Gelungene (agile) Kommunikation mit LEGO® Serious Play®

Agiles Arbeiten lebt von gelungener Kommunikation: Sowohl innerhalb von (cross-funktionalen) Teams als auch mit den beteiligten Stakeholdern. Dabei sind die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache und der Abbau von Silodenken durch das Schaffen von Transparenz zentrale Herausforderung im Kommunikationsprozess. Daneben stellt sich beim agilen Arbeiten oft die Frage, wie verschiedene Stakeholder gleichberechtigt in den Kommunikationsprozess einbezogen werden können. Eine Möglichkeit diesen verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist der Einsatz der Methode LEGO® Serious Play® (LSP), die sich hervorragend als Kommunikationstool in agilen Prozessen eignet.

LSP wurden in den 1990er Jahren in Kooperation zwischen dem dänischen Spielzeughersteller LEGO® und dem Schweizer International Institute for Management Development Lausanne entwickelt und ist seit 2010 unter einer CC-Lizenz nutzbar. /1/ LSP verbindet aktuelle Erkenntnisse der Managementwissenschaften mit Theorien der Lern- und Entwicklungspsychologie.

Die Ziele von LSP

Mit dem Einsatz von LSP werden drei Ziele verfolgt: /2/

  1. Breite Beteiligung ermöglichen und Involviertheit der Teilnehmenden steigern: Die LSP Methode garantiert zum einen eine gleichberechtigte Beteiligung aller Teilnehmenden am Arbeitsprozess (z. B. ähnliche Redeanteile und die Möglichkeit für alle, Beiträge zu äußern), zum anderen fördert sie die aktive Mitarbeit aller Teilnehmenden und evoziert hohes individuelles Engagement.
  2. Wissen zugänglich machen: Durch LSP wird das individuelle träge Wissen der Teilnehmenden zugänglich gemacht. Darüber hinaus fördert die Methode das Entwickeln von Verständnis und Interesse für die Perspektiven und Erkenntnisse der anderen Teilnehmenden.
  3. Den Teilnehmenden ermöglichen, aus festen (Denk-)Bahnen auszubrechen und neue Ideen zu generieren: Der menschliche Verstand ist darauf trainiert, in Mustern zu denken. d. h. nicht nur bekannte Denkmuster anzuwenden, sondern neue Denkmuster im Sinne von neuen Ideen, Perspektiven oder Erklärungen zu entwickeln.

Der Arbeitsprozess

Um die skizzierten Ziele zu erreichen verbindet LSP die Vorzüge des Spiels und des Modellierens mit LEGO-Steinen in einem strukturierten Prozess. Unter Verwendung einer Vielzahl verschiedener LEGO Steine entwickeln die Teilnehmenden detailreiche Modelle, die als Metaphern für ihre Sicht auf die unterschiedlichsten Aspekte des bearbeiteten Themas dienen.  Das Vorgehen folgt immer den gleichen vier Schritten (ausführlicher unter http://legoinhe.de/der-arbeitsprozess/):

  • Bauauftrag: Zunächst wird den Teilnehmenden eine Frage gestellt, die den Bauauftrag enthält.
  • Bauen: Die Antwort auf die Frage wird durch das LEGO-Modell gegeben. Dabei bestehen die Modelle zu einem großen Teil aus Metaphern. Dies ermöglicht es, mit einer begrenzten Zahl, Form und Farbe an Bauteilen nahezu unbegrenzt Informationen und Gedanken auszudrücken. Neben dem Mitteilen der eigenen Perspektive werden durch das haptische ‚Erschaffen‘ der Antwort Denkprozesse angeregt und dokumentiert sowie neue Einsichten gewonnen.

lsp-beispielbild

  • Teilen: Da das Modell nicht selbsterklärend ist, wird es im nächsten Schritt von der Person, die es gebaut hat, erläutert. Die Teilnehmenden werden angeregt die
    ‚Geschichte ihres Modells‘ zu erzählen. Dabei findet nicht nur eine Präsentation des Modells für die anderen Teilnehmenden, sondern auch eine vertiefte Auseinandersetzung des Erbauenden mit dem Modell statt.
  • Reflektieren: Alle Teilnehmenden beteiligen sich durch Nachfragen zum Modell bzw. der erzählten Geschichte am Prozess. Dadurch können bislang vernachlässigte Bedeutungen herausgearbeitet und ein geteiltes Verständnis der Perspektive der Person, die das Modell gebaut hat, erreicht werden.

Fazit

Die Resonanz auf die Methode ist unter Führungskräften und Mitarbeitern aus allen Branchen äußerst positiv. Besonders wird in den Rückmeldungen die hohe Intensität des Dialogs, die gleichberechtigte Beteiligung im Prozess und die positive Arbeitsatmosphäre hervorgehoben. Sicherlich stellt das Arbeiten mit LEGO zum Teil einen Bruch mit den gängigen Arbeitsmethoden in der Verwaltung dar. Dieses Risiko hat sich aber in den von mir moderierten Prozessen bislang immer ausgezahlt.

 

Anmerkungen

/1/ The LEGO Group (2010). Open-source Introduction to LEGO(R) Serious Play(R).

/2/ Kristiansen, P. & Rasmussen, R. (2014). Building a better business using the LEGO(R) Serious Play® Method, Hoboken: Wiley.

 

Autor: Prof. Dr. Tobias Seidl

Hochschullehrer, LEGO Serious Play Moderator, Lernender

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