Die Digitalisierung kommt, soviel ist sicher. Wir dürfen uns nicht überrollen lassen…, müssen vorbereitet sein.

Dieser Artikel soll wieder ein Ping-Pong werden – diesmal mehr ein Rundlauf als eine reine Zweierpartie: eine Einladung an meine Mitstreiter und -innen vom Forum Agile Verwaltung und an alle Leserinnen und Leser, den Ball aufzunehmen und mit ihrem Drall weiterzuspielen….

„Die Digitalisierung kommt, soviel ist sicher. Wir dürfen uns nicht überrollen lassen…, müssen vorbereitet sein.“

Mhhmmm…. Ich habe es an dieser Stelle schon gelegentlich erwähnt: Ich bin Science Fiction- und insbesondere Star-Trek-begeistert[1]. Technische Gadgets, neue digitale Möglichkeiten, to seek out new life … and to boldly go where no one has gone before – für mich und die meisten ‚Trekkies‘ ist das alles höchst anziehend, spannend, reizvoll, macht neugierig. Bei vielen aber löst der Begriff ‚Digitalisierung‘ Befremden, Furcht und Frust aus. Warum so unterschiedliche Reaktionen?

Wir funktionieren meist – und oft noch zu Recht – nach der Haltung, dass, wer gut ist, weiss wie es geht. Nach allen Regeln der Kunst plant, die bewährten (Fach-)Standards erfolgreich und kompetent anwendet – und dass dann, weil man ja gut ist, die Rechnung aufgeht… . Und wenn nicht, hat man etwas falsch gemacht, ist gescheitert. Dann trifft uns Versagensangst, Unsicherheit, Verwirrung.

„Wir befinden uns in einer dieser Übergangsperioden, wo das Alte langsam auseinanderfällt, aber sich das Neue noch nicht geformt hat. In diesen verwirrenden Zeiten stützen sich manche noch stärker auf die bestehenden Perspektiven und Glaubenssätze und versuchen, die veralteten Methoden immer verzweifelter anzuwenden.“[2]

Die Digitalisierung ist eines der Themen, an denen sich dieses Phänomen deutlich manifestiert.

Gibt es sie nicht aber doch auch irgendwo, die Star-Trek-Seite?
Den Teil, der nicht hauptsächlich befremdlich und verunsichernd wirkt?
Der uns nicht vorrangig reagierend und ertragend in Stress versetzt, mit etwas Fremden, das da auf uns zurollt, dem wir uns stellen müssen, etwas entgegensetzen zu müssen?
Wo sind die Seiten der Digitalisierung, die Möglichkeiten eröffnen?
Mut machen und Spass? Die einen Sog entstehen lassen können, das, was da kommt gestaltend zu nutzen? Auch und besonders in der öffentlichen Verwaltung?

Star Trek basiert auf futuristischer Technik und ihren Auswirkungen auf das menschliche Verhalten. Was, wenn jeder immer überall hin kann? Wenn Nahrung und Materielles für alle unbegrenzt zur Verfügung stehen? Wenn die Technik möglich macht, mit völlig unbekannten und fremden Lebensformen und Lebenswelten in Austausch zu treten? Betrachtet im Sinne einer Utopie.

Also nicht: Was bedroht uns dann alles Neues? Sondern: Was wird dann möglich?

Die beiden folgenden Zitate stammen aus dem Programm einer Veranstaltung zum 50. Star Trek-Jubiläum 2016: Die Tagung Neue Welten – Star Trek als humanistische Utopie? wurde vom Humanistischen Verband Bayern (HVD Bayern) in Kooperation mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg durchgeführt.

„Zwar spielen fiktive Technologien in Star Trek eine große Rolle, was für den Begriff Science Fiction spricht, jedoch sind sie tatsächlich eher als „Hintergrundrauschen“ präsent. Stattdessen ist Star Trek an sich eine utopische Erzählung, die in ihren vielfältigen Geschichten eine zukünftige Gesellschaft skizziert.“[3]

„Gene Roddenberry verstand sein großartiges Filmprojekt als seine ‚soziale Philosophie, sein philosophisches Verständnis des Lebens und der humanen Bedingungen des Menschseins‘, der conditio humana. Roddenberrys Vorhaben war von ‚einer optimistischen, entschieden positiven Vision der menschlichen Zukunft‘ geprägt.[4]

Es geht also darum, nicht einfach Tech ins Bestehende zu integrieren, sondern über die Technik hinaus Möglichkeiten und Handlungsoptionen zu suchen und anzuwenden.

Das Zukunftsinstitut https://www.zukunftsinstitut.de/ hat soeben eine Trendstudie [5]„Hands-on Digital“ veröffentlicht. Fünf Konsequenzen für digitale Kompetenz werden da beleuchtet, hier zitiert in kurzen Auszügen aus dem Webartikel dazu:

„IDENTITÄT
Digitalisierung braucht Orientierung an der eigenen Identität. (…)
Erst dann sind Unternehmen keine Opfer, sondern Schöpfer und Gestalter des Digitalen. (…)

FÜHRUNG
Beziehungen statt Bytes: Digitale Transformation ist eine Frage der Führung, nicht der Technologie. (…)

INNOVATION
Playful Innovation: Wirklich Neues entsteht durch Spielräume, nicht durch Aktionismus. (…)

KOOPERATION
Das Hafen-Prinzip: Ein digitalisiertes Unternehmen ist ein Knotenpunkt, keine geschlossene Einheit. (…)

TECHNOLOGIE
Teamplay mit Technologie: Die Zukunft gehört der Allianz von Mensch und Maschine. (…)“

Ich bin nicht mit allem einig, was dort diskutiert wird. Auffällig ist aber: Technik, Software und die Digitalisierung von Abläufen und Prozessen stehen da mitnichten im Vordergrund. Sondern Beziehung und Bezug, Kreativität, menschliches Zusammenwirken und Gestaltungswille.

Was, wenn die sogenannte Digitalisierung uns – nicht nur technisch – Möglichkeiten gibt, aus den Fesseln und Grenzen von fixen Abläufen und Hierarchien ein bisschen auszutreten? Themen, die „weicher“ sind und oft wenn überhaupt nur im Hintergrund wirken durften in einer beruflich-fachlichen Umgebung, Aufmerksamkeit gibt? Dem Ausprobieren und dem momentanen Einsatz für ein gegebenes Problem Platz einräumt? Der einzelnen Situation einen Stellenwert erlaubt, der in standardisierten Abläufen keinen rechten Platz hatte? Denkräume und Möglichkeiten erforschen dürfen, dem Experimentieren, der Wegsuche nach guten Lösungen, Wert und Raum zu geben, kann durchaus ein Gewinn sein.

Permanent Beta – damit umgehen, dass in unserer Generation Wandel durch technische und gesellschaftliche Innovation, Entwicklungsstadien und das kompetente und souveräne Umgehen mit Anpassungen zu einem Anspruch und Lebensmodus werden – ist so ein Hilfsbegriff. Die Fähigkeit, sich als Organisation oder (Fach-)Person adaptiv an situative Fragestellungen und Ziele anzupassen – der gegebenen Situation am sinnvollsten angemessen, ohne die eigene Identität und die zugrundeliegenden Aufgaben und Werte dabei zu verlieren, wird wichtiger – und gibt Spielräume to boldly go.

Und Star Trek zeigt vielleicht, dass die Digitalisierung nicht nur (wenn auch auch) reaktiv bearbeitet werden kann, sondern durchaus auch spannend und gestaltungsfreudig und alltagshilfreich ist.

An diesem Punkt möchte ich gern den Ball übers Netz ins benachbarte Spielfeld geben:
Wer mag / kann den nächsten Spielzug setzen? Hat Beispiele und Erfahrungsberichte?
Illustrationen oder Fragen? Kritiken oder Schnittmengen?….
In den Kommentaren ist Raum. Oder im Forum Agile Verwaltung auf Facebook.
Auch und besonders Blogbeiträge (auch ganz kurze 🙂 ) dazu sind hochwillkommen – gerne per Mail an forumagileverwaltung[ätt}gmail.com.

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[1] neulich sagte jemand ‚Gesinnungslump‘ – vielleicht ein Star-Wars-ler?! … naja, lassen wir das… – Ist das nicht aber ein faszinierender Begriff, wenn man ihn phantasievoll mit Inhalt füllt???

[2] nach: F. Laloux ‚Reinventing Organizations visuell‘

[3] http://www.neue-welten.org/aus-dem-chaos-in-die-ordnung-die-schaffung-politisch-sozialer-strukturen-in-star-trek/ abgerufen am 08.05.2018

[4] http://www.neue-welten.org/auf-die-raumschiffe-ihr-philosophen-star-trek-und-philosophie/ abgerufen am 08.05.2018

[5] https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/digitalisierung/5-konsequenzen-die-agenda-fuer-digitale-kompetenz/?utm_source=Zukunftsinstitut+Email-Verteiler&utm_campaign=96fd21c2fa-Hands_on_Content_07052018&utm_medium=email&utm_term=0_ffe62bfdc6-96fd21c2fa-106169085&mc_cid=96fd21c2fa&mc_eid=85fd936693 abgerufen am 08.05.2018

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