Rezension: Agile Unternehmen – nur was sich bewegt, kann sich verbessern

Valentin Nowotny
Valentin Nowotny

Ich bin in den Genuss eines weiteren, hervorragenden Buchs zum Thema Agilität und neues Führen gekommen. Weiter empfehlen kann ich das AGILE UNTERNEHMEN (auf Amazon) besonders allen Einsteigern in die Thematik, denn auf umfangreichen 391 Seiten bietet dieses Sachbuch alle Perspektiven des agilen Arbeitens. Aber auch Jenen, die sich schon auf den Weg gemacht haben und weitere Anregungen benötigen, zudem auch den noch Skeptikern, denn hier ist sehr viel über die Vorteile selbstbestimmten Wirkens sowie dem schnellen Reagieren auf Planabweichungen zu erfahren. Wobei der Autor Valentin Nowotny (Xing-Profil) gerade auch das zu detaillierte Planen neben vielen alten Managementwerkzeugen möglichst auf die Müllhalde geworfen wissen möchte.

Aufbau des Buches

Was mir neben dem frischen Schreibstil besonders gut gefallen hat, ist der Aufbau der einzelnen Artikel. Hier werden neben den harten Fakten die eher selten in einem Sachbuch zu findenden weicheren Parameter, nämlich das Seelenleben der Mitarbeitenden betreffend, behandelt. Dabei spielt Herrn Nowotny neben seiner langjährigen Projekterfahrung seine Profession als Psychologe und Medienberater gekonnt aus.

Bis auf eines enthalten alle 14 Hauptkapitel drei Unterkapitel. Das erste beginnt in der Regel mit einer Frage, das zweite vertieft das Thema, und der Abschluss lässt uns jeweils einen Blick auf Denk- und Psychofallen zum gerade behandelten Thema werfen. In einem gelungenen, psychologisch-agilen Vorwort fallen auch schon die auf diesem Blog bewegten Begriffe New Work und Augenhöhe. Da die Titel der Kapitel für sich sprechen, möchte ich sie hier gleich listen:

  1. Von den Anfängen agilen Denkens und Handelns
  2. Das Prinzip Agilität aus dem Blickwinkel des Psychologen
  3. Projekte schneller machen: Scrum als hochwirksamer Psychoturbo für aufgeweckte Teams
  4. Arbeit sichtbar machen: Kanban macht Teams flexibel und schafft einen positiven Flow-Prozess
  5. Gute Ideen spielerisch austesten: Design Thinking überwindet die engen Grenzen der Wahrnehmung
  6. Neuland erobern: Jenseits etablierter Wahrheiten im Lean-Start-up eigene Ideen validieren
  7. Psychologische Mechanismen spielerisch begreifen: Agile Games bringen es auf den Punkt
  8. Fokussierte Lernbausteine im Team: Retrospektiven erlauben, zusammenzuwachsen
  9. Phänomen VUCA-Welt: Das Unvorhersehbare und der menschliche Wunsch nach Kontrolle
  10. Magische Glücksmomente als wahrhafte Treiber einer agilen Welt
  11. Selbstorganisation ohne Führung? Weit gefehlt. Agil führen geht anders
  12. Leicht gesagt, schwer zu gestalten: Achillesferse Unternehmenskultur
  13. Agile Transition: Wie sich ein Unternehmen psychologisch intelligent umbauen lässt

Nun lässt der Autor den geneigten Leser, der nun etwas bewegen möchte, nicht allein, sondern gibt im abschließenden 14. Kapitel noch die wichtigsten Tipps für einen Einstieg ins agile Arbeiten, die da wären:

14.1 Machen Sie keine halben Sachen …
14.2 Etablieren Sie einen Piloten …
14.3 Sorgen Sie für positive Stimmung …
14.4 Nehmen Sie alle Beteiligten mit …
14.5 Klare Ziele, klare Sprache …
14.6 Persönlichen Ärger produktiv machen …

Am Ende jedes Hauptkapitels gibt es noch ausführliche Literaturhinweise, die nochmals im sechsseitigen, das Buch abschließenden Literaturverzeichnis zusammengefasst werden. Da hier auch noch Links auf die begleitende Web-Seite angeboten werden, erhöht sich der Informationsgehalt noch einmal um ein Vielfaches, lehrreiche Videos inklusive.

Beispiele von Denk- und Psychofallen

Ich möchte ein Beispiel bringen, was der Psychologe mit Blick auf Denkfallen zu sagen weiß, hier die # 2. zu den agilen Prinzipien:

„Wir haben schon jeden dazu gebracht, dass er spurt.“

Die Generation Y will nicht nur wissen, ob sie in die richtige Richtung läuft, sie möchte auch wissen, warum. Ich bin gelegentlich als Referent für eine private Weiterbildungsuniversität in Deutschland tätig. Hier müssen Noten für den erwachsenen und bereits berufstätigen gestandenen Studierenden gegeben werden – wie in jeder Uni. Die Besonderheit: Diese müssen auch begründet werden, am besten wertschätzend, motivierend und mit hilfreichen Hinweisen für die persönliche Verbesserung! Das hätte es früher nicht gegeben, was für ein Luxus, denken Sie vielleicht. Ja, und es ist genau das, was oft fehlt: ein Feedback auf den Punkt. Etwas, was den Einzelnen weiterbringt, und zwar unabhängig von einem Machtkontext.

Menschen brauchen Feedback. Positives Feedback funktioniert einhundert Mal besser als negatives Feedback. Wenn Sie schauen, was gut läuft, bekommen Sie häufig in der Folge mehr Dinge, die gut laufen. Warum nur? Das dahinterstehende, allgemeingültige psychologische Prinzip ist: Worauf man seine Aufmerksamkeit richtet, davon bekommt man mehr. Schaut man auf die Fehler, sieht man noch mehr davon. In der agilen Welt hat jedes Teammiglied eine klare Funktion: Immer eine positive Orientierung anbieten, zum Beispiel Smiley verschicken! – Übrigens, toll, dass Sie bis hier schon so fleißig gelesen haben 🙂

Fazit: Freiwilligkeit und positiv fokussiertes Feedback ist ein Grundbedürfnis einer neuen Generation, das Sie nicht verletzen sollten!

Andere Denkfallen-Beispiele  aus anderen Kapiteln lauten im Titel:

„Kritik ist wichtig, ich finde hier bestimmt noch ein Haar in der Suppe.“

„Was soll ich das noch alles testen, ich weiß doch, dass wir gut sind!“

„Was für Bereich A funktioniert, wird sicher auch bei Bereich B gute Ergebnisse erzielen.“

„Das Geschäftsmodell müssen wir nicht täglich vor Augen haben, wir sind doch erfolgreich!“

„Glück ist ein abstrakter Begriff und hat nichts mit sinnlicher Wahrnehmung zu tun.“

Auch wenn ich mich wiederhole: für mich sind die Betrachtungen der Psychofallen der wichtigste Teil des Buches, eben weil aus der psychologischen Perspektive geschrieben sind. Das ist für ein solches Sachbuch ein klarer Unique Selling Point!

Was für mich neu war

  • das Motivationsmodell nach Klaus Grawe
  • Die zehn New-Work-Prinzipien von Google
  • Die Blütezeit einer Organisation
  • Einige Spiele zur Verdeutlichung und zur Anwendung von agilen Methoden

Sowie eine Reihe von neueren Studien, von den ich noch nichts wusste.

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztiegel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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