Wozu wir neues Denken brauchen.

Die aktuelle Zeit ist voll von Themen, in denen es um einen Wandel geht. Der Wandel hin zu einer digitalen Gesellschaft, die Transformation zu einer agilen Organisation, der Wandel zu einem ökologisch nachhaltigen Leben. All das setzt voraus, dass wir alte Denkmuster hinter uns lassen und anfangen, einen anderen, neuen und positiven Blick auf die täglichen Dinge einnehmen.

Doch wie soll das neue Denken aussehen? Die Antwort auf diese Frage liefert Petra Bock in ihrem Buch „Der entstörte Mensch“. Ein Buch, was die Fakten auf den Tisch legt.

Was ist altes Denken?

Die Art und Weise, wie Menschen denken und ihr Handeln ausrichten, entwickelt sich in gewissen Zeitepochen und hat eine ganze Weile Bestand. Das kann viele Hundert Jahre so sein und ist aktuell genau unser Problem.

Wir Menschen haben die Technologie entwickelt und befinden uns in einem digitalen Zeitalter. Doch das Denken ist im aktuellen Hier und Jetzt noch nicht angekommen. Wir sind stellenweise überfordert von der Informationsflut. Menschen machen einen Job, der ihnen überhaupt nicht gefällt. Warum tun sie das? Weil sie das Einkommen benötigen. Das ist ein gutes Beispiel für altes Denken. „Ich muss diesen Job machen, obwohl er mir überhaupt nicht gefällt. Ich tue das, um Geld zu verdienen (um zu überleben).“

In dem Buch von Petra Bock erzählt sie von einer Begegnung, in der ein Mensch ihr von seinem Traum erzählt. Dieser Mensch träumt davon, einen Laden für Fahrräder zu eröffnen und andere Menschen dabei zu unterstützen, ihre Freizeit oder das Hobby zu gestalten. Von seinem Traum erzählt er mit einem Funkeln in den Augen und einer Klarheit, die beeindruckend war. Auf die Frage hin, warum er es nicht einfach macht, wurde dieser Mensch wieder blass und das Feuer war verschwunden. Er antwortet: „Ich muss doch meine Familie versorgen.“ Somit macht dieser Mensch weiter etwas, von dem er nicht (mehr) überzeugt ist.

Dieses Beispiel zeigt, was ein Teil des alten Denkens ausmacht. Ich tue etwas, um zu existieren, ob es für mich Sinn ergibt, ist nachranging. Weitere viele Muster des alten Denkens prägen unsere heutige Zeit wie zum Beispiel Bewertungen und Vergleiche oder das Denken in Hierarchien. Es ist jedoch ein Denken, was nicht mehr in die aktuelle Zeit passt. Und schon gar nicht mehr das Denken in Schubladen.

Das neue Denken

Neues Denken sieht die Welt mit anderen Augen. Ein Mensch ist ein Mensch. Und jeder Mensch ist anders. Wir gehören alle einer Spezies an, die anspruchsvolle Aufgaben hat und meistert. Wenn wir nun unser Handeln unter den Blickwinkel der Entfaltung und Gestaltung betrachten, dann wird vieles einfacher. Es geht darum neugierig, mutig und unerschrocken an neue Herausforderungen heranzugehen. Dabei spielen die Selbstgewissheit, Präsenz und Achtsamkeit für die eigene Individualität und des anderen Lebens eine wichtige Rolle.

Es geht nicht mehr darum zu entscheiden, möchte ich Erfolg haben oder stressfrei leben. Es gibt kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch. Erfolg und ein stressfreies Leben müssen sich nicht ausschließen.

Oft kommt in Workshops genau an dieser Stelle ein ungläubiger Blick, wenn es um einen guten (Arbeits-)Flow geht.

In dem agilen Prinzip „Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.“ geht es genau darum. Wie können wir mit unseren Aufgaben erfolgreich sein und gleichzeitig eine angenehme und stressreduzierte Zusammenarbeit gestalten. Wenn ich dann noch hinzufüge, dass das auch bedeutet, seine Aufgaben, ohne Überstunden zu erledigen, dann werden die Augen ganz groß.

Das eine schließt das andere nicht aus. Wir sind überzeugt, dass Beidhändigkeit (Ambidextrie) Kennzeichen einer erfolgreichen Organisation ist.

Das neue Denken richtet den Blick auf die Entfaltung und Gestaltung. Dazu stell dir die folgenden Fragen: Wie kann ich mich bei meinen täglichen Aufgaben entfalten? Wie kann ich dazu beitragen, dass sich andere Menschen entfalten können? Wie kann ich persönlich meine Aufgaben, mein Umfeld und mein Leben gestalten?

Es geht um die Entwicklung der Lebensqualität von mir und meinen Mitmenschen. Dabei sind mir die Ressourcen ebenso wichtig wie ein gutes Timing. Fantasie, Kreativität und Denken „Out of the Box“ sind ausdrücklich erwünscht. Dazu gehört Unvoreingenommenheit, rationales Vertrauen und Zutrauen. Das Ganze wird abgerundet durch die Willensstärke aus Orientierung am Sinn.

An dieser Stelle fällt mir ein Vortag ein, den ich im Jahr 2019 genießen durfte. Es ging um die Digitalisierung in Estland. Auf einer Folie stand: „digital Leadership – entschiedenes Leadership bringt die Erleuchtung – Technologie oder Geld sind nicht die Lösung“. In diesem Vortrag war eines sehr deutlich: Es geht um die Gestaltung des Lebensraums und die Entfaltung der Menschen. Alles was dort angeboten und entwickelt wurde und wird, hat diesen Fokus. Das erfordert eine Haltung und das Lebensgefühl, mit meinen eigenen Handlungen etwas positives bewirken zu wollen und durch Kooperation und Vernetzung den Lebensraum zu gestalten.

Machen wir es doch mal an unseren Bildungseinrichtungen fest:

Aus dem alten Denken heraus geht es darum, unsere Kinder und die jungen Menschen fit zu machen für einen globalen Wettbewerb, in dem sie tagtäglich um ihr Überleben kämpfen müssen.

Was wäre, wenn unsere Bildungseinrichtungen Lebens-, Lern- und Entfaltungsbiotope sind. Biotope für die intelligenteste und kreativste Spezies, die wir auf unserer Erde kennen. Maßgeblich für den Erfolg diese Biotope ist die innere und äußere Qualität, die wir dort erleben. Denn sie garantiert uns am besten, dass wir unser menschliches Lern- und Kreationspotenzial entfalten.

Was bedeutet das für dich?

Stell dir nun vor, du gehst mit den Gedanken „Was kann ich heute gestalten und wie kann ich mich dabei entfalten.“ an deine täglichen Aufgaben. Was würde sich für dich dadurch ändern?

All das steckt tief in den Genen von New Work und Agilität. Es geht um vielmehr, als um Methoden. Wir alle sind Teil der ganzen und großen Community des Lebens. Es geht um echte, wertvolle und nachhaltige Zusammenarbeit in einem neuen Zeitalter – im Hier und Jetzt.

Veranstaltungshinweis

Wie kann neues Denken die Verwaltung der Zukunft gestalten? Lasst es uns gemeinsam herausfinden auf unserem Online-Barcamp „New Work in der Verwaltung 2023/2033“ am 2. März 2021.

Literaturverweis:

Der entstörte Mensch, Petra Bock, 2020, Verlag: Droemer HC https://www.droemer-knaur.de/autor/petra-bock-3000790

6 Kommentare zu „Wozu wir neues Denken brauchen.“

  1. Schön finde ich an dem Beitrag von Fall Golinsky, dass die 3 Dinge
    > die Organisation voranbringen
    > andere voranbringen und
    > für sich selbst sorgen
    nicht als Gegensätze/Widersprüche, sondern als guter und gesunder Dreiklang gesehen werden. Insbesondere die Punkte 2 und 3 gehören auch aus meiner Sicht stärker in den Fokus! „Belohnt“ werden heute in Organisationen und sicher auch Verwaltungen aber eher Verhaltensweisen, die stark auf Punkt 1 gerichtet sind. Ist ja auch nachvollziehbar, denn die Organisation zahlt und will legitimerweise auch Ergebnisse sehen. Dennoch sollte zukünftig stärker ins Blickfeld: Neben den wichtigen sichtbaren Ergebnissen für die Organisation kommt es noch auf andere Dinge an: Wer auf sich selbst achtet, großen Wert auf Lernen legen und darauf, andere voranzubringen, weiterzuentwickeln, trägt nicht minder zum Erfolg der Organisation bei. Diese Zeit ist nicht vertan, sondern im Gegenteil: zukünftig unabdingbar.

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  2. Lieber Falk,

    vielen Dank für diesen Impuls, den Wandel so positiv zu betrachten, gibt es doch aktuell auch ganz andere Sichtweisen auf einen Wandel, so z.B. der Transhumaniste mit ihrem The Great Reset, wie er seit letztem Jahr vom Weltwirtschaftsforum motiviert wird.

    Ich hatte vor einigen Wochen die Erlaubnis erhalten, die Schrift „l’ensaignement – 1. l’école primaire (1. Grundschule)“ der Französin Anne Querrien auf meinem Blog als Serie bringen zu dürfen. Anne hatte den Auftrag, die Historie der französichen Schulen analysieren zu dürfen. Was sie da ans Tageslicht brachte, lässt gruseln. Da ist das komplette Gegenteil von Deiner Sicht auf Schule zu sehen. Während Du die vorschlägst, Entfaltung zu fördern, war die Motivation eben genau das, was Du in Deinem Text bemängelst: zu lernen, nach der Schule möglichst gut im Hamsterrad der Konzerne funktionieren zu können. Es ging darum, Gehorsamkeit zu lernen, das freie Denken zu verlernen. Schließlich wurden die Schulen des 19. Jarhunderts überwiegend vom Geld der Fabrikanten finanziert.
    (hier ist der zuletzt veröffentlichte Artikel, in dem es um die maximale Kontrolle über die Schüler geht)

    Ja, ich wünsche mir den von Dir vorgeschlagenen Wandel sehr und bemerke an vielen kleinen Stellen, wie es heranwächst 🙂

    Viele Grüße
    Martin

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    1. Kaum hatte ich diesen Text geschrieben, schaute ich mir noch die Performance dieser Profilerin an. Sie weist am Ende darauf hin, dass wir für unsere Entfaltung uns von den Deppen, die uns kleinhalten, verabschieden sollen. Über die Deppen, oder auch Pfeifen (ja, nicht gerade Gewaltfreie Worte …):

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