Aus der (agilen) Methodenkiste: FOR-DEC – ein Schema für bessere Entscheidungen, nicht nur in Krisensituationen

Die letzten Tage habe ich mich wieder in meiner Methodenkiste vertieft und gewühlt. Dabei bin ich erneut auf das FOR-DEC-Schema gestoßen. Ursprünglich wurde dieses Schema für die Luftfahrtindustrie entwickelt, um in Krisensituationen – wenn das Adrenalin hoch ist und wir im reaktiven Modus stecken – eine Unterstützung zu bieten. Mit ihr soll die Besatzung eines Flugzeugs auch unter Stress zu nachvollziehbaren, guten Entscheidungen kommen. Mit anderen Worten: Die Methode wurde für Extremsituationen entwickelt, um eine strukturierte Arbeitsweise zu ermöglichen.

Es handelt sich um ein einfaches Prüfschema in Form einer Checkliste, die insgesamt sieben Einzelschritte umfasst:

  • Facts (Fakten): Wir tragen alle gesicherten Fakten zusammen. Spekulationen und Vermutungen lassen wir außen vor. Es zählen ausschließlich die reinen, nüchternen und gesicherten Informationen.
  • Options (Handlungsoptionen): Danach prüfen wir alle uns zum Zeitpunkt bekannten Handlungsoptionen und Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.
  • Risks (Risiken): Haben wir alle bisher infrage kommenden Handlungsoptionen betrachtet, wägen wir Risiken und Nutzen jeder Option ab.
  • – (Pause): Der magische Trick, der nun folgt, ist eine kurze Pause. Das kennen wir vermutlich alle: Ein kurzes Innehalten und Sackenlassen führt dazu, dass wir im Anschluss die eine oder andere Option klarer und weniger emotional bewerten können.
  • Decision (Entscheidung): Erst danach treffen wir eine Entscheidung.
  • Execution (Ausführung): Diese setzen wir konkret um.
  • Check (Überprüfung): Anschließend betrachten wir die Wirkung unserer Entscheidung und tragen alle gesicherten Fakten zusammen, um zu prüfen, ob wir das gewünschte Ergebnis erzielt haben.

Klingt eigentlich einfach und schlüssig. Erinnert auch ein bisschen an den PDCA-Zyklus, den jeder Lean-Enthusiast und Agilist sicherlich kennt.

Ich finde dieses Prüfschema sogar – über Krisensituationen hinaus – so effektiv, dass ich es mir als Checkliste dauerhaft griffbereit auf dem Schreibtisch liegen habe.

Immer, wenn Diskussionen mal wieder „heiß“ hergehen, verwende ich das Schema zum Beispiel, um die Diskussion zu lenken:

  • Was sind die gesicherten Fakten, die wir haben?
  • Welche Handlungsoptionen stehen uns zur Verfügung?
  • Welche Risiken und Chancen bietet die jeweilige Handlungsoption?
    Nach einer kurzen Kaffeepause werfen wir noch einmal einen Blick darauf – und erst dann treffen wir eine Entscheidung.

Aber auch im Arbeitsalltag hilft mir das Schema als „Hilfswerkzeug“, nicht in den reaktiven Modus mit Schnellschüssen zu verfallen, sondern beginnend mit gesicherten Fakten Handlungsoptionen zu prüfen.

Was also im Krisenmanagement funktioniert, hilft auch in alltäglichen Momenten weiter. Und dabei habe ich eine Beobachtung gemacht: Je öfter man es einübt, desto mehr wird es zu einem selbstverständlichen Teil des alltäglichen Handelns und Denkens – die Macht der Routine. Es hilft auch dabei, im täglichen Alltag mögliche Handlungsoptionen zu entdecken und Denkfehler (neudeutsch: Bias) zu erkennen.

Mein Fazit: Das FOR-DEC-Schema ist eine gute Hilfestellung für eine systematische Entscheidungsfindung – nicht nur in Krisensituationen. Eine gute Hilfe, um besonnen gute Entscheidungen zu treffen.

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