Wir wollen ein Buch schreiben und darin eine Vision für eine „Agile Verwaltung 2035“ erarbeiten. Wer macht mit?

Wir: das sind Christiane Büchter, Peter Bauer und Wolf Steinbrecher. „Agile Verwaltung 2035“ ist erst einmal nur ein Arbeitstitel, und die Diskussion darum hat schon begonnen („Ist 2035 nicht zu weit in die Zukunft verlegt? Wir wollen doch schon lange vorher Ergebnisse! Und ist „agil“ nicht schon zu abgenutzt?“ Und so weiter.)


Wichtig ist uns jetzt erst einmal eine Verständigung über das Grundanliegen des Buches: die Erarbeitung einer Vision. So wollen wir einen Verständigungsrahmen erarbeiten, Digitalisierung nicht nur umzusetzen, sondern aktiv zu gestalten. Und natürlich auch andere Herausforderungen, vor denen die Verwaltungen stehen. Dafür suchen wir Interessierte, die sich daran beteiligen wollen.

Und zwar Interessierte aus allen Bereichen: nicht nur Mitarbeiter:innen und Führungskräfte aus der Verwaltung, sondern auch und gerade „von außen“: von Bürger:innen und Unternehmen aus der Kundenperspektive, von Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft, von Lieferanten, von Forschenden, Berater:innen und Journalist:innen. Denn Visionen kann die Verwaltung nicht nur aus sich selbst heraus entwickeln, dazu ist sie als System viel zu sehr um die Selbsterhaltung herum aufgestellt. Sie benötigt Anstöße und Herausforderungen von außen – dann können wir vielleicht irgendwann sagen: „Und sie bewegt sich doch!“

Ausgangspunkt: die Ergebnisse des Barcamps vom 2. März 2021

An dem Barcamp hatten sich knapp 100 Personen beteiligt und zahlreiche Sessions gestaltet. Im Ergebnis wurden 20 Beiträge für eine Zeitung in der Zukunft „FAV-Journal vom März 2035“ geschrieben und im Mai veröffentlicht (https://agileverwaltungorg.files.wordpress.com/2021/05/fav-journal_nummer_1_final.pdf).

Die Ergebnisse des Barcamps vom 02.03.2021

Darin kristallisierten sich fünf thematische Schwerpunkte heraus:

  • Volle Fahrt voraus zu neuen Sinn-Ufern
  • Bürger und Zivilgesellschaft im Mittelpunkt
  • Digitalisierte Prozessunterstützung im Dienst der Anwender:innen
  • Lernende Mitarbeiter, lernende Organisation
  • Freie Arbeit braucht Raum und Nischen

Wir überlegten uns, wie wir die Arbeit an diesen Themen fortsetzen könnten. Wir wollten eine Form finden, die uns eine Fokussierung auf die Einzelthemen erlaubt, aber gleichzeitig auch den Gesamtzusammenhang unter einem thematischen Dach immer deutlich macht. Also weitere Barcamps, aber immer auf ein Thema konzentriert? Und dann wieder ein zusammenfassendes Barcamp? So richtig inspirierend fanden wir das alles nicht.

Der Weg ist das Ziel? Nein, eher: Das Ziel ist das Mittel zum Weg

Dann kam die Idee: Wir schreiben ein Buch! Das Buch wird in thematische Abschnitte untergliedert, und jeder Abschnitt in Kapitel oder Artikel. Und zu jedem Abschnitt findet eine Art Barcamp statt mit denjenigen Beteiligten, die sich gerade für dieses spezielle Thema erwärmen. Und als MVP erhalten wir die Rohfassung eines Buchabschnitts aus jedem Barcamp.

Gemeinsam den Horror vacui, den Schrecken des weißen Blatts, bezwingen

Das Buch ist kein Ziel „an sich“, sondern Mittel zum Zweck. Wir setzen uns einen Termin (z. B. „Anfang 2022“). Dieser Termin hilft uns bei der Fokussierung: bis dahin muss etwas fertig sein. Aber der eigentliche Zweck ist die Diskussion um eine Vision. Die Vernetzung zwischen den Autor:innen und sonstigen Beteiligten (denn wir werden auch Feedback-Geber:innen, Anfeuer-Werker:innen, Organisator:innen usw. brauchen) erhält ein Gefäß, in das sie sich ergießt, und eine Zielgestalt, der sie zustrebt. Dem unerträglich verflachten Wort „Vernetzung“ können wir so wieder einen greifbaren Sinn zuordnen.

Agile Visionen agil produzieren

Und wir wollen das Buch agil produzieren. Was heißt das konkret?


Am Anfang jeder agilen Produktentwicklung steht eine Vision. Das Produkt selbst soll aber auch eine Vision werden. Was ist die Vision einer Vision?


Wir haben uns für die Bezeichnung „Werterahmen“ entschieden. Die im Buch zu erarbeitende(n) und zu detaillierende(n) Vision(en) soll(en) dazu dienen, bestimmte Werte zu transportieren. Verwaltung ist für uns immer demokratische, partizipative, offene, transparente Verwaltung – und darüber möchten wir mit allen Beteiligten am Anfang einen ersten Konsens herstellen.
Mit „erster Konsens“ meinen wir: auch dieser Werterahmen ist nicht in Stein gemeißelt. Wir wollen ihn in der Diskussion aller Beteiligten ergänzen und straffen, stilistisch verbessern und motivierender gestalten. Auch für ihn gilt das Prinzip der „moving targets“: im Prozess der Bucherstellung wird er sich ändern. Allerdings behalten wir als Herausgeber:innen Christiane, Peter und Wolf ein letztes Vetorecht vor: wir möchten nicht, dass Werte in den Rahmen aufgenommen werden, die zu unseren Werten völlig konträr liegen. Im Rahmen des Buchs sollen aber Gegenstimmen durchaus erlaubt sein: Wenn jemand ein Kapitel verfassen möchte „Warum ich Wert Nr. X für Schwachsinn halte“, soll er das tun dürfen.


Mit diesen Spezifikationen hier nun der erste Aufschlag, den wir uns überlegt haben:

Entwurf einer Wertebasis für das Buch

Bei der Durchsicht dieses Rahmens ist uns übrigens Folgendes aufgefallen: Die Formulierung des Werterahmens lehnt sich an die Formulierung des Agilen Manifests an. Das Agile Manifest sagt aber etwas anderes aus, als die meisten Punkte unseres Werterahmens, es sagt nämlich: Das ist wichtig, aber das ist noch wichtiger. Der Werterahmen funktioniert aber anders, nämlich: So wollen wir das – und so eher nicht. Das sollten wir auch in der sich konstituierenden Gruppe thematisieren.

Erste Einladung und formaler Rahmen

Wir möchten gerne zu einem ersten Treffen aller Interessierten einladen. Dort möchten wir mit euch in Form eines World Cafés den Werterahmen diskutieren und eine zweite Fassung erstellen. Der Werterahmens soll später die Grundlage bilden, um zu entscheiden, ob Themen bzw. Buchbeiträge ins Product Backlog aufgenommen werden oder nicht. Für jedes Kapitel soll immer klar sein, welche Werte aus dem gemeinsamen Rahmen es adressiert.


Im Anschluss an dieses erste Treffen kann sich jede:r entscheiden, ob sie sich wirklich am Buchprojekt beteiligen möchte und in welcher Rolle.

Die weiteren formalen Festlegungen würden wir dann ein einem zweiten Treffen diskutieren wollen. Unsere ersten Ideen in diese Richtung:

  • Jedes Buchkapitel wird von mindestens zwei Autor:innen aus verschiedenen Verwaltungen geschrieben. Wir wollen weg vom individuellen Leistungs- und Profilierungsgedanken („Meine Idee! Meine Formulierung!“) hin zum Denken in Teamergebnissen. Wir wollen weg vom Tertium non datur („das ist der richtige Standpunkt – den begründe ich hier!“) hin zur Resonanz, in der verschiedene Sichten und Interessen sich in Schwingung und Schwebung versetzen. Und wir wollen tendenziell den Hiatus überwinden helfen, der zwischen den erfahrenen Textaufschreiber:innen und den weniger geübten Autor:innen besteht.
  • Dazu wollen wir thematische Schreibwerkstätten veranstalten, in denen auch das Pair-Writing praktiziert wird, um die Kraft und die Produktivität dieser Arbeitstechnik zu nutzen.
  • Am Ende jeder Schreibwerkstatt haben wir den Rohling eines Buchabschnitts, für den wir uns schon Feedback von künftigen Leser:innen holen können.

Interessiert? Dazu haben wir eine Terminabfrage online gestellt, bei der ihr für die Termine voten könnt, die euch am besten passen. Der Link zur Umfrage ist: https://terminplaner4.dfn.de/lRKUan4J7fr1Rhux. Das Voting läuft bis zum 28. Juni.
Wir werden für den Termin mit den meisten Votes eine kostenlose Veranstaltung bei XING erstellen, die alle weiteren Infos enthält.

Autor: Wolf Steinbrecher

Volkswirt und Informatiker. Zuerst als Anwendungsentwickler in Krankenhäusern und Systemhäusern tätig. Dann von 1995 bis 2008 Sachgebietsleiter für Organisation und Controlling in einem baden-württembergischen Landkreis (1.050 MA). Seitdem Berater für Teamarbeit und Dokumentenmanagement. Teilhaber der Common Sense Team GmbH Karlsruhe, www.commonsenseteam.de. Blogger bei www.teamworkblog.de.

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