Stehenbleiben oder abhauen? Zum Verständnis von Sicherheit in der Verwaltung

Ein Beitrag von Netsanet Berhane und Lila Sax dos Santos Gomes

Es ist allgemein bekannt, dass das menschliche Gehirn Veränderung oder Neuanpassung nicht leicht hinnimmt, Die vornehmliche Aufgabe des Gehirns ist „Energie zu sparen“ und möglichst nur „bekannten Situationen beziehungsweise Abläufen zu vertrauen“. Alles soll und muss in klar definierten Bahnen ablaufen, da dem menschlichem Gehirn damit – SICHERHEIT suggeriert wird.

Treten schlimme Zeiten ein (damals Säbelzahntiger oder Mammuts, heute vielleicht Naturkatastrophen), wird man mit unvorhersehbaren Umständen konfrontiert und man muss schnell und lebenserhaltend handeln. Vor allem aber muss man unbekanntes Terrain betreten. Das verlangt einem so viel Energie ab, dass es kein Wunder ist, wenn sich Menschen lieber schön gemütlich auf altbewährtes verlassen, Veränderungen und denen sich daraus ergebenden neuen Lebensumständen gegenüber skeptisch verhalten.

Der kleinste Funke von UNSICHERHEIT reicht schon aus, um im Hirnstramm die Verhaltensweisen „fliehen“ oder „angreifen“ zu signalisieren.    

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FAV-Buchprojekt „Agile Verwaltung 2040“: Ein erster Rohentwurf kann von euch begutachtet werden

Das Herausgeberteam des geplanten Buchs – als da sind Christiane Büchter, Peter Bauer, Alexander Joedecke, Jan Fischbach und Wolf Steinbrecher – also wir – sind froh, stolz, gerührt, begeistert, aufgewühlt, gespannt, zweifelnd – angesichts der Tatsache, dass wir nunmehr eine „Nullnummer“ unseres gemeinsamen Buchs erstellt wurde. Diese Nullnummer möchten wir euch hier vorstellen. Und wer sie lesen und begutachten möchte, kann sie in Form eines pdf bei uns anfordern.

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Berufseinsteigende oder Vorgesetzte: Wer ist ‚fauler‘?

Über Menschen und Arbeitswelten.
Insbesondere junge Erstere und hergebrachte Zweitere …

In diesem Blogartikel denke ich – wie hier versprochen – laut und öffentlich nach über junge Menschen frisch in der Arbeitswelt und die Reaktionen eben dieser Arbeitswelt auf sie.

  • Über ihre Werte.
  • Über das, was sie können und die Betriebe nicht und
    über das, was sie noch nicht können, die Betriebe aber schon.
  • Über die teilweise erschreckenden Missachtungen ihrer Motivation und ihrer dargebotenen mitgebrachten Möglichkeiten durch die Realitäten der «empfangenden» Organisationen bzw. Betriebe.
  • Über mögliche Gründe für das Phänomen, das mir gerade so oft begegnet,
  • und über Lösungsangebote dafür.

Zwei Beispiele aus der erfundenen Praxis sollen helfen, das Thema greifbarer zu machen:(‘erfundene Praxis’ heisst, die Beispiele sind ungefähr so tatsächlich passiert, aber so verfremdet, dass sie nicht auf echte Personen oder Fälle zurückgeführt werden können.)

Situation 1:
Ein Kunde rief mich an und sagte: «Wir brauchen deine Unterstützung, wir haben ein Problem, müssen etwas angehen, das uns vor Rätsel stellt.

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„Verwaltung 2040“: Wie sehen unsere Zukunftsbilder aus?

Das ist jetzt ein Experiment. Wir wollen euch, die Leserinnen und Leser unseres Blogs, einladen, mit uns gemeinsam ein Zielbild einer modernen, offenen, innovativen, beweglichen Verwaltung im Jahre 2040 zu entwerfen. Und dabei alle Schranken, die uns die Skepsis, der Zweifel, die Scham und – ja, leider auch der gesunde Menschenverstand und die realistischen Einschätzungen – auferlegen, für einen Moment beiseite lassen.

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#AusDerAgilenMethodenkiste: Kanban mit STATIK einführen

Mit unserem Beitrag wollen wir das STATIK-Modell (Systems Thinking Approach to Implementing Kanban) als einen praxisbewährten Leitfaden für die Einführung von Kanban vorstellen.

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Was ist los in Äf-FAV-aulien?

Gutes Schreiben

Vor fünf Jahren beschloss ich, besser zu schreiben. Mir half dabei ein in Deutschland nahezu unbekanntes Buch: „On Writing Well“ von William Zinsser. Obwohl es sich um ein amerikanisches Buch handelt, sind die Prinzipien von William Zinsser in der deutschen Sprache, in der öffentlichen Verwaltung und für diesen Beitrag hilfreich. Meine Geschichte über das Schreiben beginnt vor langer Zeit in einer kleinen Realschule in Düsseldorf.

Der Straßenbahnmörder

Ich war 10 Jahre alt und schrieb eine Deutscharbeit. Das Thema war „Trivialliteratur“. Mir blieben 45 Minuten Zeit, in denen ich eine Kurzgeschichte im Stile eines „Jerry Cotton“ Romans schreiben sollte. In dieser Klassenarbeit bemerkte ich plötzlich etwas Seltsames. Schreiben macht Spaß. Ich überlegte nicht lange und entwickelte die Geschichte des „Straßenbahnmörders“. Zufrieden legte ich den Füllfederhalter aus der Hand. Das war wirklich schön! Vielleicht bekam ich jetzt eine bessere Note in Deutsch, etwa ein „Befriedigend“ oder sogar ein „Gut“?

Eine Woche später war es so weit. Mit ausdruckslosem Gesicht schubste mir die Deutschlehrerin die Arbeit über den Tisch. Das Heft rutschte mir entgegen und das Ergebnis brannte sich in mein Gedächtnis ein: „Mangelhaft“. Schreiben macht doch keinen Spaß, das war mir jetzt klar.

Ist Schreiben eine Begabung?

Meine Erinnerung an den Deutschunterricht führte zu Glaubenssätzen, an denen ich viel zu lange festhielt:

  • Schreiben erfordert Talent!
  • Schreiben ist etwas für Akademiker, nicht für Arbeiterkinder.
  • Emotionen gehören nicht in einen Text.
  • Formale Struktur schlägt Inhalt.
  • Schreibe nur, wenn es nicht anders geht.

Ich habe eine lange Zeit gebraucht, bis ich diese Glaubenssätze hinter mir lassen konnte. Ganz losgeworden, bin ich sie bis heute nicht.

Über gutes Schreiben

Im Jahr 2018 beschloss ich, ein besserer „Schreiber“ zu werden. Ich suchte ein Buch über „Gutes Schreiben“ und wurde ausgerechnet bei einem amerikanischen Buch fündig: „On Writing Well“ oder auf Deutsch, „Über gutes Schreiben“, von William Zinsser. Das Buch handelt vom Schreiben im „Non-Fiction Bereich“. Also vom Interview, über einen Meinungsartikel bis, hin zum Sachbuch.

Nach dem Lesen von „On Writing Well“ schrieb ich einen ersten Artikel auf dem Blog von t2informatik.de (Stoppt Agilität), bei dem ich die neugewonnenen Erkenntnisse ausprobierte. Und ich suchte mir Feedback, von meiner Freundin und von Michael Schenkel, der diesen Blog betreibt. Das Ergebnis war mehr als gut. Der Beitrag „Stoppt Agilität!“ wurde Blog des Jahre 2018.

Mein Tipp: Lerne von den Besten und hole dir aktives Feedback von deinen Besten.

Schreiben ist keine Kunst

Schreiben ist ein Handwerk. Und gutes Handwerk entsteht erst durch Übung. Daher ist es falsch, beim Schreiben auf eine Inspiration, zu warten. Viel besser ist es, regelmässig oder gar täglich zu schreiben. Ich nutze ein persönliches Tagebuch zur Reflektion. Schreiben erfordert also Übung und basiert nicht auf Inspiration oder einer Eingebung.

Meine Erkenntnis ist: Das Schreiben kommt beim Schreiben.

Schreiben ist eine Reise zu sich selbst

Schreiben hat mehr mit dem Autor, als mit dem Inhalt zu tun.
William Zinsser schreibt dazu:

„Auf den Punkt gebracht ist das, was ein Autor verkauft, nicht der Inhalt, sondern seine eigene Persönlichkeit“.

William Zinsser, On Writing Well

Ich schreibe mit Wärme und Empathie als Mensch für Menschen. Oder schärfer formuliert: Ich schreibe so, dass ich den Text selbst gerne lesen möchte. Wenn der Text auch noch anderen gefällt, dann ist das ein wunderbarer Nebeneffekt.

Schreiben erfordert Reduktion

Meine Texte sind zu lang. Es fällt mir schwer, auf den Punkt zu kommen. Wir sagen im Deutschen gerne: „In der Kürze liegt die Würze“. William Zinsser formuliert es so:

„Schreiben bedeutet, jeden Satz auf die einfachsten Komponenten zu reduzieren.“

William Zinsser, On Writing Well.

Zinsser geht noch weiter und sagt: Für Gott gibt es keine minimale Satzlänge.

Der schlimmste Fehler sind langwierige Umschreibungen und ein Übermaß an Fremdwörtern. Fasse dich kurz, sagte die alte Deutsche Post einmal. Sie hatte recht!

Liebe Verben und vermeide Adjektive

Das stärkste Wort für jeden Autor ist das „Verb“. Verben erzeugen ein Momentum und eine Kraft, die eine Geschichte antreibt. Starke Verben führen auch zu klaren Aussagen und zu einer eigenen Position.

Adjektive sind das Gegenstück zu Verben. Adjektive können Krafträuber sein. Nutze Adjektive zur Präzisierung von Sachverhalten und vermeide die „blümerante“ Ausschmückung. Adjektive können Imagination zerstören.

Das liebe „Ich“

Mir wurde im Deutschunterricht beigebracht, dass das Wort „Ich“ in der schriftlichen Kommunikation vermieden werden sollte. Dabei ist das „Ich“ stark, weil damit eine Position bezogen wird. Und eine klare Position sorgt für Emotionen.

Mein Tipp: Wenn das „Ich“ nicht verwendet werden kann, gibt es einen einfachen Trick: „Denke an das Ich und schreibe es dann anders“.

Beziehe eine Position

Positionen sind stark. Sie schaffen Klarheit oder sorgen für Reibung. Ich bin immer für klare Positionen in einem Blogartikel, in einer Entscheidungsvorlage, in einem Fachartikel. Relativierende Begriffe, „könnte“, „müsste“ oder „sollte“ schwächen den Text. Es ist völlig in Ordnung, unterschiedliche Standpunkte darzustellen, aber ein guter Text empfiehlt klar einen Standpunkt.

Unsere Sprache hat einen Rhythmus

Mit einem Punkt hat mich William Zinsser überrascht. Zinsser sagt, dass jeder Text einen Rhythmus hat. Und dieser Rhythmus wird erst beim Lautlesen erkennbar.

Mein Tipp: Lesen Sie ihre Texte laut vor. Achten Sie auf die Sprachmelodie. Wie klingt das eigentlich? Ändern Sie den Text, damit er einen Rhythmus oder Takt entfalten kann. Ähnlich, wie bei einem Gedicht.

Ein Satz treibt den Nächsten

Jeder Satz hat seine Aufgabe. Der Satz soll so interessant sein, dass der Leser auch den nächsten Satz lesen möchte. Wenn das gelungen ist, dann sind Sie einen Riesenschritt weiter. Der Leser liest einen interessanten Satz nach dem anderen. Er bleibt am Text dran und liest zu Ende. Und es gibt einen besonders wichtigen Satz.

Der erste Satz ist wichtig

Der erste Satz ist der wichtigste Satz. Er entscheidet, ob der Leser den Beitrag weiterliest oder zum nächsten Beitrag weiterzieht. Idealerweise ist der erste Satz so stark und hat so viel Kraft, dass der Leser Lust verspürt, auch den zweiten Satz zu lesen.

Was funktioniert gut für erste Sätze?

Gute erste Sätze sind eine starke Position oder eine interessante Situation aus der Welt des Lesers. Hervorragend sind auch eigene persönliche Erlebnisse, die zum Kontext passen. Der erste Satz darf sogar die ganze Geschichte erzählen.

Hier ist ein starker erster Satz aus der Bibel:

„Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.“

(Genesis, Kapitel 1, Vers 1)

Mein Tipp: Nehmen Sie sich für den Anfang eines Artikels etwas mehr Zeit. Insbesondere für den ersten Satz.

Schreiben heißt überarbeiten

Ich habe lange geglaubt, dass ein guter Autor seine Texte einfach schreibt und diese dann nach kurzer Korrektur fertig sind. Das war ein Irrglaube. Die Wahrheit ist, dass die eigentliche Arbeit erst nach dem Entwurf des ersten Textes beginnt.

J.R.R Tolkien, der Autor vom „Herrn der Ringe“, hat seine Texte wieder und wieder überarbeitet. Einige Texte soll er mehrfach neu geschrieben haben. Handschriftlich! Jeder, der den kleinen Hobbit oder Herr der Ringe gelesen hat, weiß, die Texte sind großartig. (Das gilt übrigens für alle Kinderbücher, denn ich lese gerade den Räuber Hotzenplotz von Preußler)

Mein Tipp: Planens Sie Zeit für die Überarbeitung ein. Kürzen Sie!

Die Erzählung ist immer eine Geschichte über den Erzähler

Heute weiß ich, dass mein Aufsatz „Der Straßenbahnmörder“ formal fehlerhaft war und deutliche Rechtschreib- und Grammatikfehler hatte. Aber die Geschichte, die war gut.

Ein guter Text muss und sollte nicht jedem gefallen. Gleichzeitig birgt das eine wunderbare Chance. Jeder Text beschreibt eine Perspektive. Wenn meine Perspektive nicht gefällt, dann ist genug Raum für eine andere Perspektive da. Der Diskurs belebt das Geschäft.

Ultimately the product that any writer has to sell is not the subject being written about, but who he or she is.

William Zinsser

Griff in die Bücherkiste: „Mission. Auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaft“ von Mariana Mazzucato

Ziel der Reihe „Griff in die Bücherkiste“ ist es nicht, Kurzzusammenfassungen von Büchern zu liefern und damit den Leser:innen die Lektüre zu ersparen. Sondern umgekehrt, die Ziele und Herangehensweisen eines Buchs zu schildern und diejenigen zur Lektüre anzuregen, die sich mit entsprechenden Themen beschäftigen.

Das Buch wurde von Mariana Mazzucato verfasst, Professorin für Innovationsökonomie und Public Value am University College London. Es trägt den Titel „Mission. Auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaft“ und ist im Jahr 2021 im Campus Verlag auf Deutsch erschienen (im gleichen Jahr wie die Originalausgabe, die allerdings den aussagekräftigeren Titel trägt: Mission Economy: A Moonshot Guide to Changing Capitalism).

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Was ist Agilität? – Zum x-ten Mal gestellt, zum x-ten Mal keine Antwort

Immer wieder die Frage – von Lesern, Konferenzbesuchern, innerhalb des FAV: Was ist Agilität? Unsere Webseite „Agilität in der Verwaltung – eine einführende Übersicht“ wurde schon über 4.500-mal aufgerufen.

Aber eine schlüssige Definition, gar eine endgültige Antwort – wie soll es die geben? Gerade Agilität beruht auf der Erfahrung, dass nichts endgültig und fest ist. Wie sollte also Agilität ein starres Rahmenwerk sein, wenn sie selbst die Bewegung in einer bewegten Umwelt sein will? Wir müssen immer wieder die Anstrengung machen, mir neu über den Sinn von agilen Herangehensweisen zu verständigen.

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LdN-Podcast: Gründe für das Scheitern des OZG

Es ist eine Stimme aus der Zivilgesellschaft – oder fast ein Aufschrei. Die „Lage der Nation“, hat zwei ausführliche Folgen dem Thema „Digitalisierung der deutschen Verwaltung“ gewidmet. Es ist der bestrecherchierte, mir bekannte Beitrag zum Thema „Woran ist das OZG gescheitert und was ist zu tun?“

Wir stellen einen Überblick über die Inhalte der Podcasts vor und liefern die Links dorthin.

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