für menschliche Führung auf 51 Seiten bespricht. Marcus, promovierter Informatiker, stellt sich selbst als Agile Coach, Agile Transformation Agent, Hofnarr und Organisationsrebell dar, der seit 2015 die BMW Group IT auf ihrer Reise zu einer agilen Organisation begleitet. Sein Blog Führung erfahren – Human(e) Leadership for the Digital Age – ist mir schon lange ein Quell inspierender Denkanstöße.

Wer sich an den Artikel Was ist Agilität? – Eine Einführung in das Agile Manifest von Thomas Michl erinnert, den werden die folgenden sechs Thesen, die in einem Workshop bei BMW Anfang 2018 formuliert wurden, bekannt vorkommen:

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Beispiel einer Organisation mit möglichst wenig Regeln für viel Selbstorganisation: Einhorn

Nicht nur das Produkt ist außergewöhnlich, auch bei der Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung gehen die zwei Gründer ganz neue Wege. So sehen sie sich nicht als Chefs, sondern als Mentoren. Indem sie auf Transparenz und Eigenverantwortlichkeit setzen, ist jeder im Team dazu befähigt, wichtige Entscheidungen selbst zu treffen – inklusive der Bestimmung des eigenen Gehalts und der Anzahl der Urlaubstage. Im XING Talk mit Oliver Rößling und Frank Eilers erzählt Waldemar Zeiler, warum das Thema Gehaltstransparenz ein problematisches ist, wieso er als Chef so viel Urlaub wie nie zuvor hat und weshalb er mit seinem Kogründer eine Paartherapie absolvieren musste.

Zitiert aus dem Begleittext auf youtube zum Interview mit den Gründern von Einhorn

Dass Agilität im Kern etwas mit Haltung zu tun hat und Vertrauen in die Selbstorganisationskraft der Mitwirkenden, haben wir auf unserem Blog immer wieder dargelegt. OK, nun richten wir uns vorrangig an ein Publikum, dass aus der öffentlichen Verwaltung kommt. Aber warum nicht auch mal einen Blick über den Tellerrand werfen und schauen, was Organisationsverantworliche in der freien Wirtschaft tun, um sich selbst zu entlasten, sprichwörtlich Entscheidungshoheiten loszulassen, aber auch die Mengen an Spielregeln gering zu halten. Hören wir also mal in dieses inspirierende Interview:

Selbstbestimmung Hui, Fremdbestimmung Pfui?

Marianne Gronemeyer, emiritierte Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften

In diesem Artikel möchte ich das Plädoyer von Marianne Gronmeyer für die Nicht-Ächtung der Fremdbestimmung vorstellen. Sie sieht in der Fremdbestimmung eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Ob diese aber einen guten oder schlechten Beigeschmack hat, da kommt es eben auf die Art und Weise des Zustandekommens des Arbeistauftrags an. Frau Gronemeyer stellt in ihrer Einleitung bedenkenswert fest:

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Der Unterschied zwischen selbstbestimmter und fremdbestimmter Arbeit ist unkenntlich geworden, und das ist ganz im Sinne derer, die das Sagen haben. Es kann ihnen gar nichts Besseres passieren, als wenn die Untergebenen sich ihrer Willensfreiheit rühmen und an ihre Entscheidungsfreiheit glauben. Betrug und Selbstbetrug wirken da einträchtig zusammen. Denn natürlich möchte man sich lieber als Herr im eigenen Hause fühlen denn als Knecht unter fremder Knute.

In vielen unserer Artikel schreiben wir über unsere Haltungen während des gemeinsamen Arbeitens. Auf Augenhöhen um eine Lösung ringen,  ist so eine andere Redewendung, wenn es um Agilität geht, im Rahmen komplexer Beziehungen sich an ein Ziel heranzutasten.

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Nachlese: Konferenz Agile Verwaltung 2019

Dem Team des Forum Agile Verwaltung hat die Austragung auch unseres 3. Kongresses wieder viel Spaß gemacht, waren doch viele Menschen aus öffentlichen Organisationen gekommen, die schon auf dem Weg sind oder sich auf den Weg machen wollen, ihre Arbeitswelt zum Wohle aller Beteiligten umzukrempeln und die Gelegenheit der Vernetzung zu nutzen.

Eine der Neuerungen in diesem Jahr ist, dass wir den Keynote-Vortrag sowie einen Teil der anderen Vorträge aufgezeichnet haben. So können besonders Jene, denen wir aufgrund der Ausbuchung mit 130 Teilnehmern absagen mussten, doch noch ein Stück teilnehmen. Vor dem Keynote-Vortrag gab es noch eine kurze Vorstellung von uns und einige Worte zur Organisation und dem Ablauf des Kongresses durch Veronika (siehe hier inklusive Foliensätze):

Veronika stellt das FAV-Team vor und stimmt in den Tagesverlauf ein

Wir haben uns sehr gefreut, konnten wir doch Roland Haag und Christine Gebler vom Personal- und Organisationsamt der Stadt Heidelberg gewinnen, uns über ihre Werkstatt zu berichten:
Heidelberg auf dem Weg zur agilen Stadtverwaltung
Dabei beleuchteten sie die Frage, welche Herausforderungen noch zu bewältigen sind. Wir durften erfahren, wie sie sich uns auf den Weg gemacht haben, und wie sie sich aufgestellt haben, um agiler zu werden. Nun aber Matz ab:

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Wie Schule auf Augenhöhe geht …

Ausschnitt des Covers der DVD des Films AUGENHÖHEmachtSchule – Foto: Martin Bartonitz

Vor zwei Jahre hatte ich auf das förderungswürdige Projekt AUGENHÖHEmachtSchule aufmerksam gemacht (hier). Vor Weihnachten erhielt ich als einer der 429 Förderer, die über 60.000 € zusammen brachten, das Ergebnis auf meiner eigenen DVD. Nun hatte ich endlich die Zeit, mir das Resultat anzuschauen. Und ich hatte wieder einmal Gänsehaut.

Das Film-Team von links: Michael Groß, Andrea Sieben, Vanessa Christoffers-Trinks, Silke Luinstra, Philipp Hansen, Daniel Trebien

Julia Culen zeigte in einer Studie auf, dass die gerade ins Arbeitsleben kommenden jungen Menschen so gar nicht das erfüllen, was eine sich immer schneller wandelnde Arbeitswelt benötigt: selbstbewusste, mutige, kreative, entscheidungsfreudige, experimentierende Mitarbeiter. Ganz im Gegenteil kommt nun eine wohlbehütete Milleniumsgeneration in die Firmen, die nach Stabilität schaut, die angeleitet werden und Aufträge abarbeiten will (siehe: Generation (A)ngst – mit ihr haben wir nicht gerechnet! ).

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