Über die Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft …

Ich freue mich, Euch hier das erste Interview in der kleinen Reihe zur Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft zu präsentieren!

Genießt es! Euer Hendrik Epe


Sabine Depew
Sabine Depew

Liebe Sabine, stell Dich doch einmal kurz vor: Was machst du und was bewegt dich? Was treibt dich an?

Ich bin seit über zwanzig Jahren im sozial-caritativen Bereich tätig.

Zu meinem Verantwortungsbereich gehören Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, die junge Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten von der Schwangerschaftsberatung über Kitas bis zur offenen Ganztagsschule. Alles Weitere ist bei Xing nachzulesen 😉

Was mich bewegt?

Soziale Ungerechtigkeit.

Ich möchte, dass Kinder und Jugendliche unter bestmöglichen Bedingungen aufwachsen können. Ich bin überzeugt und das ist Teil meines christlichen Menschenbildes, dass jede/r Mensch Begabungen in sich trägt, die in Erziehung und Bildung sowie dem Elternhaus entdeckt und gefördert werden sollten.

Darüber hinaus habe ich einen Faible für Trends und Innovationen. Ich probiere gerne Neues aus, um festzustellen, ob das die wohlfahrstverbandliche Arbeit bereichern kann.

Mit Blick auf die Arbeit in deinem Arbeitsfeld/deinem Verantwortungsbereich: Welche Veränderungen siehst du in den nächsten Jahren auf Dich zukommen?

Die größte Veränderung sehe ich in der zunehmenden Digitalisierung der Arbeits- und Lernwelten.

Ähnlich wie die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert wird sich unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung verändern. Das habe ich im einzelnen in dem Blogartikel Sozialarbeit 4.0 ausgeführt.

Welche Veränderungen ich sehe?

Zum einen sehe ich, dass die Gesellschaft sich grundlegend verändert, sehr viel bunter wird und gleichzeitig mehr Familien in Notlagen geraten, so dass sich mancher wie ich auch bereits die Frage gestellt hat, ob die Familie die soziale Frage des 21. Jahrhunderts  ist.

Was heißt das aus meiner Sicht genau:

  • Soziale Kohäsion verbunden mit dem Thema Inklusion
  • Bildung für alle verbunden mit dem Thema Fachkräftesicherung.
  • Frauen in Führungspositionen verbunden mit der Frage wie ernst es uns ist mit der Vereinbarkeit von Familie & Beruf.
  • Wissensarbeit 4.0 verbunden mit einer neuen Kommunikationskultur, die durch soziale Medien geprägt ist.
  • Internet der Dinge – digitalisierte Alltagshilfen.

Was glaubst Du, welche Chancen oder auch Herausforderungen sich dadurch für Deinen Arbeitsplatz/deine Arbeit ergeben?

Die Zeiten sind viel schnelllebiger geworden. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Wir sind als Wohlfahrtsverbände gefordert, flexibel auf aktuelle Nöte zu reagieren. Ein ganz aktuelles Beispiel ist die Flüchtlingsarbeit.

Als Verbände sind wir zudem gefordert vorzudenken, wie sich aktuelle Trends auf die Entwicklung der sozialen Arbeit auswirken werden, z.B. das Thema Arbeiten 4.0.

Insgesamt sehe ich folgende Entwicklungen auf uns zukommen:

  • Hierarchien werden flacher, weil Mitarbeitende ihre eigenen Netzwerke entwickeln.
  • Direkte Kommunikation und projektorientiertes Arbeiten werden zunehmen.
  • Das stellt neue Anforderungen an Führungskräfte, die es auch weiterhin geben wird, aber ihre Arbeit wird sich verändern. Sie werden eher als Coaches und Prozesssteuerer gefragt sein.
  • Frauen in Führungspositionen werden zur Selbstverständlichkeit.
  • Lern- und Arbeitskulturen werden kreativer und orientieren sich sehr viel mehr an individuellen Kompetenzen.
  • Familie und Beruf werden sich deutlich besser vereinbaren lassen.

Welche Herausforderungen, also negative Aspekte, siehst du dadurch vielleicht auch für Deinen Arbeitsplatz/deine Arbeit?

Gesellschaftlicher und technologischer Wandel vollzieht sich sehr schnell.
Die Ausbildung muss so gestaltet sein, dass sie diese Zukunft im Blick hat.

Das bedeutet auch, dass die Ausbilder hierfür offen sein müssen.
Soziale Medien fördern eine neue Arbeits- und Kommunikationskultur, die zunächst nachvollzogen werden muss : z.B. hierarchiefreie Vernetzung, themenbezogenes organisationsübergreifendes Interagieren, Duzen, informelles Chatten etc.

Stichpunktartig sehe ich insbesondere die folgenden Herausforderungen auf uns zukommen:

  • Wie kann man neue Werte – bspw. die Generation Y – zulassen, damit die in die Organisationen kommen, die den Wandel nachvollziehen können?
  • Wie kann man Strukturen entwickeln, die ad hoc Teams fördern, damit zügig auf gesellschaftliche Nöte eingegangen werden kann?
  • Wie können Teams nach Kompetenzen und nicht nach Proporz besetzt werden?. Durch Letzteres entstehen zu viele Reibungsverluste.
  • Wie können kreative Freiräume und Kommunikationsräume entwickelt werden, damit Innovationen genügend Raum haben? Hierzu empfehle ich den Artikel: Was wir von Google lernen können.

Welche Auswirkungen der sich möglicherweise verändernden Arbeitswelt siehst du für die Klientel, mit der du zusammenarbeitest?

  • Auch hier fallen mir spontan ein paar Fragen ein, die von uns beantwortet werden müssen:
  • Wie können wir die bunter werdende Gesellschaft und damit Inklusion als Bereicherung anerkennen?
  • Wie kann unsere Klientel fähig sein, den technologischen Wandel nachzuvollziehen und sich nicht ausgrenzt zu fühlen (und zu sein) von Informations- und Wissensmanagement?
  • Wie können wir unsere Klientel befähigen, Bildungsanschlüsse nicht zu verpassen?
  • Wie kann unsere Klientel ausreichend qualifiziert werden? Einfache Arbeitsplätze werden zunehmend wegfallen.
  • Wie können wir es schaffen, weniger soziale Not, sondern existenzsichernde finanzielle Einkommen für alle Familien sicherzustellen?

Liebe Sabine, ganz herzlichen Dank für Deinen Einblick in Deine Arbeit und deren Zukunft!

Mit freundlicher Genehmigung von Hendrik Epe, der diesen Artikel zuerst auf IdeeQuadrat – Die Zukunft der Arbeit in sozialen Organisation veröffentlicht hat: Sabine Depew zur Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztiegel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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