4 Thesen zur agilen Verwaltung

Im Februar 2001 trafen sich 17 Softwareentwickler in einer verschneiten Lodge in den Wasatch Mountains im US-Bundesstaat Utah. Sie wollten sich entspannen und Ski fahren,  aber auch über ein anderes, besseres Arbeiten diskutieren, da sie mit den üblichen Projektmanagement-Methoden nicht zufrieden waren. Bei diesen war nicht vorgesehen, dass sich zwischen dem ursprünglichen Auftrag und der finalen Lieferung substanzielle Dinge veränderten. Im Arbeitsalltag der IT-Entwickler aber war es Normalität, dass während der Programmierung plötzlich neue Anforderungen an eine Software auftauchten. Deshalb suchten sie nach Ansätzen, die es ihnen ermöglichten, schnell auf neue Anforderungen zu reagieren.

Das agile Manifest 

Was an einem bierseligen Abend entstanden ist, ist das „Manifest für agile Software-Entwicklung“, das inzwischen weit über den IT-Bereich hinaus Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse in modernen Unternehmen hat. Der Grundgedanke lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Je mehr du nach Plan arbeitest, desto mehr bekommst du das, was du geplant hast, aber nicht unbedingt das, was du wirklich brauchst.“ 

Vor dieser Situation steht auch die öffentliche Verwaltung. Immer mehr Projekte haben eine Komplexität und Dynamik, bei denen die bisherigen Strukturen und Arbeitsweisen an ihre Grenzen kommen. Aber es gibt auch genügend Unterschiede zwischen Softwareentwicklung und öffentlicher Verwaltung. Daher habe ich die Ansätze aus dem agilen Manifest für die öffentliche Verwaltung übersetzt. Herausgekommen sind vier Thesen zur agilen Verwaltung.

Starke Resonanz in der Akademie Mont-Cenis

Erstmals vorgestellt habe ich die vier Thesen zur agilen Verwaltung auf dem New Work Day der Akademie Mont-Cenis (Fortbildungsakademie des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen). Die Initiatorin der Veranstaltung, Frau Kaul (Fachbereichsleiterin Digitalisierung in der Landesverwaltung) hatte die Thesen zusammen mit den Original-Formulierungen aus dem agilen Manifest auf Plakate gedruckt und im Raum aufgehängt. Ursprünglich war meine Idee, damit eher provokante Thesen zu formulieren, um die Diskussion in Gang zu bringen. Um so erstaunter war ich über die Reaktionen: Zum Veranstaltungsende war fast kein Plakat mehr übrig, weil wir so viele Anfragen von den ca. 120 Teilnehmern bekommen haben, ob sie ein Plakat mitnehmen dürften, um es in ihrer Verwaltungseinheit aufzuhängen. Offensichtlich entsprachen diese Thesen genau dem, was sie sich vorstellten und wünschten. 

Für jede These gilt, dass immer beide Teile, der rechte und der linke, wichtig sind, aber die einleitenden Werte sind die wichtigeren und sollen handlungsleitend sein. 

Das alltägliche Handeln schrittweise verändern

Ich habe diese Thesen mit den unterschiedlichsten Menschen aus der öffentlichen Verwaltung, vor allem aus NRW, diskutiert und bei Ableitungsleitern aus Ministerien, Bereichsleitern und Führungskräften aus den Bezirksregierungen sowie Mitarbeitern aus der Kommunalverwaltung die gleiche Reaktion erlebt: Viele sind sich darin einig, dass diese Thesen wie Wegweiser für wünschenswerte Veränderungen sind. 

Sicherlich ist es nicht möglich, diese Thesen von heute auf morgen umzusetzen, aber der Weg ist lohnenswert. Davon bin ich überzeugt: Wenn wir anfangen, unser alltägliches Handeln schrittweise an diesen Thesen auszurichten, dann wird sich die öffentliche Verwaltung und die Arbeitswelt der Menschen nachhaltig und positiv verändern. 

Autor: Anna Kühr

Von Haus aus Naturwissenschaftlerin (Dipl. Biologin), vom Herzen Moderatorin und Ermöglicherin, mit dem Wissen wie man agile Prozesse implementieren kann und viel Know-how als Trainerin, Beraterin und Coach liegt es liegt mir ganz besonders am Herzen "Räume des Gelingens" zu schaffen. Damit Damit Menschen in Ihren Organisationen ihr vollständiges Potential entfalten und nutzen können und unsere Zusammenarbeit mehr ist als die Summe der Einzelteile. Geschäftsführerin von Pro Integer www.pro-integer.de

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