Bericht von der FAV-Schreibwerkstatt: Erste Erfahrungen mit dem neuen Format

Im Rahmen des FAV-Buchprojekts hatten wir uns überlegt, wie wir Autor:innen unterstützen können, die noch wenig Schreiberfahrungen haben oder für die „das leere Blatt“ eine große Herausforderung darstellt. Wir kamen auf das Format „Schreibwerkstatt“, und haben dieses Format dann nicht nur unserer internen Buch-Community angeboten, sondern allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs. Am letzten Dienstag, 6. September 2022, fand eine solche Werkstatt zum ersten Mal statt. (Die nächste ist am 7. Dezember geplant.)

Und wir konnten erste Erfahrungen sammeln.

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Die Sache mit dem Biss


Zum Schulbeginn ein Input für Agile Eltern

Der Bissfaktor

Als ich noch im aktiven Schuldienst war, habe ich meine Schüler:innen nach dem Abitur immer wieder gefragt, welcher Abitursschnitt wohl herausgekommen wäre, wenn sie sich kontinuierlich ins Zeug gelegt hätten. Wenn sie in den letzten zwei Jahren den richtigen Biss gehabt hätten. Die Antwort war fast immer ähnlich: Breites Grinsen und: «So richtig gelernt habe ich meist nur auf die Klausuren. So richtig kontinuierlich angestrengt habe ich mich selten, wenn ich ganz ehrlich bin. Mein Abizeugnis hätte deshalb natürlich viel besser sein können.» Mir ging es übrigens nie um den Abitursschnitt an sich, eher um die Biss-Analyse, die ja leider fast nirgendwo erhoben wird. Denn es gibt keine Studie weltweit, die einen Zusammenhang zwischen Schulnoten und beruflichem Erfolg zeigt. Und schon gar nicht eine Korrelation zum eigenen Lebenserfolg. Deshalb sollten Schulnoten nie zu hoch bewertet und besser nur als Wegweiser gesehen werden.

Ich selbst habe immer einen Zusammenhang zwischen dem natürlichen oder dem erlernten Biss und den Abitursnoten vermutet und diesen Zusammenhang auch einige Male für einzelne Klassen zeigen können. Ich hatte in meinen 5. Klassen als Klassenlehrer häufig Biss-Noten erstellt – also alle Fachlehrer:innen der Klasse befragt, wie sie den Ich-streng-mich-richtig-an-Faktor meiner Schüler:innen einschätzten. Daraus habe ich dann ein differenziertes Biss-Zeugnis gebastelt und zusammen mit dem normalen Zeugnis herausgegeben. Zur Orientierung gab es dort auch eine anonymisierte Biss-Statistik für die gesamte Klasse. Mittelmäßige Noten und ein magerer Bissfaktor hieß dann in der positiven Erläuterung etwa so: «Du hast noch einen starken Joker im Ärmel. Zieh ihn. Du wirst dich wundern.» Und zum Abitur habe ich diese Bissnoten dann wieder aus der Schublade gezogen. Und dabei gesehen, dass nicht die Fachnoten, sondern die Bissnoten der 5. Klasse eine viel höhere Korrelation zu den Abitursnoten aufwiesen. «Mittelmäßige» Fünftklassschüler:innen mit hohem Bissfaktor standen am Ende oft mit einem Einserabitur auf der Bühne. «Überfliegerfünftklässler:innen» mit kleinem Bissfaktor verließen das Gymnasium aber locker auch mit einem Dreierabitur.

An dieser Biss-Schulung haben wir dann mit unseren kollegialen Teams immer weiter herumgebastelt. Feedback-Hefte dazu entwickelt. Oft sehr erfolgreich damit experimentiert.

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Raus aus dem Silo und rein in den Austausch – virtuelles Lean Coffee des Forums Agile Verwaltung

Raus aus dem Silo und rein in den Austausch ist das Motto unseres monatlichen virtuellen Lean Coffees, das wir seit über einem Jahr an jedem letzten Montag im Monat anbieten. Wir wollen eine Plattform bieten, die es den agilen Menschen in der Verwaltung erlaubt, sich über Ideen, Gedanken und Problemstellungen unkompliziert und niederschwellig auszutauschen. Einen Rahmen für kollegiale Beratung bieten, der den Erfahrungsaustausch in die Breite bringt.

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Warum haben wir uns für Lean Coffee als Format entschieden? Das einfache Format ermöglichst es, dass jeder unkompliziert seine Themen, die unter den Nägeln brennen, einfach in die Runde werfen kann. Gemeinsam priorisieren wir und erstellen so unsere Agenda für unsere Mini-Konferenz. Innerhalb einer Timebox (begrenzte Zeitfenster) pro Thema diskutieren wir Thema um Thema in der zur Verfügung stehenden Zeit, bis das große Zeitfenster von 1,5 h vorbei ist. Die Teilnehmenden bestimmen die Reihenfolge und Priorität des Themas selbstorganisiert und selbstbestimmt. Eine ausführliche Beschreibung zum Lean Coffee haben wir als PDF für Interessierte zur Verfügung gestellt, sodass das Lean Coffee-Format übernommen werden kann.

Weil wir zu Beginn der COVID-Pandemie gestartet sind und viele Amtsstuben noch nicht aufgerüstet waren, eine nicht unerhebliche Zahl der Teilnehmer noch mit privater Hardware von zu Hause arbeiten musste, sind wir mit einem Abendtermin gestartet. Das hat sich zum Glück geändert. Auch ist die anfängliche Euphorie, die eine Vielzahl von Angeboten aus dem Boden hat schießen lassen, einer gewissen “Zoom Fatigue” gewichen. Nachvollziehbar. Wer den ganzen Tag in Videokonferenzen verbringt, braucht seine Auszeiten auf der virtuellen Welt.

Darauf wollen wir reagieren und werden unsere virtuelles Lean Coffee vom Abend auf den Morgen verlegen. Mit einer Tasse Kaffee, bevor es richtig losgeht, erholt und gut gelaunt den Tag beginnen. Mit einem virtuellen Lean Coffee mit gleichgesinnten agilen Menschen – nicht nur aus der öffentlichen Verwaltung – in den Austausch treten. Deshalb starten wir ab September 2022 jeden letzten Montag im Monat um 8 Uhr neu durch und freuen uns auf einen bunten Blumenstrauß. Unser Lean Coffee steht übrigens auch Menschen offen, die nicht in der öffentlichen Verwaltung tätig sind und den sektorenübergreifenden Austausch wertschätzen.

Anmeldung und Termine findet man unter folgendem Link: https://agile-verwaltung.org/virtuelles-lean-coffee/

Macht und Aufmerksamkeit – Urkräfte gegen Veränderung

Ich weiß nicht, wie oft ich das schon gelesen habe: „Die Digitalisierung der Verwaltungen geht zu langsam voran“. Und leider stimmt es! Da wird öffentlichkeitswirksam an OZG-Frontends gebastelt, während hinter den Rathaustüren noch Bescheide wie bei den antiken Römern [1] dreifach auf Steintafeln gemeißelt werden. Nur um sie dann – wenigstens ein bisschen modern – zu scannen und in einem der 3.000 Boorberg-Aktenzeichen zu versenken. Selbst da, wo es gelungen ist, medienbruchfreie Prozesse zu gestalten, stellt sich nicht selten heraus: Das Prozedere ist digital, die Logik dahinter aber immer noch mehr Steintafel, als Ausschöpfen der Vorteile elektronischer Systeme zu Wohle der Allgemeinheit – eigentlich der Verfassungsauftrag der Verwaltung. [2]

Auch wo es nicht um Digitalisierung geht, ist ein schwer nachvollziehbares Beharrungsvermögen tradierter Denkweisen und Strukturen festzustellen. Fokus online machte – angesichts des behördlichen Chaos nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 – „Strukturen aus Preußens Glanzzeit“ als wesentliche Ursache für die Schwierigkeiten bei der Koordination der Aufräumarbeiten aus.

Dabei haben nicht wenige Menschen in den Verwaltungen durchaus bemerkt, dass viele Aufgaben deutlich komplexer geworden sind: Bei Projekten sitzen plötzlich viel mehr Akteurinnen und Stakeholder am Tisch, Menschen aus der Stadtgesellschaft wollen aktiv mitmischen, schwierige Probleme müssen in kürzester Zeit gelöst werden, klare Ziele sind oft nicht auszumachen, viele sich widersprechende Aspekte müssen in stimmige Lösungen zusammengeführt werden, es besteht die Notwendigkeit organisationsübergreifender Kommunikation und Zusammenarbeit auf Augenhöhe und so weiter.

Obwohl diese Veränderungen offensichtlich sind, brechen sich an ihren Klippen regelmäßig die hergebrachten Strukturen und Denkweisen – nachzulesen in unzählige Publikationen und Studien zum Thema.

Die beliebteste Reaktion der Verwaltung darauf: Wir brauchen mehr Personal! Und dann wird weitergemacht, wie bisher.

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Unser Blog: Wir suchen Autor:innen fürs nächste Jahr

Unsere Redaktion stellt gerade den Redaktionsplan vom 1. Oktober 2022 bis 31. Dezember 2023 auf. Dafür suchen wir Autor:innen, die ihre Erfahrungen, Gedanken, Ideen und Spinn-Weben mit der Visionsgemeinschaft all unserer Leser:innen teilen möchten.

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Megatrends: Ihre Bedeutung für kommunale Strategien

Die aktuelle Situation enthält auch für Verwaltungen auf „unterer“ Ebene – Gemeinden, Städte, Hochschulen – einige Lehren. Wir sind in unseren Planungen stark abhängig von globalen Faktoren – sowohl von langfristigen Entwicklungen (Klima, Demografie) als auch von plötzlichen „Zeitenwenden“ (Pandemie, Ukraine-Krieg).

Häufig erwischt es uns kalt – da stehen auf einmal 1.000 Ukraine-Flüchtlinge auf dem Marktplatz und wollen unterstützt werden. Und solche disruptiven Ereignisse wird es auch weiter geben – das ist unser VUKA-Schicksal /Anmerkung 1/.

Aber gleichzeitig könnten wir auf die langfristigen Trends stärker hinschauen – damit wir nicht ganz naiv durch die Welt gehen wie ein Frosch durchs Ufergras. Die Entwicklung der Storchenpopulation ist für Froschstrategen nämlich nicht ganz ohne Interesse. Auch wenn der einzelne Storch dann doch noch ein Überraschungsmoment auf seiner Seite hat. Leider.

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Einladung zur Schreibwerkstatt am 06.09.2022: Bessere Texte stressfrei schreiben

Schreiben ist ein zentraler Baustein von agilem Wissensaustausch. Wir schreiben auf unserem Blog, und wir haben aktuell ein Projekt am Laufen, in dem wir gemeinsam ein Buch „Agile Verwaltung 2040“ schreiben wollen.

Viele haben wenig Übung im Schreiben, und leicht gelangt man in eine resignative Haltung „das ist nichts für mich“ oder auch auf die abschüssige Ebene der Vergleiche „wie das andere bloß hinkriegen“.

Aber Schreiben ist auch Technik, die man erlernen kann. Und es hat etwas mit Haltung zu tun, die man einüben kann. Zum Lernen und Einüben dienen unsere kostenlosen Schreibwerkstätten.

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Mehr Agilität im D&I Prozess kommunaler Verwaltungen

Beitrag von Lila Sax dos Santos Gomes, Netsanet Berhane und Adamantia Goulandris

In der Kommune Planschbeckingen gibt es zu wenig Migrant*innen. Also nicht in der Kommune selbst, sondern in der Verwaltung. Sie ist zu homogen, zu weiß, zu christlich. Die Zivilgesellschaft fühlt sich unter- bis gar nicht repräsentiert. Daher entscheidet sich die Verwaltung dafür, sich zu “öffnen”. Sie will toleranter gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte werden. Sie will gendern, nicht-binäre Menschen einbinden und religiöse Vielfalt feiern. Es gibt nur eine Voraussetzung – eigentlich muss alles beim alten bleiben.

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Wie baut man Vertrauen untereinander auf?

Wir freuen uns sehr, einer Auswahl von Blogartikeln aus dem Musterwandler-Blog, der nicht mehr fortgeführt wird, hier im Forum Agile Verwaltung ein neues Zuhause bieten zu können. Wir wünschen euch eine spannende Lektüre.

Spreche ich mit Kolleginnen und Kollegen, dann fällt immer wieder mal auf, dass ein Aspekt häufiger genannt wird: Vertrauen. Es braucht mehr Vertrauen – untereinander, zwischen den Bereichen, zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen – so scheint es der Wunsch mehrerer Kolleginnen und Kollegen zu sein.

Jetzt ist das mit dem Aufbau von Vertrauen so eine Sache. Das funktioniert nicht mal einfach so – Vertrauen entsteht vor allem dadurch, dass Menschen bereit sind, Vertrauen zu schenken und eine Beziehung einzugehen. Insofern sind wir alle gefragt, wenn es darum geht, das Vertrauen untereinander zu stärken. Vielleicht gibt es aber etwas, dass uns dabei unterstützen kann.

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Aus der agilen Methodenkiste | Obeya Room – alle wichtigen Informationen und Entscheider an einem Ort versammelt

Ich bin ein großer Freund der visuellen Darstellung von Informationen. Ein Kanbanboard ist ein Beispiel für solch eine Visualisierung. Obeya Room oder Big Room ist ein Ansatz, der sich ebenfalls diese Idee zu eigen macht. Obeya, der Begriff kommt aus dem Japanischen. Das deutet schon an, aus welcher Ecke die Grundidee ursprünglich stammt. Obeya wird gerne mit Big Room, also großer Raum übersetzt. Mir ist zwar auch der Begriff „Kommandozentrale“ in diesem Zusammenhang über den Weg gelaufen. Das wird jedoch der Grundidee der Philosophie und den Prinzipien hinter dem Begriff nicht gerecht.

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