Die Sieben Apokalyptischen Reiter einer Kommunalen Digitalisierungsstrategie

Dr. Wolfram von Schneyder, VSC-Team

Wer hat sie nicht, wer braucht sie noch? Die Digitalisierungsstrategie ist eines der Lieblingsprojekte von Städten, Ämtern und Behörden.  Wer öfters welche lesen darf, dem begegnet täglich das Murmeltier. Daher präsentieren wir hier: Die sieben apokalyptischen Reiter der Digitalisierungsstrategie. Viel Spaß beim Lesen!!

1. Reiter: Es ist nur Show

„Wir brauchen eine Digitalisierungsstrategie für unsere Kommune. Das machen alle so, ob das jetzt so Sinn macht oder nicht. Überlegen Sie sich was ohne zu viel Aufwand. Wir müssen zeigen, dass wir am Puls der Zeit sind: Jung und hipp, Online-Services und Apps verstehen und glaubhaft darstellen, dass ‚User Experience‘ und ‚seamless integration‘ keine Fremdworte für uns sind.“ Sagt der Verwaltungschef. Strategieentwicklung ist eine Führungsaufgabe? Aber natürlich! Denn eine Strategie, die die Top-Führungskräfte nicht mitentwickelt haben, die sie überzeugt, die sie überzeugend vertreten und Ihre Handlungen daran ausrichten, ist vor allem eins: ein Stück Papier.

2. Reiter: Machen Sie mal

Nun ist „Einfach mal machen – es könnte ja gut werden“ inzwischen zwar ein beliebtes Motiv auf Postkarten oder T-Shirts, doch kann ein wenig Überlegung verbunden mit Erfahrung in Strategieentwicklung und dem nötigen Prozesswissen durchaus helfen. Ein Dokument oder ein Beitrag allein zeigt noch lange nicht, dass man wirklich verstanden hat, was es heißt, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Und zur Entwicklung einer schlüssigen,  ausgewogenen und Orientierung gebenden Strategie ist ein geplantes Vorgehen kein Hindernis. Sag ich jetzt mal so.

3. Reiter: Keine Hektik, Bitte

Sie halten jetzt Workshops ab, machen das wahnsinnig partizipativ und haben nach einem langen Prozess ein schickes vielseitiges Dokument. Sie zeigen also gut abgestimmt, wofür Sie mit Blick auf die Digitalisierung stehen und was Sie erreichen wollen. Das geht jetzt aber nicht. Denn: Sie sind eine Verwaltung, die an allen Ecken und Enden sparen muss und zahlreiche offene Stellen nicht besetzen kann. Sie gehen auf dem Zahnfleisch: durch die Bewältung der Einreise von einer Million Zureisenden, der Pandemielage und nun dem nächsten kriegsbedingten Einreiseboom. Sie können das jetzt nicht auch noch umsetzen, was Sie erarbeitet haben. Nur: wann dann? Gerade dann ist eine klare Orientierung für sinnhafte Prioritätensetzung nötig!

4. Reiter: Wir orientieren uns am hier und heute

Es gleicht einem Blick in die Glaskugel: wie verändert sich unsere Welt? Wie sieht sie in 10 Jahren aus? Das können wir nicht wissen. Also orientieren Sie sich am Jetzt. Bitte, bitte nicht. Um eine Strategie zu entwickeln, die Orientierung für die Zukunft bietet, müssen Sie mit Blick auf die Zukunft spekulieren und sich dafür ein gutes Stück vom Hier und Heute lösen. Das heißt nicht, losgelöst von allen Realitäten gedanklich ins Paradies der VerwaltungsmitarbeiterInnen aufzubrechen. Aber es heißt, sich klarzumachen, welche gewaltigen Entwicklungsspünge Digitalisierung ermöglicht und in wie kurzer Zeit diese Veränderungen Alltag der Menschen werden. Also: machen Sie Gedankenreisen.

5. Reiter: Fachwissen spielt keine Rolle

Meinungsstark sind viele Menschen. Ungeachtet eines eventuell bestehenden fachlichen Hintergrundes oder Wissensstandes. Diese Meinungen, gerne von Alphatieren vertreten, dominieren Diskussionen und ersticken damit Kreativität und Fachliche Expertise im Keim. Das darf nicht sein. Bei der Strategieentwicklung geht es darum, auszuloten, was möglich sein kann. Raum zu geben. Ideen zuzulassen. Und nicht Meinungen zu verordnen. Alle Beteiligten kommen zu Wort. Die Zukunft betreffend in jedem Fall auch Vertreter in jungen Jahren, die nahe an den Entwicklungen der jungen Generation  sind.

5. Reiter: Fachwissen spielt keine Rolle

Meinungsstark sind viele Menschen. Ungeachtet eines eventuell bestehenden fachlichen Hintergrundes oder Wissensstandes. Diese Meinungen, gerne von Alphatieren vertreten, dominieren Diskussionen und ersticken damit Kreativität und Fachliche Expertise im Keim. Das darf nicht sein. Bei der Strategieentwicklung geht es darum, auszuloten, was möglich sein kann. Raum zu geben. Ideen zuzulassen. Und nicht Meinungen zu verordnen. Alle Beteiligten kommen zu Wort. Die Zukunft betreffend in jedem Fall auch Vertreter in jungen Jahren, die nahe an den Entwicklungen der jungen Generation  sind.

6. Reiter: Wir machen das im Stillen Kämmerlein

„Also, bei bestem Willen, da kann doch echt nicht jeder mitreden.“ Richtig. Das geht aus praktischen Überlegungen wirklich nicht, wenn das Ziel ist, in vertretbarer Zeit ein Ergebnis vorliegen zu haben. Nur sollten schon alle, die vom Ergebnis der Strategie direkt oder indirekt betroffen sein werden, das Ergebnis kennen und verstanden haben. Also reden Sie mit ihnen.

7. Reiter: Da ist die Luft raus

„Ach lassen Sie das mal liegen, wir müssen uns jetzt dringend um dieses neue Thema kümmern. Das wird schon, das soll mal XYZ übernehmen.“ Es ist wie immer: auch die schönste Strategie nützt nichts, wenn sie keinen interessiert. Nicht in Worten zeigen sich Überzeugungen, sondern in Taten. Also müssen mit einer Digitalisierungsstrategie auch die folgenden Fragen geklärt werden: Welcher Rahmen muss zur Umsetzung gegeben sein? Wer macht was? Wie müssen wir uns als Organisation verändern, damit das funktioniert? Und das machen Sie dann einfach mal.

Kommt Ihnen was bekannt vor? Möchten Sie es anders machen? Na, dann ist hier schon mal eine gute Basis für die ersten Entscheidungen zum Vorgehen.

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