Gemeinde Altena im Sauerland: ein agiles Beispiel für die Organisation der Flüchtlingsaufnahme

Altena
Altena im Märkischen Kreis (Bild: Wikipedia)

Wer sagt, es gäbe keine Beispiele für agile Verwaltungen in Deutschland? Die agilen Praktiker kennen vielleicht „bloß“ die zugehörige Theorie nicht, nach der sie ganz praktisch handeln. Und in der Presse haben positive Beispiele, wie man die Flüchtlingsaufnahme ganz unaufgeregt „schaffen“ kann, keine Konjunktur.

Eine Ausnahme macht ein Interview, das der Deutschlandfunk am 29. Februar in den „Informationen am Morgen“ kurz nach 8 Uhr ausstrahlte. Der Bürgermeister der kleinen Stadt Altena im Sauerland, Andreas Hollstein (CDU), wurde dort zu seinen Methoden interviewt, die aktuellen Herausforderungen anzunehmen.

Altena hat freiwillig mehr Flüchtlinge aufgenommen, als der Gemeinde eigentlich zugewiesen werden sollten. Eine aktive Einbindung des Ehrenamts, dezentrale Unterbringung in Wohnungen statt in ghettogefährdeten Flüchtlingsheimen, Einbeziehung aller Betroffenen in die Problemlösung (auch die „unzufriedenen Bürger“) und vor allem: Schwierigkeiten ansprechen statt zu versuchen, sie zu umgehen – eigentlich ganz einfache „agile“ Handlungsregeln.

Es geht bei Agilität nicht um Methoden. Die wären ja noch einfach. Es geht um die Haltung und das Handeln „auf Augenhöhe“.

Die vollständige Abschrift des hochspannenden Interviews findet man unter „Ich kann nur dafür beten, dass die Kanzlerin ihren Kurs hält“

 

Autor: Wolf Steinbrecher

Volkswirt und Informatiker. Zuerst als Anwendungsentwickler in Krankenhäusern und Systemhäusern tätig. Dann von 1995 bis 2008 Sachgebietsleiter für Organisation und Controlling in einem baden-württembergischen Landkreis (1.050 MA). Seitdem Berater für Teamarbeit und Dokumentenmanagement. Teilhaber der Common Sense Team GmbH Karlsruhe, www.commonsenseteam.de. Blogger bei www.teamworkblog.de.

1 Kommentar zu „Gemeinde Altena im Sauerland: ein agiles Beispiel für die Organisation der Flüchtlingsaufnahme“

  1. Hier mal noch ein interessanter Ausschnitt aus dem Interview:

    Heinemann: Was in den Großstädten sicherlich schwierig ist. Aber wie wichtig sind für die Ankommenden die eigenen vier Wände?

    Hollstein: Die eigenen vier Wände sind wichtig und wir sind auch glücklicherweise aufgrund von ganz starker Ehrenamtsarbeit aufgrund unserer Defizite in den letzten Jahrzehnten in der Lage, eine sehr starke Zivilgesellschaft zu haben. So stellen wir jeder Wohngemeinschaft auch einen sogenannten Kümmerer oder eine Kümmerin zur Seite. Das sind ehrenamtlich Tätige und die sind die Qualität. Vor denen in der Bundesrepublik Deutschland muss man den Hut ziehen. Wir im Hauptamt machen nur unseren Job, aber diese Menschen, die engagieren sich nach Feierabend oder in ihrer Freizeit und machen es leichter den Ankommenden, wirklich anzukommen, und uns auch, weil jedes Problem, was da gelöst wird, das fällt nicht auf den hauptamtlichen Schreibtisch und das hilft auch, die Akzeptanz für Flüchtlinge zu steigern, weil man muss ganz klar sagen: Die Menschen sind da genauso heterogen wie unsere Gesellschaft. Auch da verstehe ich die Hysterie nicht. Es gibt ja auch Deutsche, die wir vielleicht gar nicht so gerne in Deutschland haben, aber mit denen müssen wir leben. Ich glaube, das ist beim Bereich der Asylbewerber nicht anders.

    Heinemann: Wie erklären Sie sich diese Mobilisierung, die Sie gerade geschildert haben?

    Hollstein: Ja, weil wir ganz viel mit Bürgern gemacht haben. Das hängt auch damit zusammen, dass wir eine relativ finanzschwache Stadt sind. Da muss man kreativ sein, da muss man viel auch in die Bürgerschaft geben, Leitplanken setzen, aber nicht mehr alles vorgeben. Wir haben eine Freiwilligen-Agentur, die ungefähr 500 bis 1.000 Menschen erreicht. Das ist eine Arbeit von fünf bis zehn Jahren gewesen, die aufzubauen, für die Menschen, die es getan haben, und das ist heute unser Kapital. Wenn wir 70 Menschen haben, die sich um Wohngruppen, um Menschen kümmern, dann ist das ein Pfund und dann sieht man auch, dass aus dem anonymen Flüchtling der Mehmet oder die Rasha wird, und das macht die Integration möglich und das beseitigt auch Spannungen in der Bevölkerung. Natürlich gibt es auch bei uns – wir sind keine Wunderstadt – Menschen, die dagegen sind. Bei uns gibt es auch Facebook-Hetze und Drohungen, klar. Aber ich glaube schon festzustellen, dass es weniger ist als in anderen Städten.

    Er weist auf die Beteiligung von Bürgern via Ehrenamt hin. Also das, was wir in unserem Gründugsgespräch auch schon erwartet haben, was passieren wird, wenn der finanzielle Rahmen immer enger wird.

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